Wien – Lebenswerteste Stadt der Welt 2009 – Ein Beweis (2)

Mein Versuch, auf der Pecha Kucha Night am 8. Oktober 2009 im Rahmen der Vienna Design Week, zu „beweisen“: Wien ist zu Recht lebenswerteste Stadt der Welt 2009 geworden.

Abschiede – Wo, wenn nicht in Wien, Teil 1

So sehr ich Wien liebe, ganz werde ich es leider nie verstehen können. Es gibt da immer einen Rest, der den Zugereisten verborgen und damit unverständlich bleibt. Mögen diese Zugereisten auch ab & an melancholisch sein oder romantisch oder sogar langsamer geworden sein. Trotzdem – sie werden nie vollständige Wiener sein.

Gerade das Thema Abschied ist in Wien einerseits verständlich: so viele Menschen kamen und kommen durch diese Stadt, so viele Abschiede sind mit Wien verbunden. Andererseits verwirren Wiener Abschiedsäußerungen auch:
„Heitere Resignation – es gibt nichts Schöneres.“ (Marie von Ebner-Eschenbach) „Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.“ (Arthur Schnitzler) Weiterlesen

Božena Němcová – Es war einmal … ein Märchen?

Mit Božena Němcová (1820 – 1862) könnte man erwachsen werden. Zuerst bekommt man eines der prachtvoll illustrierten Bücher ihrer Märchen zu Weihnachten geschenkt. Dann sieht man den Film „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ nach ihrer Version dieses Märchen-Klassikers. Nun erreicht man an eine Weggabelung. Entscheidet sich, ihr Hauptwerk „Die Großmutter“ zu lesen und entflieht der Gegenwart in eine „idealisierte, poetisch ausgeschmückte“ Vergangenheit mit einem „Idealbild mütterlicher Fürsorge“. [1] Oder besucht die Taufkirche der Němcová in Wien – die Alserkirche (Foto). Ein wiewohl historischer Ort, 1827 wird hier der Leichnam Beethovens eingesegnet, doch heute ein etwas ungemütlicher Ort an einer sehr lauten Straße Wiens. Oder spürt ihrem Schicksal nach in dem Film „Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern“. „Sie wird gesehen in einer Reihe mit Virgina Woolf, Sylvia Plath, Frida Kahlo, Birigitte Reimann: Frauen, die alles wollten – Familie, Selbstverwirklichung, freie Liebe – und die allesamt bereit waren, einen hohen Preis dafür zu zahlen.“ [2] Weiterlesen

Joy Adamson – Frei geworden in Wien

Joy Adamson wuchs in Wien bei ihrer Oma auf. Die vielfältigen Wiener Möglichkeiten eigene Fähigkeiten auszuprobieren und eine Oma die dieses Ausprobieren zuließ, waren vielleicht Gründe dafür, das sie ein Leben lang sie selbst bleiben konnte – eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. Am Ende ihrer Autobiographie zeigt sie genau das verwundert an: „I had travelled across Africa, Asia, the U.S.A., Canada, Europe, Australia, New Zealand and Japan speaking to people on behalf of endangered wildlife. I had received many high awards. Now I wonder how all this have happened for I felt I had changed very little since the summer days at Seifenmühle when we children played at lion hunts. My ideas are the same as they have always been.“ [1] Weiterlesen

