Joseph Endletsberger – Romantische Grüße aus Wien

„Was die Hoffnung süßes dir verspricht,
Trett‘ in diesem Jahr ans Sonnenlicht,
Und von den schönsten Freuden stets umgeben,
Leite Lieb‘ und Freundschaft dich durchs Leben.“ [1]

„Es ziehe die Fröhlichkeit ein in Dein Haus;
Das Glück das Dir werden soll, bleibt Dir nicht aus.“ [1]

Falls Ihre Neujahrsglückwünsche nicht so romantisch getextet oder bebildert waren, lade ich Sie ein auf eine Reise in die Wiener Vergangenheit. Wenn Ihnen gefällt, was Sie dabei sehen,  sagen sie es weiter und hoffen Sie darauf, dass Ihre Neujahrspost für 2010 romantischer daherkommt.

Joseph Endletsberger wird der „Fabergé des Papiers“ genannt. Sind die Kunstwerke des Hofjuweliers des russischen Zaren – Fabergé – nicht zu bezahlen, so sind Endletsbergers Papierkostbarkeiten teilweise  „schon“ für 1.000 bis 2.000 Euro zu haben. [1]
Johann Joseph Endletsberger wurde1779 in Sankt Pölten geboren. „Er war Münzgraveur … und stand seit 1800 im Dienst des Hauptmünzamtes in Wien und Prag. Im Nebenberuf schuf er heute berühmte Glückwunschkartenserien. Endeltsberger starb 1856 in Wien.“ [2]

Glückwunschkarten mit beweglichen Elementen waren eine „Wiener Spezialität“. Im Dezember 1796 wird in der „Wiener Zeitung“ zum ersten Mal eine Hebelzugkarte beworben. „Biskuitkarten“ mit Goldpapierumrahmungen, die sicherlich ihr Vorbild in den klassizistischen Biskuitgruppen aus weißglasiertem, unbemaltem, mit Golddekor verziertem Porzellan der Wiener Porzellanmanufaktur … hatten“ kamen hinzu.
1784 erlässt Joseph II für viele ausländischen Produkte ein Einfuhrverbot, dies und die Förderung der Kunsthändler und Kupferstecher, sowie finanzielle Unterstützung und neue Technik brachten einen Aufschwung der Manufakturen. Die Papierprägetechnik wurde dabei nicht nur für Glückwunschkarten sondern auch für Tapeten genutzt.
Zwischen 1780 und 1850 gibt es ungefähr 40 Verleger von Glückwunschkarten und neben Endletsberger zahlreiche weitere Künstler die diese kleinen Kunstwerke schaffen. Endletsberger uns seine Nachahmer schufen ihre Billets jedoch in teurer Einzelherstellung. „1825 schrieb die Dresdner Abendzeitung über die Wiener Produktion: ‚Die Neujahrsspielereien und Prunkbillets ziehen sich immer mehr ins Kostspielige. Wir hatten diesmal sogar Billete mit Gold und Perlmutt belegt, wovon eines auf zehn bis zwölf Gulden, auch zwanzig Gulden W.W, zu stehen kam.‘ “ [2] Endletsberger verwendete für seine „handgearbeiteten, stets mit „I.E.“ monogrammierten Einzelstücke … Krepp oder Gaze, Messing, Gold- und Silberfäden, Glimmerstreusand, Spiegel, Schildpatt, Elfenbein, Perlen und Perlmutt, aber auch Stroh und Moos.“ [3]

Wenn Sie jetzt nicht bis 2010 auf ein romantische Karte warten wollen, es gibt auch Liebes-Billets von Endletsberger: „Ehre, Wohlseyn, langes Leben. Mög‘ Ihnen Gott der Höchste geben”. [3]

Foto: Pudel als Glücksbote, Freundschaftsbild von Joseph Endletsberger, Wien um 1820, aus [3] auf http://www.faz.net

Endeltsberger-Quellen:
[1] „Ich wünsche Ihnen 1000 Glück“ (PDF), Katalog Freundschaftsgaben des Biedermeier. Kunstbillets, Ziehbilder und Glückwunschkarten. Buch- und Kunstantiquariat Robert Wölfle München

[2] „Freundschafts- und Glückwunschkarten aus dem Wiener Biedermeier“ von Reingard Witzmann. Herausgegeben vom Historischen Museum der Stadt Wien. Verlag Harenberg Kommunikation, Dortmund 1979

[3] Mit 7 Abbildungen: „Glückwunschkarten. Nach der Sitte der feinen Leute“ von Constanze Crüwell, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.10.2007, Nr. 43 / Seite 71

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