Die andere Elisabeth – Wiener Brunnen-Feminismus

Während an vielen Stellen in Wien Elisabeth, der Kaiserin von Österreich, gehuldigt wird, gibt es auch noch eine andere, sehr fortschrittliche Elisabeth in Wien. Die erstaunlicherweise wesentlich älter als Sissi ist. Elisabeth von Wieden (4. Wiener Bezirk). Vor mehreren hundert Jahren war sie das „bravste und schönste Mädchen“ dieser Gegend. Brav vermutlich im Sinne von Mut, von beherztem, selbstsicheren Handeln.

Die Sage erzählt, das damals in der Umgebung Wiens ein Räuber hauste: „Die Leute nannten ihn den „Waldteufel“, weil er so böse war wie ein Teufel.“ Der Stadtrichter schaffte es nicht, den Räuber zu fangen. Wohl aber Elisabeth. Das allein ist vielleicht schon ungewöhnlich. Aber die Umstände sind es noch mehr. Elisabeth geht sehr kreativ an die Aufgabe heran. Sie stellt sich ein starkes Team zusammen, ist technisch innovativ :-) Elisabeth leiht sich bei einem Wirt in der Kärntner Straße ein Fuhrwerk, einen starken Kutscher und zwei starke Knechte. Und sie sagt niemandem, was sie vorhat. Noch ein Frauen-Vorurteil widerlegt ;-) Zum Plan gehört innovative Technik: „Denke dir, ich war in der Neustadt beim Waffenschmied Klingsporner. Ich hab mir von ihm einen kunstvollen Fangsessel machen lassen. Schau ihn nur an, beim Guntlwirt im Hofe steht er. Der Waldteufel sitzt drinnen.“
Eine Frau, ein starkes Team, etwas Technik, ein Trick und sie fängt (sich) einen Mann! Eine ungewöhnliche Tat für diese Zeit. Man(n)/Frau könnte auch trefflich sinnieren, ob es sich tatsächlich so zutrug oder was der „wahre“ Grund für diese Sage ist. (Wiener Pädagogische Gesellschaft, 1922)

Zudem wird die verblüffende Geschichte noch dadurch gesteigert, das dieser Frau ausgerechnet ein Kriegsministerialkanzlist einen Brunnen spendiert. Viktor Edler von Engel verfügt in seinem Testament den Bau eines Brunnens zu Ehren von Elisabeth. 1893 wird der Brunnen erbaut. Andererseits ist dies auch die Zeit, in der die bürgerlichen Monumente ihren unaufhaltsamen Siegeszug antraten. „Einfache“ Menschen wurden denkmalwürdig. (Telesko, 2007) Und zwecks der schönen Symmetrie sitzt nicht nur der Waldteufel (Wasser) spuckend zu Füßen von Elisabeth, die sich entspannt die Haare flicht, sondern auch der böse Wirt, der dem bösen Räuber Obdach gab.

Im Sinne der Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft nahm sich die Wiedener Elisabeth das Recht, frei zu denken und „Männerarbeit“ zu tun. Warum diese Emanzipation nicht bis zu Sissi anhielt, ist eine andere Geschichte.

Engelbrunnen-Quellen:

Engelbrunnen“ auf wien.gv.at

(Wiener Pädagogische Gesellschaft, 1922) „DER ENGELBRUNNEN AUF DER WIEDEN“ in „Wiener Sagen“, herausgegeben von der Wiener Pädagogischen Gesellschaft, Wien 1922

(Telesko, 2007) „Anton Dominik Fernkorns Wiener Erzherzog-Carl-Denkmal als nationale „Bildformel“. Genese und Wirkung eines Hauptwerkes habsburgischer Repräsentation im 19. Jahrhundert“ von Werner Telesko in „Wiener Geschichtsblätter“, 62. Jahrgang 2007, Heft 1, LIT Verlag, Wien

Bild: GuentherZ, Wikimedia Commons

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