Gustav Klimt, Otto Wagner, Koloman Moser, Egon Schiele – 1918, der Tod in Wien

Das Jahr 1918 in Wien: Februar – der Maler, Zeichner & Grafiker Gustav Klimt stirbt noch nicht 56jährig, April – der Architekt Otto Wagner stirbt im Alter von knapp 77 Jahren, Oktober – der Maler & Grafiker Koloman Moser stirbt 50jährig und der Maler & Grafiker Egon Schiele ist 28, als er am Ende Oktober stirbt.

1918, im letzten Kriegsjahr, wird das (Über-)Leben immer schwieriger. Mit dem Tod der Künstler schließt sich ein Kapitel Wiener Geschichte. Auch wenn damit auf tragische Weise diese Kunst früh endet, ist zum Glück heute noch viel davon in Wien bewahrt.
Klimts Bilder können auf den Feststiegen des Burgtheaters bewundert werden oder als „Zwickel- und Intercolummnibilder“ im Kunsthistorischen Museum. Besucher „wallfahren“ zum Beethovenfries in der Secession oder zum „Kuß“ ins Belvedere.
Otto Wagner genießen U 4/6-Bahnfahrer jeden Tag mit den ehemaligen Stadtbahn-Gebäuden. Seine prächtige Kirche am Steinhof wurde vollständig in den alten Glanz versetzt; zwei kleine feine Museen erinnern an ihn – der Otto Wagner Pavillon Karlsplatz und der Otto Wagner Hofpavillon Hietzing.
Koloman Mosers Arbeit ist sichtbar zum Beispiel in den Glasfenstern in der Kirche am Steinhof, das Leopold Museum besitzt Gemälde von ihm und am Haus Wienzeile 38 hat Moser den Hausschmuck angebracht. Ab & an zeigen Ausstellungen seine kunstgewerblichen Arbeiten für die Wiener Werkstätte, z.B. den berühmten schwarzweißen Stuhl.
Die weltweit größte Schiele-Sammlung befindet sich im Leopold Museum Wien. Und genau dort gedenkt eine Sonderausstellung seines 90. Todestages. Gleichzeitig veranschaulicht sie das miteinander verwobene Leben der vier Künstler.

Besonders tragisch ist, das Schiele stirbt als er erfolgreich wird. Nach Klimts Tod – Schieles Porträt des toten bartlosen Klimt befindet sich in der Ausstellung – organisiert Schiele die 49. Secessions-Ausstellung. Schiele selbst ist dabei mit 19 Gemälden und 30 Zeichnungen vertreten. Im berühmten Plakat der Ausstellung sitzt er mit Freunden u.a. Otto Wagner beim Essen – eine Art Letztes Abendmahl. Der Stuhl für Klimt bleibt leer.
Schiele ist gefragt im In- und Ausland. Er plant, Klimts Atelier beziehen, das ist aber nicht vor Februar 1919 möglich. Im Oktober 1918 bekommt seine Frau die grassierende spanische Grippe, stirbt, Schiele steckt sich an und stirbt drei Tage später.

In der Ausstellung sind u.a. auch Schiele-Gedichte zu sehen:

„Ein Selbstbild
Ich bin für mich für mich und die, denen
die durstige Trunksucht nach
Freisein bei mir alles schenkt,
und auch für alle, weil alle
ich auch liebe, – Liebe.

Ich bin von Vornehmsten
der Vornehmste
und von Rückgebern
der Rückgebigste
Ich bin Mensch, ich liebe
den Tod und Liebe
das Leben.“

Hier könnte voller Andacht mein Text enden. Doch dafür ist das Leben zu komplex. Die Schiele-Ausstellung ist wunderschön. Wenn man jedoch die Ausstellung „RECOLLECTING. Raub und Restitution“ besucht, wird einem auf eindringliche Weise bewusst, das einige Schiele-Bilder nicht nur Bilder eines früh verstorbenen Talents sind, sondern für mehr Tragik stehen, für enteigneten jüdischen Kunstbesitz.

Quellen & Hinweise:
Zu Klimt, Wagner, Moser, Schiele:
Klimt-Spaziergang von WienTourismus

Otto Wagner Pavillon Karlsplatz

Otto Wagner Hofpavillon Hietzing

Wiener Werkstätte

Museum Leopold Die Ausstellung „Egon Schiele. 90. Todestag“ ist noch bis zum 11.01.2009 zu sehen.

Zum Thema enteigenete Kunst:
Schiele im Leopold Museum, Standpunkte: Israelitische Kultusgemeinde Wien, Museum Leopold (-> Die Sammlung Leopold -> Provenienzforschung)

Ausstellung „RECOLLECTING. Raub und Restitution

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