Eduard Engelmann – Ein „Paradeis“ für Wien

Welcher Eis-Typ sind Sie? Ein Sommer-Eis-Typ, voller Vorfreude, das die Rollläden Ihrer Eisdiele bald hochgehen? Ein Winter-Eis-Typ, voller Freude, weil die Eislaufsaison noch eine Weile anhält? Sicher freut Sie in jedem Fall wenn Ihre Saison so lang wie möglich ist. Die Winter-Eis-Typen verdanken das auch Ing. Eduard Engelmann jun. (1864-1944) aus Wien-Hernals. Er erbaute die 1. Freiluft-Kunsteisbahn der Welt.
Mag da ein „Eispapst“ aus München – Prof. Linde – abraten: “Junger Mann, lassen Sie die Hände davon, wenn es ausführbar wäre, hätte ich es schon lange gemacht.“ Das ficht einen Wiener Ingenieur nicht an!

Vater Eduard sen. und Sohn Eduard jun. hatten im Wiener Eislauf-Verein einem berühmten amerikanischen Eiskunstläufer zugesehen. Heimgekehrt legte der Vater um den Nussbaum im Garten mit Wasser eine kleine einfache Eisfläche an. Das zog immer mehr interessierte Läufer an und 1871 ließ er sich vom k.k. Hernalser Bezirkshauptmann einen „Gewerbeschein für das Benützen einer Eisbahn im Hausgarten“ ausstellen. (S. 4)
Ein Sportplatz wurde geboren, vergrößert, erweitert. „Zwei Bassins entstanden, die ein schleifbarer Verbindungsweg – der sogenannte „Suezkanal“ – verband.“ (S. 5) Nicht die einzige Wiener „Verbindung“ zum Suezkanal.
Allerlei Erfindungen dienten mehr und mehr der Verbesserung der Eis-Qualität und der Eis-Haltbarkeit.

Eduard jun. war sportlich interessiert und nutzte das Gelände auch im Sommer mit Radsport, Rollschuhkorsos und Kanus. Als begeisterter Radfahren erhielt Eduard jun. den 1. Wiener Fahrrad-Erlaubnis-Schein. Solcherart trainiert wurde er 1892 und 1894 Europameister im Eiskunstlauf.
1864 übernahm er die Verwaltung des Eisplatzes. Sein Ziel: die Zahl der möglichen Eislauftage erhöhen. Entmutigungen s.o. konnten den Ingenieur nicht schrecken, der schon an der Elektrifizierung der Mariazellerbahn mitgearbeitet hatte. Kunsteis im Freien war sein Ziel. Ein Modell seines Traumes sieht wahrlich traumhaft aus. Kaiser Franz Joseph zeigte sich interessiert. Am 10. November 1909 ist es vollbracht – die 1. Freiluft-Kunsteisbahn der Welt öffnet ihre Pforten in Wien, mit 1.080 Quadratmetern Kunsteis und 2.220 Quadratmetern Natureis. Das hielt 82 Kunsteistage und 36 Natureistage in der ersten Saison.
Eis in Wien hat Tradition.

Natürlich waren technische Neuerungen und Entwicklungen Ehrensache. Daneben entwickelt sich der Eislaufsport. Zwischen 1909 und 1969 bringen es die Engelmannschen Familienmitglieder (u.a. Karl Schäfer) auf 11 Europameister-, 17 Weltmeister-Titel und 4 Olympiasiege. Eine weitere Wiener Eis-Weltleistung.

Nach dem zweiten Weltkrieg wird die Eistradition fortgesetzt. 2009 – mittlerweile auf einem Dach angekommen – feiert die Eisbahn ihren 100. Geburtstag.
Ein weißer Traum, so wie der gleichnamige Film, der bei Engelmanns auf dem Eis gedreht wurde:
„Kauf Dir einen bunten Luftballon,
nimm ihn fest in Deine Hand,
stell Dir vor er fliegt mit Dir davon
in ein fernes Märchenland…“
Eduard Engelmann jun. hatte sich tatkräftig auf die Suche gemacht und kam an. Eine Wiener Ermutigung!

Engelmann-Quellen:
Paradeis im Titel entnommen aus dem Nietzsche-Zitat „Glattes Eis, ein Paradeis für den, der gut zu tanzen weiß.“

Katalog (von Siegfried Neuhold) und Ausstellung „100 Jahre erste Freiluft-Kunsteisbahn Engelmann. Durch Kunsteis zur Eiskunst.“ Bezirksmuseum Hernals 2009/2010

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