Wien: Es waren einmal 264 japanische Netsuke…

…die lebten in Wien an recht zentraler Stelle – am Schottentor – in einem großen Palais. Sie lebten hier von 1899-1938. Das Datum zeigt es, diese Geschichte nimmt kein happy end. Am 21. Mai 1938 müssen die Besitzer der Netsuke Wien verlassen – ohne ihre Kunstgegenstände.
Ein ganz kleines gutes Ende findet die Geschichte – die Netsuke werden gerettet.

Mein letztes Porträt hier habe ich begonnen mit: „Für vieles wird Wien geschätzt – zu Recht.“ Der Erbe der Netsuke und Autor des in diesem Porträt vorgestellten ungewöhnlichen Wien-Buches hat eine kritischere und traurigere Sicht auf Wien. Damit ist das Kapitel über Wien im Buch „The Hare With Amber Eyes – A Hidden Inheritance“ keine leichte Lektüre. Und doch ist es ein Kapitel Wiens. Weiterlesen

Von Leopold Auenbrugger zu Joseph Skoda – ein Wiener medizinischer Reigen

Für vieles wird Wien geschätzt – zu Recht :-) Das Wien auch ein Ort bahnbrechender Medizingeschichte ist, wird vermutlich nicht so oft erwähnt. Deshalb habe ich hier Johann Gottfried Bremser, Lorenz Böhler, Karl Landsteiner, Jaromir Mundy und Clemens Freiherr von Pirquet vorgestellt. Und widme mich heute Leopold Auenbrugger (1722 – 1809) dem Entwickler und Joseph Skoda (1805 – 1881) dem „Vollender“ der Perkussion.

Auenbrugger entwickelte 1761 die Perkussion in Wien, das Abklopfen der Brustkorbes zu diagnostischen Zwecken. Ein Glück für Patienten, aber keines für den Arzt. „Die Bedeutung seiner revolutionären Diagnosetechnik wurde zuerst im Ausland erkannt, bevor sie erst mehrere Jahrzehnte später auch hierzulande zu einer etablierten Methode werden durfte.“ (Regal, Nanut, 2003)

Auenbruggers Vater in Graz war Gastwirt und so wird erzählt, dass Auenbrugger den Füllstand der Weinfässer durch Klopfen einschätzen konnte. Als Arzt am Spanischen Spital in Wien studierte er sieben Jahre lang die Patienten und versuchte „durch Beklopfen des Brustkorbes krankhafte Veränderungen zu erkennen“. Wir wären nicht in Wien, wenn damit die Versuche endeten. Auenbrugger überprüfte seine Erkenntnisse auch an Leichen: „Er spritzte in die Brusthöhle der Leichen Flüssigkeit und bestimmte die mit dem Flüssigkeitsspiegel wechselnden Schallqualitäten, ehe er mit seiner neuen Methode an die Öffentlichkeit trat.“ Er verfasste ein kleines Buch, das bis heute unverändert gültige Prinzipien des Brustkorb-Abklopfens enthält: „Inventum novum. Neue Erfindung, mittels des Anschlagens an den Brustkorb, als eines Zeichens, verborgene Brustkrankheiten zu entdecken“. Tragischerweise griffen die hiesigen Medizingrößen damals diese Erkenntnis nicht auf. Erst ein Jahr vor dem Tod des Arztes erfuhr er Annerkennung vom Leibarzt Napoleons, Jean Nicolas Corvisart. Dessen Übersetzung und Ergänzung des „Inventum novum“ ins Französische „machten Paris in der Folge zum Zentrum der physikalischen Krankenuntersuchung“. Medizinische Erfindungen, wie die des Stethoskops trugen dazu bei. (Regal, Nanut, 2003) Weiterlesen

St. Johann Nepomuk am Fasanengarten – 3 Wiener Welten

Meine „Vermessung“ der Wiener Welten führt mich auch in für mich unbekannte Welten: heute Wiener Kirchen- und Miltärgeschichte. Die Kirche St. Johann Nepomuk (1910) am Fasanengarten bündelt diese beiden Welten mit der Wiener Architektur um 1900. Sie ist eine besuchenswerte Sehenswürdigkeit Wiens.

