Giovanni Antonio Pellegrini – 500 Quadratmeter Italien in Wien

Wo beginnt der Papst seine Wien-Besuche? Da ich die verborgeneren Schätze Wiens beleuchte, ist es ein „verborgener“ Platz. Verborgen insofern, als abseits von Touristenpfaden, obwohl eigentlich doch nahe an Touristenpfaden – das Kloster der Salesianerinnen am Rennweg, um die Ecke vom Belvedere. Der Orden untersteht direkt dem Heiligen Stuhl. Wenn Päpste nach Wien kamen/kommen, hielten sie dort zum Teil Hof (Pius VI.) oder begannen hier den Besuch Wiens (Benedikt XVI. bestieg 2007 hier sein „Papamobil“, um in die Stadt zu fahren).

Und genau das ist der perfekte Platz, um Italien zu finden: das Kuppelfresko vom Italiener Pellegrini (1675 – 1741) in der Klosterkirche.
Eine italienische Kirchen-Rundreise durch Wien lohnt sich. Beginnen kann man hier bei Pellegrini, dann weiter zu Ottavio Piccolomini in die Servitenkirche und zum Schluss zum verblüffend „gefälschten“ Leonardo da Vinci in die Minoritenkirche.

Doch zurück zu den Salesianerinnen. Sie wurden von der Witwe Kaiser Josephs I. nach Wien gerufen. Kaiserin Wilhelmine Amalia wollte nach dem Tod ihres Mannes ihr Leben in einem Kloster verbringen. Da sie keinen Orden fand, der ihren Überzeugungen entsprach, bat sie Schwestern des Ordens „Heimsuchung Mariens“ aus den damaligen österreichischen Niederlanden nach Wien. Der Wunsch der Kaiserin war auch, das der italienische „Stuckateur, Plastiker, Maler, Architekt und Baumeister“ Pellegrini nach Wien kam, um sich für das Kuppelfresko zu bewerben. Pellegrini hatte bereits ausreichende internationale Erfahrungen mit dem Ausmalen von weltlichen und geistlichen Gebäuden. Zum Beispiel seine Arbeit im berühmten Castle Howard in York.
Und er bekommt auch den Auftrag in Wien. Ist aber sehr beschäftigt. Die Kuppel bleibt deshalb vorerst unausgemalt. Zwei Jahre nach Einweihung der Kirche legt dann Pellegrini los. Mit Ölfarben. „Am 26.April 1727 begann er mit den Arbeiten, am 10. Oktober desselben Jahres“ ist sie fertig, die „Aufnahme Mariens in den Himmel“ auf 500 Quadratmetern in der ovalen Kirchenkuppel. „In der Laterne schwebt die Taube des Hl. Geistes, um die sich ringförmig die weiteren Figuren gruppieren. Den Schwerpunkt der inneren Zone, die von Engeln und Putten eingenommen wird, bildet die Komposition der Dreiergruppe Maria, Christus und Gottvater, in Richtung Hochaltar. In der äußeren Zone befinden sich die vier Evangelisten, sowie Gestalten des Alten Testaments.“ Wo sie alle heute, nach einer Renovierung im Jahr 2000, wieder in der 32m hohen Kuppel bewundert werden können.

Pellegrini-Quellen:
Zitate aus „Artisti Italiani in Austria“ -> PELLEGRINI, Giovanni Antonio

Salesianerinnen am Rennweg freuen sich auf den Papst“ Nachricht vom 16.8.07 in KATHweb

Führung am Tag des offenen Denkmals 2008

Pellegrini in Castle Howard: Einen kurzen Moment ist die Great Hall mit Pellegrinis Arbeit im Movie Trailer von „Brideshead Revisited“ zu sehen.

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