Adalbert Stifter- Sonnenfinsternis, dunkle Stille über Wien

Adalbert Stifter Sonnenfinsternis Wien

Warum finden Sonnenfinsternisse gefühlt immer werktags statt, wenn wir fern der Natur im Büro sitzen und arbeiten? Vermutlich ein Trick der Sonne – nur ihr ergebene wissende Anbeter dürfen sich um sie scharen, statt sensationshaschender Menschen, die sich nicht mal an ihr eines Jahr Astronomie-Unterricht in der Schule erinnern können. Oder um es jenen schwerer zu machen, die weder gut fotografieren noch elegisch tief genug über sie schreiben können.
Die Hürden sind hoch, die Sonne würdigen zu dürfen. Es braucht zuerst einmal eine Sonnenfinsternis, am besten eine totale. Einen berühmten Ort mit dem geeigneten Fluidum. Plus Zeit. Dazu Sachverstand und eine kühne Stimme/Pinsel/Fotoapparat. 3:39 Minuten hätte ein so prädestinierter Mensch am 2. August 1133 in Wien haben können. Wo sind seine Zeugnisse? Nur 2:01 Minuten hatte der Schriftsteller, Maler, Pädagoge Adalbert Stifter am 8. Juli 1842 in Wien zur Verfügung. Weiterlesen

Veza Canetti – Am Himmel nicht im Himmel

Der Himmel über Wien ist ein prominenter Ballungsraum. Der Himmel allgemein und auch die himmelwärts führende Himmelstraße in Grinzing, benannt nach einem gleichnamigen ehemaligen Gasthaus. In dieser Gegend entdeckte Sigmund Freud den Traum und und seine Deutung als Instrument für seine Arbeit. Hier, in dieser Straße in der Nummer 30, wohnten von 1935 bis 1938 Veza Canetti (1897 – 1963) und Elias Canetti. Ließ Veza Canetti auch „Briefpaper drucken mit der Adresse „Am Himmel 30“ [1], gedacht zuerst als ein „Heilungsritual“ für ihren an „Der Blendung“schreibenden Mann, so waren die Zeiten in dieser Idylle Wiens nicht mehr lange himmlisch. Wie sie in ihrem Roman „Die Schildkröten“ zeigt:
„Der Roman beginnt damit, daß die Hauptfigur Eva auf dem Nachhausweg von der Stadt den Berg hinaufsteigt. Ihr Weg führt durch einen Villenpark zum Einlaßtor des heimischen Gartens: Gesenkten Hauptes bohrte sie “den Blick in die Erde, als suche sie auf dem Boden“. Hinter dem Gartengitter wachsen Apfelbäume und wildes Gebüsch inmitten von Statuen heiterer Nymphen und eines lächelnden Fauns, der Brunnenfigur einer tanzenden Venus und sogar eines heiligen Florian, der vor dem Feuer, nicht aber vor der kommenden Vetreibung der Bewohner aus ihrem Paradies schützt. Von draußen her haben sich längst die wuchernden Schatten der Uniformen und Fahnen darübergelegt. Ihre Farben und Runen verkünden das Kreuz, das den Juden bereitet wird. Der verschlossene Garten, Ort für anmutiges Beisammensein und heiter-melancholische Gespräche, der das biblische Eden evoziert, hat sich in ein Gefängnis verwandelt.„ [2] Weiterlesen

Ein armer Spielmann – Vor Blum

Wien Tor Augarten zu Taborstrasse Illustration zu Der arme Soielmann von Franz GrillparzerWas geschah bevor Robert Blum im November 1848 in der Brigittenau erschossen wurde?
Die Erzählung „Der arme Spielmann“ von Franz Grillparzer beantwortet diese Frage direkt und auch indirekt. Erzählt wird in ihr der Lebensweg des Spielmannes – vom Sohn aus gutem Hause zum „gesellschaftlichen und künstlerischen Außenseiter, der eine neue Form von Menschen- und Künstlertum vorlebte“. Die Geschichte erzählt mehrere Geschichten. Eine ist die Schilderung des Vormärz in Wien. Sie zeigt das Leben in der Stadt, bevor Revolution war, bevor Robert Blum hierher kam.

Grillparzers Erzählung hat literarische Zeitgenossen und Nachfolger stark beeindruckt – von Stifter über Kafka bis zu Thomas Mann. Sie beginnt mit einer Wortmacht, das es einem beim Lesen fast den Atem verschlägt und Weiterlesen