Wiener Bloomsday – „… die Gasthausschilder sind essbar wie Schinken“

„Der Bloomsday ist ein alljährlich am 16. Juni feierlich begangener Gedenktag, der sich auf den Ulysses, das Hauptwerk des irischen Schriftstellers James Joyce, bezieht. Namensgeber ist die Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom.“

„Ich möchte ein Abbild von Dublin erschaffen, so vollständig, daß, wenn die Stadt eines Tages plötzlich vom Erdboden verschwände, sie aus meinem Buch heraus vollständig wieder aufgebaut werden könnte.“
– James Joyce

(Zitate aus Wikipedia)

Dieses Jahr habe ich mich am Wiener Bloomsday beteiligt.
Mit einem Abbild von Wiener Schmäh
„so vollständig, dass, wenn die Stadt eines Tages plötzlich vom Erdboden verschwände, sie aus“ diesen Schildern „heraus vollständig wieder aufgebaut werden könnte.“ ;-D

Mein Wiener Schilder-Schmäh-Abbild:

Die Kraft der Wiener Küche …
Würstelstand „Am Nordpol“. Döner Kebab Würstelinsel. Bierlagune. Gulaschoase zum Hormayer. Bieradies.
Heisse am Gürtel. Würstel-Salon. Bierschnabel. … hikxs. Kebab (mampf).
Hühnerparadies – Geflügel – Fisch –Imbiss. Bierfink.
Pan Appetit.
Mostlandl. K & K Hausmannskost. Kaffee Monarchie Konditorei. Letztes Wirtshaus „fur Daham“. Opernwurst Stad’l.
Das Ministerium für Pizza & Co. Evershine Pizza.
Zum alten Heller. 2-Euro-Bar. Gasthaus Pleitegeier.
Wiens Verspieltes Lokal – Brot & Spiele. Cafe Kultur. Wein & Wasser.
Cafe USW.
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Josef Kyselak – Graffiti made in Austria

Für mich ist Wien ein Graffiti-Paradies. Und damit Josef Kyselak – einer der Begründer der hiesigen Graffiti-Geschichte – mein Held :-)

Was sagt das Österreich-Lexikon aeiou über ihn?
„Kyselak, Josef, * 22. 12. 1799 Wien, † 17. 9. 1831 ebenda, Sonderling, Hofkammerbeamter in Wien. Machte sich dadurch bekannt, dass er in unstillbarer Manie auf schwer ersteigbare Felswände und auf weithin sichtbare Stellen seinen Namen malte.“

Ein Sonderling aus Wien also. Doch was für ein Sonderling: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ (Nietzsche) Und genau das konnte Kyselak und ist mir drum genauso lieb wie alle hier Porträtierten.
Ruhm und Unsterblichkeit suchte er und wettete darum, diesen Ruhm in der Monarchie zu erzielen, ohne dafür ein ungeheures Verbrechen oder eine neue Art von Selbstmord zu begehen. (von Wurzbach, 1856-91) Er wanderte los mit Farbtopf, Pinsel und Namens-Schablone, um seinen Namen in der Landschaft zu hinterlassen, der noch heute an einigen Stellen zu sehen ist. Dabei ließ er sich nicht schrecken durch schwierige unwegsame Passagen. 1825 gelangte er so nach Niederösterreich, die Steiermark, Bayern, Oberösterreich, Salzburg und das Berchtesgadener Land, Tirol/Südtirol, Kärnten. In seiner dazu veröffentlichten Reisebeschreibung schildert Kyselak „mehr als 120 Stationen und Begebenheiten“. (Kyselak-Projekt) Weiterlesen

Eduard Engelmann – Ein „Paradeis“ für Wien

Welcher Eis-Typ sind Sie? Ein Sommer-Eis-Typ, voller Vorfreude, das die Rollläden Ihrer Eisdiele bald hochgehen? Ein Winter-Eis-Typ, voller Freude, weil die Eislaufsaison noch eine Weile anhält? Sicher freut Sie in jedem Fall wenn Ihre Saison so lang wie möglich ist. Die Winter-Eis-Typen verdanken das auch Ing. Eduard Engelmann jun. (1864-1944) aus Wien-Hernals. Er erbaute die 1. Freiluft-Kunsteisbahn der Welt.
Mag da ein „Eispapst“ aus München – Prof. Linde – abraten: “Junger Mann, lassen Sie die Hände davon, wenn es ausführbar wäre, hätte ich es schon lange gemacht.“ Das ficht einen Wiener Ingenieur nicht an!

