Wiener Mistkübel (Papierkörbe) – Charmant kontaktfreudig

„Die Kennworte des Wieners: Wie komm denn i dazu? Es zahlt sich ja net aus! Tun S‘ Ihnen nix an!“ (Arthur Schnitzler)

So sehr ich Wien liebe, das hier zu zeigen versuche und viele liebe Wiener und viele liebe Wienerinnen kenne, manchmal stellen einen einige Einwohner auf die Probe. Selbst unerschütterlicher Humor hilft bei solchen, manchmal etwas unhöflichen Begegnungen nicht immer. Was hilft dann?? Vielleicht eine Begegnung mit einem ausgeglichen charmanten schweigsamen Wiener. Von denen es immerhin so ca. 15.000 in der Stadt gibt. Quasi wartet freundliche Ansprache an jeder Wiener Ecke: „Gib meinem Hängen einen Sinn.“ „Tag und Nachtaktiv.“ „Bin für jeden Dreck zu haben.“ „Bitte Füttern.“ So kontaktfreudig begegnen einem seit einiger Zeit die Wiener Papierkörbe – hier Mistkübel genannt. Das sich die Wiener Abfallbeseitiger diese Idee ausgerechnet bei Berliner Papierkörben abgeschaut haben, ist ein lustiges Detail. Denn auch in Berlin kann es zu „unsanften“ Begegnungen mit Einheimischen kommen :-) Weiterlesen

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Fritz Wotruba – 152 Betonblöcke über Wien

Wien Wotruba Kirche Georgenberg aussen„Sie hatte das Gebäude auf einem Spaziergang entdeckt, nachdem sie mit Carl in der Wotrubakirche gewesen war, jener grandiosen Umwandlung einer Skulptur in ein Gotteshaus, welches am äußeren Zipfel einer Stadtrandgegend namens Mauer gelegen war und sich aus einer Anhöhe werkzeugartig herausschraubte.

Soeben war der Gottesdienst zu Ende gegangen, und ein Teil der Leute strömte aus der Kirche, Sporträdern und Joggingschuhen entgegen, während kleinere Gruppen im Inneren verblieben waren und die Akustik des Raumes auf die Probe stellten. … Natürlich war Anna ungerecht gegen diese Leute, die sie ja nicht kannte und die da in geselligen Gruppen beisammenstanden und halt ein wenig laut waren. Und ein wenig respektlos gegen das Licht, das zwischen den mächtigen Betonkuben ins Innere strömte und dem schweren Bau etwas Schwebendes verlieh, etwas von einer fliegenden Orgel oder einem fliegenden Mammut. …“[1]
Wien Wotruba Kirche Georgenberg innen
Die Wotrubakirche, die Treppe hinauf zur Kirche und eines der wundervoll verwunschenen alten Häuser in ihrer Umgebung spielen mit in einem der besten & skurrilsten Wiener Krimis – „Ein dickes Fell“ von Heinrich Steinfest. Für eine ideale Kirchen-Besichtigung sollte man zuerst dieses Buch lesen und dann die Website der Kirche, danach die Kirche besuchen und zum Abschluß in den Heurigen Zahel am Maurer Hauptplatz einkehren. Ein perfekter Ausflug für alle Sinne zu einem Wiener Kunstwerk. Weiterlesen

Ein Hund – Meint es ernst

Wien Hundekot Kampagne Sackerl GackerlAuf meinen Wanderungen durch Wien gerate ich oft in eine Art Entdecker-Flow und vergesse dabei welch gefährliches Pflaster diese Stadt ist. Hundstrümmerl! Nicht ohne Grund werden hier die allgegenwärtigen Hundehaufen mit so einem dramatischen Namen bezeichnet. Frau/Mann kann sich an diesen vielen Trümmerln leicht den Fuß brechen. Entweder beim Ausweichen oder beim Reinstürzen. Damit nicht der Ruf von Wien ruiniert wird, gibt es Schutzengel. Zweibeinige, wie zwei Straßenkehrer, die sich mir einmal sportlich in den Weg warfen, als ich in Architekturverzückung geraten, beinahe Trümmerln übersehen hätte.

Weil die Stadt nicht überall zweibeinige Retter postieren kann, setzt sie auch vierbeinige ein. Seit Oktober 2006 versuchte ein anonymer Jack-Russel-Terrier auf kumpelhafte Weise Hundehalter zu besserem Benehmen zu bekehren (siehe Foto oben).

Viele Tausend dieser Wiesenstecker wurden inzwischen geklaut. Protestler? Fans des Terriers? Wien-Souvenir-Jäger? Wie auch immer, der Terrier hat seine Chefin besucht, die Umweltstadträtin Ulli Sima, und ihr ans Herz gelegt, es ernster anzugehen. Wien Hundekot Kampagne 36 EuroSeit Anfang der Woche ist sein kumpelhafter Ton Vergangenheit. Jetzt heißt es:“Sind Dir 36 Euro Wurst?“ (siehe Foto unten).

Was wird passieren? Der anonyme Terrier bekommt neue Fans – die Polizeihunde. Die Tierärzte werden von Hunden gestürmt, denen die Angst vor der Bestrafung ihrer Frauchen & Herrchen auf den Darm geschlagen ist. Die Wiener Hundebesitzer ändern sich?*

* Nachtrag 2012: Vier Jahre später und tatsächlich scheint es so, als wäre der Hund erfolgreich. Ein Wunderhund?