Wien: Es waren einmal 264 japanische Netsuke…

…die lebten in Wien an recht zentraler Stelle – am Schottentor – in einem großen Palais. Sie lebten hier von 1899-1938. Das Datum zeigt es, diese Geschichte nimmt kein happy end. Am 21. Mai 1938 müssen die Besitzer der Netsuke Wien verlassen – ohne ihre Kunstgegenstände.
Ein ganz kleines gutes Ende findet die Geschichte – die Netsuke werden gerettet.

Mein letztes Porträt hier habe ich begonnen mit: „Für vieles wird Wien geschätzt – zu Recht.“ Der Erbe der Netsuke und Autor des in diesem Porträt vorgestellten ungewöhnlichen Wien-Buches hat eine kritischere und traurigere Sicht auf Wien. Damit ist das Kapitel über Wien im Buch „The Hare With Amber Eyes – A Hidden Inheritance“ keine leichte Lektüre. Und doch ist es ein Kapitel Wiens. Weiterlesen

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Piefke – Kulturgeschichte einer Beschimpfung

Porträt & Rezension

Sechs Jahre lebe ich in Wien. Glücklich, weil Wien der perfekte Platz für mich ist.
Fast glücklich, denn da ist noch der Umstand, dass ich nicht nur Annette Hexelschneider bin, sondern auch ein Piefke.

Was ist ein Piefke? Einerseits ein preußischer Militärmusiker und Komponist und andererseits eine österreichische „Bezeichnung“ für Deutsche. Zwar ist letzteres bekannt und ersteres vielleicht auch ein wenig, aber was steckt genau dahinter?

Dem Autor Hubertus Godeysen ist es zu verdanken, das der Leser bei der Lektüre des von ihm verfassten Piefke-Buches die Geschichte des Musikers und die Geschichte der „Bezeichnung“ mit ihren unglaublich vielen Facetten kennenlernt. Weiterlesen

Wiener Neustädter Kanal – Auf dem Weg nach Triest…

… kam der Kanal nur bis Wiener Neustadt. Zwar gibt es in der Literatur immer mal wieder Diskussionen, ob der Kanal wirklich von Wien bis an die Adria führen sollte. Aber wie stellt das Land Niederösterreich in seinem Rechnungshof-Bericht 6/2003 fest: „Der Wr. Neustädter Kanal wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Frachtverkehrsverbindung von Wien an die Adria geplant; anfangs des 19. Jahrhunderts konnte der Kanal zwischen Wr. Neustadt und Wien in Betrieb genommen werden. Danach folgte eine wechselvolle Geschichte, die auch eine Änderung der Nutzungsart zur Folge hatte.“

Die Geburtstunde des Kanals schlug 1803. Er verband Wiener Neustadt mit Wien auf einer Länge von 58 km. 45 Schleusen halfen, 103 m Höhenunterschied zu überwinden. Auf dem Kanal sollte Kohle und Holz nach Wien transportiert werden. Gedacht waren auch „Truppen- und Munitionstransporte zu den stets bedrohten habsburgischen Provinzen in Italien“ (Hödl, 2009) Am Ufer, auf einem Treppelweg zogen Pferde die Lastkähne.
Das Ziel Adria war leider technisch & finanziell nicht zu erreichen. Zwar wurde der Kanal 1810 bis an die damalige ungarische Grenze verlängert, aber dies war sein geographisches Ende. Ohnehin war der Weg dahin technisch sehr mühsam und von jeder Menge Problemen aller Art begleitet.
Schade, denn „allein die Idee, per Boot vom Bereich Stubentor/Landstraße – dem ursprünglichen Wiener Verladehafen des Kanals – bis nach Triest zu fahren, ist auch heute noch ein faszinierender Gedanke.“ (Hödl, 2009).

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Wiener Bloomsday – „… die Gasthausschilder sind essbar wie Schinken“

„Der Bloomsday ist ein alljährlich am 16. Juni feierlich begangener Gedenktag, der sich auf den Ulysses, das Hauptwerk des irischen Schriftstellers James Joyce, bezieht. Namensgeber ist die Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom.“

„Ich möchte ein Abbild von Dublin erschaffen, so vollständig, daß, wenn die Stadt eines Tages plötzlich vom Erdboden verschwände, sie aus meinem Buch heraus vollständig wieder aufgebaut werden könnte.“
– James Joyce

(Zitate aus Wikipedia)

Dieses Jahr habe ich mich am Wiener Bloomsday beteiligt.
Mit einem Abbild von Wiener Schmäh
„so vollständig, dass, wenn die Stadt eines Tages plötzlich vom Erdboden verschwände, sie aus“ diesen Schildern „heraus vollständig wieder aufgebaut werden könnte.“ ;-D

