Friedrich Adler, Heinz Lang – Sohn sein, anders sein

Familie Adler
Der Vater: Victor Adler war „Einiger und Führer der österreichischen Sozialdemokratie, Haupt der Arbeiterbewegung und Mitbegründer der 1. Republik“. [1]

Der Sohn: Friedrich Adler (1879 – 1960) wurde auch sozialdemokratischer Politiker. 1911 – 1914 war er Parteisekretär der österreichischen Sozialdemokraten. Als ein ein entschiedener Gegner des Krieges wandte er sich auch gegen die Kriegspolitik seiner Partei. Doch er musste mit ansehen, wie sich sowohl die österreichische Regierung als auch seine Partei in Kriegs-Patriotismus erging. Friedrich Adler legte aus Protest sein Amt als Parteisekretär nieder. Und „am 21. Oktober 1916 erschoss er im Restaurant des Hotels Meissl & Schadn am Wiener Neuen Markt den beim Mittagessen sitzenden Ministerpräsidenten Karl Graf Stürgkh, den er als Hauptverantwortlichen für die Fortsetzung des Krieges ansah“. [2] Was für ein letzter, fast desperater Protest um aufzurütteln. Adler wird zum Tod verurteilt, aber dann zu einer langen Gefängnisstrafe begnadigt. Die für ihn doch nur kurz ist, denn im Jahr 1918 wird er – als eine der letzten Amtshandlungen des Kaisers – freigelassen.

Zwar war die österreichische Sozialdemokratie 1916 nicht sehr aufgerüttelt noch verändert durch diese Tat. Aber die Entwicklungen der Politischen Großwetterlage ließen sich nicht ignorieren. Adler wurde 1918 Vorsitzender der Wiener Arbeiterräte (- 1923), später Sekretär der II. Internationale der Sozialistischen Arbeiterparteien.

Wenn man sich die spannende und manchmal unnötig enttäuschende Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie vor und nach dem ersten Weltkrieg ansieht, scheint es für die revolutionären Kinder tatsächlich nur die Option gegeben zu haben, anders als ihre Väter zu sein. Radikal zu werden oder mit allem zu brechen. Friedrich Adler hat das erstere versucht.

Nach dem zweiten Weltkrieg kehrt er nicht mehr nach Österreich zurück. Es ist kein vollständig enttäuschter Bruch angesichts der Entwicklungen, die nicht seinen Überzeugungen entsprechen. Er „flüchtet“ nur in der Aufarbeitung des Briefwechsels seines Vaters mit bedeutenden Sozialdemokraten.

Foto: Beileidstelegramm aus Bayern zum Tod von Stürgkh, befindet sich im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien

Familie Lang
Die Mutter: Marie Lang war Mitbegründerin des Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins. Sie engagierte sich auf vielerlei Wiese für die Wiener Frauen. Unter anderem auch mit der Gründung des ersten „Wiener Frauenclubs“ und des „Ottakringer Settlements“ („humanitär gesinnte Leute aus der Bildungsschicht richten soziale Beratungsstellen in Arbeiterbezirken ein und betreiben diese“).

Der Sohn: Heinz Lang (1885 – 1904) ist einer ihrer beiden Söhne. „Jeder, der den Buben erlebt, ist von seiner Schönheit, seiner Intelligenz und seinem Wesen entzückt. Als einen „blonden jungen Ritter“ schildert einer der Freunde des Hauses … schon den Zehnjährigen.“ Er lernt Lina Loos kennen, die Frau des Architekten Adolf Loos. Im Sommer 1903 beginnen die beiden eine „intime Beziehung von solcher Leidenschaftlichkeit, dass sie der Mitwelt … nicht lange verborgen bleiben kann.“ Bevor Heinz sein Studium beginnt, fährt er in die Ferien nach England. Lina Loos soll sich von ihrem Mann trennen und ihm nachkommen. Der Plan lässt sich so nicht umsetzen. Lina gesteht Adolf alles, will in Zukunft allein leben und trennt sich auch von Heinz.

Heinz Lang wendet sich verzweifelt an Peter Altenberg um Rat und es kommt zur tragischen und mittlerweile klassischen Antwort von Altenberg: „Was Sie tun sollen? Sich erschießen. Was Sie tun werden? Weiterleben. Weil Sie ebenso feig sind wie ich, so feig wie die ganze Generation, innerlich ausgehöhlt, ein Lügner wie ich.“ Doch Heinz Lang ist anders. Er erschießt sich. [3]

Dieses Doppelporträt ist eine etwas eigenwillige Verbindung Wiener Zeitgeschichte. Fast eigenwillig, denn beide Söhne sind sich zumindest bei Gesellschaften zu Hause bei Marie Lang begegnet.
Mich hat in dieser Verbindung interessiert, auf welche Weise die Söhne Eigenschaften ihrer Eltern weiterleben und doch anders sind.
Und auch mein nächster Post wird ein sehr spezielles Doppelporträt sein, das der Frage nachgeht, wo die Revolution Pause macht.

Quellen:
[1] aeiou Österreich Lexicon – Victor Adler

[2] dasrotewien.at, Weblexicon der Wiener Sozialdemokratie – Friedrich Adler

[2] „Liebe in Wien“ von Dietmar Grieser, Deutscher Taschenbuch Verlag, München

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