Die Geschichte von St. Nepomuk geht zurück auf das Schicksal von alten Soldaten und Kriegsinvaliden in Wien. Ihre Versorgung war in früheren Jahrhunderten nicht geregelt und so waren sie auf Wohltäter angewiesen. Abraham a Sancta Clara, der berühmte katholische Geistliche, der 1709 in Wien starb, beschreibt die Situation so: „Es hinkt mancher auf der Gassen, auf einer Krucken, hat alle Tag Quatember, Fasten schaut ihm aus den Augen, die Kleider sind voller Fenster; ist bei vielen Treffen gewesen, nun hat ihn das Unglück getroffen, dass er mit seinem Restschein muss betteln gehen; die vielen Blessuren am ganzen Leib übertrifft aber die Blessur am Beutel.“ (S. 114)
Die Reformen Kaiser Josefs II. waren der erste Ansatz zu Linderung. Er gründete die k.k. medizinisch-chirurgische Militärakademie, die Militärärzte ausbildete. Damit war schon einmal die gesundheitliche Versorgung der Soldaten verbessert. Auch auf eine Initiative von ihm geht die Erweiterung und Verlegung des alten k. u. k. Invalidenhauses von der Landstraße in den Fasangarten zurück. Gute Luft außerhalb der Stadt und Platz waren das Ziel. So wurde das Gelände gewählt, auf dem heute die Kirche steht. Weiterlesen

Lorenz Böhler – Danke Herr „Knochen-Böhler“

Ich war in guter Gesellschaft im Unfallkrankenhaus Wien Lorenz Böhler: Josef Haslinger, Dirk Stermann, Gert Voss… Wenn schon ein Unfall, dann sich dort helfen lassen, wo auch diese verehrten Wiener bzw. Zugereisten geheilt wurden. Zudem in meinem Heimatbezirk Brigittenau. Also machte ich mich auf zu testen, was Lorenz Böhler (1885 -1973) den Wienern geschaffen hat – ein fortschrittliches Unfallkrankenhaus. Auch wenn den gleichen Gedanken an diesem Samstag im März 2010 jede Menge Wiener und Zugereiste gefasst hatten, mein Problem wurde erkannt und innerhalb sechs Wochen geheilt. Deshalb ist das letzte Porträt 2010 dem Wiener Pionier der Knochenbruchbehandlung gewidmet. Weiterlesen

Wiener Neustädter Kanal – Auf dem Weg nach Triest…

… kam der Kanal nur bis Wiener Neustadt. Zwar gibt es in der Literatur immer mal wieder Diskussionen, ob der Kanal wirklich von Wien bis an die Adria führen sollte. Aber wie stellt das Land Niederösterreich in seinem Rechnungshof-Bericht 6/2003 fest: „Der Wr. Neustädter Kanal wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Frachtverkehrsverbindung von Wien an die Adria geplant; anfangs des 19. Jahrhunderts konnte der Kanal zwischen Wr. Neustadt und Wien in Betrieb genommen werden. Danach folgte eine wechselvolle Geschichte, die auch eine Änderung der Nutzungsart zur Folge hatte.“

Die Geburtstunde des Kanals schlug 1803. Er verband Wiener Neustadt mit Wien auf einer Länge von 58 km. 45 Schleusen halfen, 103 m Höhenunterschied zu überwinden. Auf dem Kanal sollte Kohle und Holz nach Wien transportiert werden. Gedacht waren auch „Truppen- und Munitionstransporte zu den stets bedrohten habsburgischen Provinzen in Italien“ (Hödl, 2009) Am Ufer, auf einem Treppelweg zogen Pferde die Lastkähne.
Das Ziel Adria war leider technisch & finanziell nicht zu erreichen. Zwar wurde der Kanal 1810 bis an die damalige ungarische Grenze verlängert, aber dies war sein geographisches Ende. Ohnehin war der Weg dahin technisch sehr mühsam und von jeder Menge Problemen aller Art begleitet.
Schade, denn „allein die Idee, per Boot vom Bereich Stubentor/Landstraße – dem ursprünglichen Wiener Verladehafen des Kanals – bis nach Triest zu fahren, ist auch heute noch ein faszinierender Gedanke.“ (Hödl, 2009).

