Wiener Mistkübel (Papierkörbe) – Charmant kontaktfreudig

„Die Kennworte des Wieners: Wie komm denn i dazu? Es zahlt sich ja net aus! Tun S‘ Ihnen nix an!“ (Arthur Schnitzler)

So sehr ich Wien liebe, das hier zu zeigen versuche und viele liebe Wiener und viele liebe Wienerinnen kenne, manchmal stellen einen einige Einwohner auf die Probe. Selbst unerschütterlicher Humor hilft bei solchen, manchmal etwas unhöflichen Begegnungen nicht immer. Was hilft dann?? Vielleicht eine Begegnung mit einem ausgeglichen charmanten schweigsamen Wiener. Von denen es immerhin so ca. 15.000 in der Stadt gibt. Quasi wartet freundliche Ansprache an jeder Wiener Ecke: „Gib meinem Hängen einen Sinn.“ „Tag und Nachtaktiv.“ „Bin für jeden Dreck zu haben.“ „Bitte Füttern.“ So kontaktfreudig begegnen einem seit einiger Zeit die Wiener Papierkörbe – hier Mistkübel genannt. Das sich die Wiener Abfallbeseitiger diese Idee ausgerechnet bei Berliner Papierkörben abgeschaut haben, ist ein lustiges Detail. Denn auch in Berlin kann es zu „unsanften“ Begegnungen mit Einheimischen kommen :-) Weiterlesen

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Franz Josefs Land (Teil 2) – Zu Gast in der nahen Ferne

Das Franz Josefs Land an der Alten Donau hat eine kalte Vergangenheit (Eis-Gewinnung), ist ein exotischer Ort (Erinnerung an die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition) und eine schöne Gegend für Ausflüge zu jeder Jahreszeit. Mit kühlem Bier oder heißem Punsch in einem der Restaurants am Ufer der Alten Donau. Heute wie in der Vergangenheit. Einen Blick in die Vergangenheit ermöglicht Erich Heisler mit seiner Bild-Spende (großes Format). Vielen Dank!

Hannes Lintl – Wiener Hoch-Karussell-Restaurant-Erfinder

Vier Jahre lebe ich Wien. Zeit endlich einmal das weltweit erste drehbare Restaurant zu besuchen, bei dem sich die Fassade mitdreht. Hinauf fahren in den höchsten Stahlbetonturm Europas mit dem schnellsten Express-Aufzug Europas. Diese Rekorde hielt der Wiener Fernsehturm – genannt Donauturm – im Jahr seiner Fertigstellung 1964. Einen Rekord hält er noch immer, er ist mit 252 Metern Höhe Österreichs höchstes Gebäude. Zwar ist auf dem nahen Bisamberg ein Mast noch höher, aber der ist letztlich kein Gebäude.

Der Weg zum Turm-Aufzug ist mit touristischen Hürden gepflastert: grässliche Souvenirs und ein Fotograf, der wie auf der Geisterbahn Fotos von einem machen möchte, bevor man in den Aufzug steigt. Sollen die einer späteren Identifizierung dienen, falls der Turm zusammenbricht? Weiterlesen

Ein Hund – Meint es ernst

Wien Hundekot Kampagne Sackerl GackerlAuf meinen Wanderungen durch Wien gerate ich oft in eine Art Entdecker-Flow und vergesse dabei welch gefährliches Pflaster diese Stadt ist. Hundstrümmerl! Nicht ohne Grund werden hier die allgegenwärtigen Hundehaufen mit so einem dramatischen Namen bezeichnet. Frau/Mann kann sich an diesen vielen Trümmerln leicht den Fuß brechen. Entweder beim Ausweichen oder beim Reinstürzen. Damit nicht der Ruf von Wien ruiniert wird, gibt es Schutzengel. Zweibeinige, wie zwei Straßenkehrer, die sich mir einmal sportlich in den Weg warfen, als ich in Architekturverzückung geraten, beinahe Trümmerln übersehen hätte.

Weil die Stadt nicht überall zweibeinige Retter postieren kann, setzt sie auch vierbeinige ein. Seit Oktober 2006 versuchte ein anonymer Jack-Russel-Terrier auf kumpelhafte Weise Hundehalter zu besserem Benehmen zu bekehren (siehe Foto oben).

Viele Tausend dieser Wiesenstecker wurden inzwischen geklaut. Protestler? Fans des Terriers? Wien-Souvenir-Jäger? Wie auch immer, der Terrier hat seine Chefin besucht, die Umweltstadträtin Ulli Sima, und ihr ans Herz gelegt, es ernster anzugehen. Wien Hundekot Kampagne 36 EuroSeit Anfang der Woche ist sein kumpelhafter Ton Vergangenheit. Jetzt heißt es:“Sind Dir 36 Euro Wurst?“ (siehe Foto unten).

Was wird passieren? Der anonyme Terrier bekommt neue Fans – die Polizeihunde. Die Tierärzte werden von Hunden gestürmt, denen die Angst vor der Bestrafung ihrer Frauchen & Herrchen auf den Darm geschlagen ist. Die Wiener Hundebesitzer ändern sich?*

* Nachtrag 2012: Vier Jahre später und tatsächlich scheint es so, als wäre der Hund erfolgreich. Ein Wunderhund?

