Gipsdepot in der Hofburg – Jesus & Maria Theresia

 

Was erzählen sie sich? Jesus, Maria Theresia und der bröckelnde österreichische Adler. Wünscht sich die Waschfrau nichts sehnlicher als ein wenig in Richtung des kleinen Kaisers gedreht zu werden, um über ihm ihre Wäsche auszuwringen? Ist es Mozarts Oberkörper bequem auf seinem Kissen, friert nicht sein offener Unterkörper? Eine wunderliche Sammlung ist bei Sonderöffnungen zu besichtigen im Keller des Leopoldinischen Traktes der Wiener Hofburg.

Eigentlich lagerte hier der Alkohol für den Kaiser. Wein aus den Hofgütern genauso wie Champagner und Schnaps. Das eingemauerte Weinfass mit 73.000 Litern Fassungsvermögen zeugt noch von dieser Zeit. Allerdings war es für den „Genuss“ der Beschäftigten in der Hofburg gedacht. Wenn ihnen nicht schon ihre Arbeit auf den Magen geschlagen war, dann spätestens der Wein aus diesem Fass. Man füllte oben immer neue Lieferungen ein und schenkte unten das so entstandene Gemisch aus. Die Qualität mag man sich nicht vorstellen. Warm war der Wein sicher auch in diesem weit oben gelegenen Keller, denn nur in den kälteren Kellern ganz unten im Gebäude lagerte der Alkohol für den Kaiser. Je weniger wichtig die Trinker – umso weniger kalt bewahrte man den Alkohol auf.

1918 wurden die Weinreste versteigert. In die Keller zogen später Gipsmodelle ein. Sie waren die Entwürfe für Skulpturen an/in der Wiener Ringstraße und wurde von bedeutenden Bildhauern und Architekten des Historismus geschaffen. Quasi eine kleine Miniaturwelt der Denkmäler und Springbrunnen an der Ringstraße und der Verzierungen der Ringstraßen-Paläste. Die meisten Bestände sind Modelle für das Burgtheater. Die Sammlung ist geordnet und katalogisiert. Restauriert wird u.a. auf effektive Weise: werden Modelle verliehen für Ausstellungen, kostet das nichts, dafür muss sie aber der Ausleiher restaurieren. Ist das auszuleihende Modell schon restauriert, schlägt einem anderen Modell die glückliche Stunde und es wird statt dessen restauriert. Etwa „500 … antike Heroen, kaiserliche Hoheiten, Dichter, Musiker, Denker“ leben hier. [1] Ein Gips-Panoptikum das zum Glück (!?) nicht bis in die Gegenwart reicht.

Gipsdepot-Quellen:
[1] „Unterirdisches Wien“ von Berndt Anwander, Falter Verlag, Wien 200

Führung am Tag des offenen Denkmals 2008

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