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Robert Schumann, Jean Sibelius und Antonio Vivaldi – Kein Applaus in Wien

Robert Schumann Wohnhaus WienVielversprechende Musik-Künstler alle drei und eine kulturell und besonders musikalisch interessierte Metropole, was kann da für einen Komponisten noch schief gehen? Alles.
Für Schumann, Sibelius und Vivaldi gab es keinen Applaus in Wien. Was für Schumann und Sibelius nicht zu problematisch war, war das Ende für Vivaldi.
Und doch sind sie heute in Wien musikalisch angekommen. Eine Wiener Relativitätstheorie.

„Am 3. Oktober 1838 traf Schumann (1810 – 1856) in Wien ein, mit der Absicht, der „Lieblingskomponist aller Wiener zu werden“ , wie er scherzhaft sagte, und seine „Neue Zeitschrift für Musik“ herauszugeben.“ (Ma-Kircher, 2006) Inspiriert wurde er dazu von seiner Geliebten Clara Wieck, die als Pianistin in Wien schon mit 18 Jahren Erfolge feierte. Doch der Wiener Musikverleger Tobias Haslinger tat alles, um den Konkurrenten wieder zu vertreiben. Und aus Leipzig hintertrieb Claras Vater ebenfalls Robert Schumanns Wiener Bemühungen. Zwar hatte Schumann auch hilfreiche Kontakte in Wien, aber letztlich gelang es ihm nicht hier Fuß zu fassen.
„Der Wiener Kleingeist empörte ihn. „Es fehlt durchaus nicht am Sinn für Gutes, aber am Gemeinsinn u. Zusammenwirken. Die kleinlichen Coterien müssten auseinandergesprengt, die verschiednen Parteien einander näher gebracht werden. Dies aber auf offene ehrliche Weise.“ (Ma-Kircher, 2006)
Diese Situation und die Entfernung von Clara, veranlassten Schumann, Wien den Rücken zuzukehren. Weiterlesen

Wiener Bloomsday – „… die Gasthausschilder sind essbar wie Schinken“

„Der Bloomsday ist ein alljährlich am 16. Juni feierlich begangener Gedenktag, der sich auf den Ulysses, das Hauptwerk des irischen Schriftstellers James Joyce, bezieht. Namensgeber ist die Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom.“

„Ich möchte ein Abbild von Dublin erschaffen, so vollständig, daß, wenn die Stadt eines Tages plötzlich vom Erdboden verschwände, sie aus meinem Buch heraus vollständig wieder aufgebaut werden könnte.“
– James Joyce

(Zitate aus Wikipedia)

Dieses Jahr habe ich mich am Wiener Bloomsday beteiligt.
Mit einem Abbild von Wiener Schmäh
„so vollständig, dass, wenn die Stadt eines Tages plötzlich vom Erdboden verschwände, sie aus“ diesen Schildern „heraus vollständig wieder aufgebaut werden könnte.“ ;-D

Mein Wiener Schilder-Schmäh-Abbild:

Die Kraft der Wiener Küche …
Würstelstand „Am Nordpol“. Döner Kebab Würstelinsel. Bierlagune. Gulaschoase zum Hormayer. Bieradies.
Heisse am Gürtel. Würstel-Salon. Bierschnabel. … hikxs. Kebab (mampf).
Hühnerparadies – Geflügel – Fisch –Imbiss. Bierfink.
Pan Appetit.
Mostlandl. K & K Hausmannskost. Kaffee Monarchie Konditorei. Letztes Wirtshaus „fur Daham“. Opernwurst Stad’l.
Das Ministerium für Pizza & Co. Evershine Pizza.
Zum alten Heller. 2-Euro-Bar. Gasthaus Pleitegeier.
Wiens Verspieltes Lokal – Brot & Spiele. Cafe Kultur. Wein & Wasser.
Cafe USW.
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