Wiener Geschichte – Wiener Geschichten

kaisermuehlen.jpgDen furchtbaren Brand des Wiener Ringtheaters im Dezember 1881 haben nicht nur zwei Sängerinnen und zwei Sänger überlebt, von den ich hier schon erzählt habe, sondern auch Säulen. Diese Theater-Säulen wurden, da noch zu verwenden und preiswert zu haben, in der Kaisermühlenkirche am Schüttauplatz eingebaut. Ein Platz von dem aus man leicht „Wiens kältesten Bezirk“, erwandern kann. Wo an einem Wanderweg erinnert wird an die Gewinnung von Eis aus der Alten Donau und mit dem Namen der Gegend an die Entdeckung des „Franz Josefs Lands“ im Nördlichen Eismeer.

Auch zwei Uhren haben den Brand des Ringtheaters „überlebt“. Sie sind heute im Uhrenmuseum des Wien Museum zu besichtigen. So wie auch die berühmte Uhrensammlung von Marie von Ebner-Eschenbach, die dort ausgestellt ist. Weiterlesen

Franz Josefs Land (Teil 1) – Wiens kältester Bezirk

Wer einmal miterlebt hat, wie sich an einem heißen Sommertag Menschenströme in das Städtische Bad Gänsehäufel* an der Alten Donau ergießen, kann nicht glauben, das hier früher Wiens „kältester“ Bezirk war. Die Gründe: die Natur und patriotische Gastwirte.

franzjosefsland1.jpgVon 1882 bis 1917 wurde dort an der Alten Donau Natureis gewonnen. Dieses Eis war zur damaligen Zeit das einzige Kühlmittel für Gaststätten und Fleischhauer (Metzger). So genannte Eisschläger hackten das Eis aus der zugefrorenen Donau und flößten es zum Transport zu Eiskellern und Eisgruben. Was für eine Arbeit!
Die Wiener Eisfabrik baute später Eishäuser im Gebiet Alte Donau und Kaiserwasser. Die Eiswerkstraße (Foto) kündet davon. Die als „Eisfabrik der Approvisionirungs-Gewerbe in Wien“ gegründeten „Vereinigten Eisfabriken und Kühlhallen in Wien“ gibt es noch heute im Nachbarbezirk – der Brigittenau. Allerdings inzwischen ohne Natureis.

franzjosefsland2.jpgZum „kalten Ruf“ dieser Wiener Gegend trug auch die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition bei. Am 30.8. 1873 entdeckte sie unter Leitung von Professor Julius von Payer und Karl Weyprecht eine Inselgruppe im Nördlichen Eismeer, die nördlichsten Inseln von Eurasien, und benannte sie nach Kaiser Franz Joseph I. Das animierte den heimatverbundenen Gastwirt Franz Magenstein, sein an der Alten Donau gegründetes Gasthaus „Zum Franz-Josefs-Land“ zu nennen. Weitere patriotische Gasthäuser folgen – „Zum Nordpol“, „Zum Nordlicht“. 1876 erhält das Gebiet zwischen Kagraner Brücke und Kaiserwasser den Namen „Franz Josefs Land“. Die Payer-Gasse (Foto) kündet davon.

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Clemens Freiherr von Pirquet – allo & ergon aus Wien

Clemens Freiherr von PirquetIm kommenden Sommer feiert der Begriff Allergie seinen 102. Geburtstag. Vielleicht tummeln sich an diesem Tag die Pollen mal nicht so stark, weil das ein trauriger Tag für sie ist. Denn jemand hat ihre „Neben“wirkungen erahnt. Ein Wiener natürlich – wer sonst. In Wien natürlich – wo sonst. Clemens von Pirquet (1874 – 1929), ein Kinderarzt, begründete mit einem Kollegen die Lehre von den Allergien. Den Begriff erfand Pirquet. Er addierte die griechischen Worte anders & Tat. Wobei es da verschiedene Deutungen gibt. So auch: anders & Funktion, verändert & Aktion. Namensdeutungen hin oder her, eine allergische Reaktion ist eine allergische Reaktion. Wen sie trifft, dem gibt sie keine Kraft mehr zum Deuten. Den quält diese über & Reaktion seines Immunsystems auf eigentlich „harmlose“ Stoffe wie Pollen & Co.

Pirquet arbeitete als Kinderarzt im Wiener St.-Anna-Kinderspital; bei der Behandlung von an Diphterie erkrankten Kindern verwunderten ihn die Nebenwirkungen der Impfungen. So waren seine Untersuchen und die Allergie-Definition zu Beginn erst auf die so genannte Serumkrankheit bezogen. Den Namen Allergie veröffentlichte er zum ersten Mal in gedruckter Form in der „Münchner Medizinischen Wochenschrift“ vom 24. Juli 1906.
Pirquet war allerdings schon damals klar, das nicht nur diese Impfreaktionen allergische Reaktionen waren, sondern das es noch ein viel breiteres Spektrum an Allergien geben würde. Und so konnte die Berliner Charité den 100. Geburtstag des Wortes Allergie mit einer reichhaltigen Ausstellung begehen, die von der ersten bekannten Symptomen einer Katzenhaarallergie um 1570 bis zu düsteren Prognosen für die allergische Zukunft des Menschen in den Industrieländern reichte. [2] Weiterlesen