Josef Hlávka – Kein Opernball

Kein Opernball hört sich nach Prophezeiung für ein schwieriges 2010 an. Allerdings fürchte ich, Opernball ist immer und wird immer sein. Denkt man an die Wiener Oper, denkt man zuerst an diesen Ball. Danach vielleicht noch daran, wer hier schon alles gesungen, dirigiert oder regiert hat. Es gibt aber auch außerhalb des Ballgeschehens und außerhalb der Bühne interessante – schöne & tragische – Geschichten und eine solche möchte ich heute erzählen.

Es war einmal ein noch sehr junger Mann. Er war fleißig und intelligent. Er war noch nicht einmal 30 Jahre alt als er eine Hofoper bauen darf. Eine glückliche Geschichte? Hören Sie selbst.

Josef Hlávka wird 1831 in der Nähe von Pilsen geboren. Er studiert Hochbau und kommt danach 1851 nach Wien, wo er Architektur studiert, da das in Prag nicht möglich war. In den Ferien arbeitet er auf Baustellen. Er fängt als Maurer an und qualifiziert sich immer weiter bis zum Leiter einer Baukanzlei, wird Meister und hat Glück. Der Baumeister geht in den Ruhestand und Hlávka bekommt seine Firma. Ohne Kosten, denn der Besitzer ist Tscheche wie er selbst und will dem jungen Mann helfen. Die Firma hat in ihrer Blüte bis zu 500 Angestellte und baute 142 Wiener Gebäude, auch Ringstraßengebäude.

Das erste Bauwerk als Baumeister ist für Hlávka die Lazaristenkirche am Westbahnhof. Architekt ist der Architekt des Wiener Rathauses – Friedrich von Schmidt.
1861 gewinnt Hlávka die Ausschreibung für den Bau der Oper. Vielleicht war ein Kriterium seine berufliche Vielfalt – Baumeister und Architekt und Maurermeister. Außerdem kannten ihn die beiden Opern-Architekten schon von der Wiener Akademie der Künste, wo er studiert hatte. Und dort vertrat er auch einen der Architekten – Eduard van der Nüll – als Dozent. Sicher eine sehr große Herausforderung für einen jungen Mann. Später zeigt sich, vielleicht auch eine tragische Herausforderung. Denn als 1869 die Oper eröffnet wurde, hatte sich van der Nüll im Jahr zuvor das Leben genommen und der andere Architekt – August Sicard von Sicardsburg – war an Tuberkulose gestorben.
Hlávka baute fleißig immer weiter – in Wien u.a. mit den Architekten Schmidt und Ferstel. Er hinterließ in Wien Baumeisterspuren und in Prag Architektenspuren, zum Beispiel mit dem Bau der Landesgebäranstalt.
Jedoch, sein sehr früher und sehr arbeitsreicher Start mit der Oper, sein unermüdliches Schaffen als Baumeister und Architekt hinterlassen Spuren. Hlávka erkrankt sehr schwer. Ist 11 Jahre krank und auf den Rollstuhl angewiesen. Er muss die Firma verkaufen.
Was für eine Tragik nach so einem guten Start und Prachtbauten wie der Oper, nicht mehr weitermachen zu können. Doch sein Geist ist stark und er widmet sich in dieser Zeit der Gründung und Entwicklung der „Böhmischen Kaiser-Franz-Joseph-Akademie für Wissenschaften, Literatur und Kunst“. Heute ist das die Tschechische Akademie der Wissenschaften. Außerdem war er Förderer und Mäzen unter anderem für arme Studenten.

„Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“ (Goethe) Es gibt einen romantischen Schluss für diese Geschichte. Hlávkas Gesundheit bessert sich und er kann nach und nach wieder mehr arbeiten, vor allem an seinem Familiensitz in der Nähe von Pilsen. Als dort die neue Schlosskapelle geweiht wird, geschieht das mit der dafür komponierten D-Dur-Messe von Antonin Dvorak. Es singen Frau Dvorak und die zweite Frau von Hlávka.

Bild (Copyright Botschaft der Tschechischen Republik in Wien): nach Entwurf von Hlávka zum Andenken gefertigtes Maurerwerkzeug

Hlávka-Quellen:

Ausstellung des Tschechischen Nationalmuseums in der Wiener Staatsoper „Josef Hlávka. Wiener Baumeister, Tschechischer Architekt, Europäischer Mäzen“ und Ausstellungs-Führung Mai/Juni 2009

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