Josef Kyselak – Graffiti made in Austria

Für mich ist Wien ein Graffiti-Paradies. Und damit Josef Kyselak – einer der Begründer der hiesigen Graffiti-Geschichte – mein Held :-)

Was sagt das Österreich-Lexikon aeiou über ihn?
„Kyselak, Josef, * 22. 12. 1799 Wien, † 17. 9. 1831 ebenda, Sonderling, Hofkammerbeamter in Wien. Machte sich dadurch bekannt, dass er in unstillbarer Manie auf schwer ersteigbare Felswände und auf weithin sichtbare Stellen seinen Namen malte.“

Ein Sonderling aus Wien also. Doch was für ein Sonderling: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ (Nietzsche) Und genau das konnte Kyselak und ist mir drum genauso lieb wie alle hier Porträtierten.
Ruhm und Unsterblichkeit suchte er und wettete darum, diesen Ruhm in der Monarchie zu erzielen, ohne dafür ein ungeheures Verbrechen oder eine neue Art von Selbstmord zu begehen. (von Wurzbach, 1856-91) Er wanderte los mit Farbtopf, Pinsel und Namens-Schablone, um seinen Namen in der Landschaft zu hinterlassen, der noch heute an einigen Stellen zu sehen ist. Dabei ließ er sich nicht schrecken durch schwierige unwegsame Passagen. 1825 gelangte er so nach Niederösterreich, die Steiermark, Bayern, Oberösterreich, Salzburg und das Berchtesgadener Land, Tirol/Südtirol, Kärnten. In seiner dazu veröffentlichten Reisebeschreibung schildert Kyselak „mehr als 120 Stationen und Begebenheiten“. (Kyselak-Projekt)

Wie wird man ein Sonderling?
Kyselak studierte in Wien Philosophie, zwar nur kurz, aber zeitgleich mit Nestroy :-)
Er beginnt ein Praktikum bei der k.k. Privat-, Familien- und Vitikalfondskassenoberdirektion. Das lässt an Kafkas Brotberuf denken. Nach 7 (!!!) Jahren Praktikum – u. a. auch in der k.k. allgemeinen Hofkammer – bewirbt er sich auf die Stelle eines Accessisten und erhält eine abschlägige Antwort. U.a. mit der Begründung: „Darüberhinaus wäre es den anderen Bewerbern nicht zumutbar, weiterhin jahrelang ohne Entgelt ihren Dienst zu versehen. “ Darob zum Sonderling zu werden erscheint mir noch als friedlicher Ausweg!

Und Sonderling hin oder her – Kyselak schafft letzlich alles, was er sich vorgenommen hat: eine feste Anstellung, Graffiti-Spuren überall in der Monarchie, Legenden über Legenden und ein Forschungsprojekt in der Gegenwart. Dazu 4 Seiten im Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Ein Vorbild für Ungwöhnlichsein in Wien :-)

Kyselak-Quellen:
Kyselak, Josef in aeiou

Kyselak, Joseph in Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich – 60 Bände, Wien 1856-91 – Band 13, S. 444 – 448

Kyselak-Projekt

Bild, Namenszug an einer Säule im Schwarzenbergpark in Neuwaldegg von Ini Prochazka in den Wikimedia Commons

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