Vater Eduard sen. und Sohn Eduard jun. hatten im Wiener Eislauf-Verein einem berühmten amerikanischen Eiskunstläufer zugesehen. Heimgekehrt legte der Vater um den Nussbaum im Garten mit Wasser eine kleine einfache Eisfläche an. Das zog immer mehr interessierte Läufer an und 1871 ließ er sich vom k.k. Hernalser Bezirkshauptmann einen „Gewerbeschein für das Benützen einer Eisbahn im Hausgarten“ ausstellen. (S. 4)
Ein Sportplatz wurde geboren, vergrößert, erweitert. „Zwei Bassins entstanden, die ein schleifbarer Verbindungsweg – der sogenannte „Suezkanal“ – verband.“ (S. 5) Nicht die einzige Wiener „Verbindung“ zum Suezkanal.
Allerlei Erfindungen dienten mehr und mehr der Verbesserung der Eis-Qualität und der Eis-Haltbarkeit. Weiterlesen

Wiener Mistkübel (Papierkörbe) – Charmant kontaktfreudig

„Die Kennworte des Wieners: Wie komm denn i dazu? Es zahlt sich ja net aus! Tun S‘ Ihnen nix an!“ (Arthur Schnitzler)

So sehr ich Wien liebe, das hier zu zeigen versuche und viele liebe Wiener und viele liebe Wienerinnen kenne, manchmal stellen einen einige Einwohner auf die Probe. Selbst unerschütterlicher Humor hilft bei solchen, manchmal etwas unhöflichen Begegnungen nicht immer. Was hilft dann?? Vielleicht eine Begegnung mit einem ausgeglichen charmanten schweigsamen Wiener. Von denen es immerhin so ca. 15.000 in der Stadt gibt. Quasi wartet freundliche Ansprache an jeder Wiener Ecke: „Gib meinem Hängen einen Sinn.“ „Tag und Nachtaktiv.“ „Bin für jeden Dreck zu haben.“ „Bitte Füttern.“ So kontaktfreudig begegnen einem seit einiger Zeit die Wiener Papierkörbe – hier Mistkübel genannt. Das sich die Wiener Abfallbeseitiger diese Idee ausgerechnet bei Berliner Papierkörben abgeschaut haben, ist ein lustiges Detail. Denn auch in Berlin kann es zu „unsanften“ Begegnungen mit Einheimischen kommen :-) Weiterlesen

Ein Hund – Meint es ernst

Wien Hundekot Kampagne Sackerl GackerlAuf meinen Wanderungen durch Wien gerate ich oft in eine Art Entdecker-Flow und vergesse dabei welch gefährliches Pflaster diese Stadt ist. Hundstrümmerl! Nicht ohne Grund werden hier die allgegenwärtigen Hundehaufen mit so einem dramatischen Namen bezeichnet. Frau/Mann kann sich an diesen vielen Trümmerln leicht den Fuß brechen. Entweder beim Ausweichen oder beim Reinstürzen. Damit nicht der Ruf von Wien ruiniert wird, gibt es Schutzengel. Zweibeinige, wie zwei Straßenkehrer, die sich mir einmal sportlich in den Weg warfen, als ich in Architekturverzückung geraten, beinahe Trümmerln übersehen hätte.

Weil die Stadt nicht überall zweibeinige Retter postieren kann, setzt sie auch vierbeinige ein. Seit Oktober 2006 versuchte ein anonymer Jack-Russel-Terrier auf kumpelhafte Weise Hundehalter zu besserem Benehmen zu bekehren (siehe Foto oben).

Viele Tausend dieser Wiesenstecker wurden inzwischen geklaut. Protestler? Fans des Terriers? Wien-Souvenir-Jäger? Wie auch immer, der Terrier hat seine Chefin besucht, die Umweltstadträtin Ulli Sima, und ihr ans Herz gelegt, es ernster anzugehen. Wien Hundekot Kampagne 36 EuroSeit Anfang der Woche ist sein kumpelhafter Ton Vergangenheit. Jetzt heißt es:“Sind Dir 36 Euro Wurst?“ (siehe Foto unten).

Was wird passieren? Der anonyme Terrier bekommt neue Fans – die Polizeihunde. Die Tierärzte werden von Hunden gestürmt, denen die Angst vor der Bestrafung ihrer Frauchen & Herrchen auf den Darm geschlagen ist. Die Wiener Hundebesitzer ändern sich?*

* Nachtrag 2012: Vier Jahre später und tatsächlich scheint es so, als wäre der Hund erfolgreich. Ein Wunderhund?