Mein Wiener Schilder-Schmäh-Abbild:

Die Kraft der Wiener Küche …
Würstelstand „Am Nordpol“. Döner Kebab Würstelinsel. Bierlagune. Gulaschoase zum Hormayer. Bieradies.
Heisse am Gürtel. Würstel-Salon. Bierschnabel. … hikxs. Kebab (mampf).
Hühnerparadies – Geflügel – Fisch –Imbiss. Bierfink.
Pan Appetit.
Mostlandl. K & K Hausmannskost. Kaffee Monarchie Konditorei. Letztes Wirtshaus „fur Daham“. Opernwurst Stad’l.
Das Ministerium für Pizza & Co. Evershine Pizza.
Zum alten Heller. 2-Euro-Bar. Gasthaus Pleitegeier.
Wiens Verspieltes Lokal – Brot & Spiele. Cafe Kultur. Wein & Wasser.
Cafe USW.
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Josef Kyselak – Graffiti made in Austria

Für mich ist Wien ein Graffiti-Paradies. Und damit Josef Kyselak – einer der Begründer der hiesigen Graffiti-Geschichte – mein Held :-)

Was sagt das Österreich-Lexikon aeiou über ihn?
„Kyselak, Josef, * 22. 12. 1799 Wien, † 17. 9. 1831 ebenda, Sonderling, Hofkammerbeamter in Wien. Machte sich dadurch bekannt, dass er in unstillbarer Manie auf schwer ersteigbare Felswände und auf weithin sichtbare Stellen seinen Namen malte.“

Ein Sonderling aus Wien also. Doch was für ein Sonderling: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ (Nietzsche) Und genau das konnte Kyselak und ist mir drum genauso lieb wie alle hier Porträtierten.
Ruhm und Unsterblichkeit suchte er und wettete darum, diesen Ruhm in der Monarchie zu erzielen, ohne dafür ein ungeheures Verbrechen oder eine neue Art von Selbstmord zu begehen. (von Wurzbach, 1856-91) Er wanderte los mit Farbtopf, Pinsel und Namens-Schablone, um seinen Namen in der Landschaft zu hinterlassen, der noch heute an einigen Stellen zu sehen ist. Dabei ließ er sich nicht schrecken durch schwierige unwegsame Passagen. 1825 gelangte er so nach Niederösterreich, die Steiermark, Bayern, Oberösterreich, Salzburg und das Berchtesgadener Land, Tirol/Südtirol, Kärnten. In seiner dazu veröffentlichten Reisebeschreibung schildert Kyselak „mehr als 120 Stationen und Begebenheiten“. (Kyselak-Projekt) Weiterlesen

Eduard Engelmann – Ein „Paradeis“ für Wien

Welcher Eis-Typ sind Sie? Ein Sommer-Eis-Typ, voller Vorfreude, das die Rollläden Ihrer Eisdiele bald hochgehen? Ein Winter-Eis-Typ, voller Freude, weil die Eislaufsaison noch eine Weile anhält? Sicher freut Sie in jedem Fall wenn Ihre Saison so lang wie möglich ist. Die Winter-Eis-Typen verdanken das auch Ing. Eduard Engelmann jun. (1864-1944) aus Wien-Hernals. Er erbaute die 1. Freiluft-Kunsteisbahn der Welt.
Mag da ein „Eispapst“ aus München – Prof. Linde – abraten: “Junger Mann, lassen Sie die Hände davon, wenn es ausführbar wäre, hätte ich es schon lange gemacht.“ Das ficht einen Wiener Ingenieur nicht an!

Vater Eduard sen. und Sohn Eduard jun. hatten im Wiener Eislauf-Verein einem berühmten amerikanischen Eiskunstläufer zugesehen. Heimgekehrt legte der Vater um den Nussbaum im Garten mit Wasser eine kleine einfache Eisfläche an. Das zog immer mehr interessierte Läufer an und 1871 ließ er sich vom k.k. Hernalser Bezirkshauptmann einen „Gewerbeschein für das Benützen einer Eisbahn im Hausgarten“ ausstellen. (S. 4)
Ein Sportplatz wurde geboren, vergrößert, erweitert. „Zwei Bassins entstanden, die ein schleifbarer Verbindungsweg – der sogenannte „Suezkanal“ – verband.“ (S. 5) Nicht die einzige Wiener „Verbindung“ zum Suezkanal.
Allerlei Erfindungen dienten mehr und mehr der Verbesserung der Eis-Qualität und der Eis-Haltbarkeit. Weiterlesen