Tina Blau – Von den Frauen kommt das Licht

Der Schnee ist geschmolzen und Regenstürme ziehen über Wien. Da wächst die Sehnsucht nach Licht – nach einem Frühling im Prater. So wie ihn die Malerin Tina Blau (1845 – 1916) in ihrem berühmtesten Gemälde „Frühling im Prater“ (1882) zeigt. Mit dieser Sehnsucht im Kopf nach der wunderbaren Prater-Landschaft an einem hellen Frühlingstag, verblüfft die Empörung, die Blaus Sonnenlicht in der Landschaftsmalerei damals in Österreich hervorrief. „Man empfand die Helligkeit des Bildes geradezu als rücksichtslos – so dürfe man Natur nicht malen.“ [1] Doch Tina Blau ging unbeirrt ihren Weg, Landschaften mit dem Pinsel so zu entdecken, wie sie sah. Das Prater-Gemälde findet Förderer – Hans Makart und Kaiser Franz Joseph. Der Kaiser kauft das Bild als es nach vielen Ausstellungen zurück nach Wien kommt. Und bis der Frühling wirklich Lust auf ein Essen auf der Terrasse des Lusthauses und auf einen Spaziergang zur Kapelle im Prater macht, kann man im Trockenen und im Warmen in der Galerie im Belvedere vor dem Bild davon träumen.

Tina Blau, in Wien geboren, hatte das Glück einen Vater zu haben, der sich über ihr künstlerisches Talent freute, wäre er doch gern selbst Maler geworden, hatte aber kein Talent und wird statt dessen Arzt. Er lässt Tina unterrichten und sie entdeckt ihre Liebe zur Natur in der Malerei. 1869 stellt sie zum ersten Mal im Österreichischen Kunstverein aus, sie kann ein Bild vom Wienerwald verkaufen – Geld, um nach München zu gehen. Und dort weiter zu lernen und zu arbeiten. Wieder zurück in Wien lernt sie den Maler Emil Jakob Schindler kennen, sie teilen sich ein Atelier. Doch die Arbeits- und Liebes-Beziehung geht auseinander. Was wäre wenn sie zusammen geblieben wären? Hätte es dann Alma Mahler-Werfel nie gegeben? Denn Emil Jakob Schindler verliebt sich in eine Sängerin und bekommt mit ihr ein Kind – eben jene Alma.

Tina Blau geht ihren Weg, auch ohne Schindler, und der Frühling kommt in den Prater. Mit dem Bild reist sie auch nach Paris und München und verliebt sich in den Maler Heinrich Lang. Sie heiraten, Tina Blau bleibt in Bayern, unterrichtet als Lehrerin für Landschaftsmalerei. Doch ihr Mann stirbt schon nach kaum acht Jahre Ehe. Sie kehrt zurück nach Wien. Fährt, wie schon in früheren Jahren, viel auf Reisen, um das Licht und die Landschaften anderer Länder zu sehen. Und sie unterrichtet Frauen an der „Kunstschule für Frauen und Mädchen“. Zu der Zeit besitzt Tina Blau ein Staatsatelier, das sich in einem ehemaligen Pavillon der Wiener Weltausstellung im Prater befand und an Künstler vermietet wurde. Auf Bildern verblüfft dessen magisch phantasievolle Einrichtung. Auch Tina Blaus Hüte und der Transport ihrer Mal-Utensilien in einem umgebauten Kinderwagen müssen ungewöhnlich gewirkt haben. Sie war eine emanzipierte Frau, die die Welt genauso gemalt hat, wie sie sie gesehen hat. Und „Tante Tina hat immer betont, daß sie als Künstlerin nicht als malende Frau beurteilt werden wollte.“ [1]

Foto: „Frühling im Prater“ Aufnahme Oberes Belvedere, Wien

Blau-Quellen:
[1] „Heimat bist Du großer Töchter. Österreicherinnen im Laufe der Jahrhunderte“ von Renate Wagner, Edition S, Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei Wien, 1992

[2] Zitat von Großneffe Walter Taussig in „Tina Blau“ von G.T.Natter / C.Jesina, Salzburg: Verlag Galerie Welz, 1999

„Wien Stadt der Frauen. Eine Reiseführerin“ von Marlen Schachinger, Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H. Wien, 2006

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