Anna Strauß, geb. Streim – Walzer-Mutter

Johann Strauss Vater – „Seine Kinder sollten es einmal besser haben. Der bereits dreizehnjährige Johann sollte Kaufmann und Josef Offizier werden, nur nicht Musiker. Er verbot seinen Söhnen strikt das Musizieren und war sichtlich schockiert, als er erfuhr, daß Johann „der Mistbub“ Walzer schrieb, wo er doch „keinen Dunst davon hat“. Entfremdet durch die Leidenschaft zu einer anderen, verließ er seine Frau und fünf Kinder. Somit lag der Mutter Anna Streim nichts mehr im Wege, ihren fanatischen Herzenswunsch doch noch zu verwirklichen und ihren Söhnen den Weg zur Kunst zu ebnen.“ [1]
Anna Strauss – „Anna, die mit den Kindern zurückblieb, hatte die volle Loyalität ihrer Söhne – und war ihnen eine leidenschaftliche Mutter, vor allem eine Förderin von deren evidentem musikalischen Talent. Wenn Johann eigene Kompositionen auf dem Klavier spielte, begleitete sie ihn auf der Gitarre. Und sie brachte ihn zu zu dem greisen Josef Drechsler, der den Generalbass unterrichte.“ [2]
Gut gemeint haben es vielleicht beide. Der Vater, der ordentliche Berufe für die Kinder will und die Mutter, die deren Talente an das Licht holt und ihnen Raum zum Entfalten lässt. Oder fürchtetet der Vater insgeheim Konkurrenz. Oder nimmt die Mutter Rache am entschwundenen Ehemann indem sie einen zweiten Johann schafft? Was auch die Wahrheit ist, Anna Strauß (1801 – 1870) ging mit der Kennzeichnung einer „ungeliebten, erfolglosen Gattin und erfolgreichen, vergötterten Mutter“ [2] in die Geschichte ein.

Alles fing im Gasthaus von Annas Vater an, dort lernt sie Johann Strauß kennen und lieben. Johann entwickelt sich zum gefragten und angeschwärmten Walzerkomponisten und -Dirigenten. Ein Leben im Walzer-Rausch beginnt. Dafür reicht eine Frau nicht aus. Johann Strauß verliebt sich neu, hat zwei Familien, entscheidet sich dann für seine zweite Frau.
Anna gibt sich nicht auf, reicht die Scheidung ein, erpfändet sich auch einmal Alimente, wenn es sein muss und ermöglicht ihren Söhnen – allen voran Johann Strauß Sohn – den Weg zur Musik. Managt, schlichtet Streit, setzt sich durch.

Johann Strauß Sohn debütiert 1844 mit Erfolg. 1848 komponiert der Vater den Nationalgardemarsch und der Sohn den Revolutionsmarsch. Demolierpolka und Explosionspolka folgen vom Sohn. Der Vater schafft noch den Radetzkymarsch, dann ist seine Kraft aufgebraucht und er stirbt. Johann Sohn komponiert zahlreiche Musikstücke, Operetten (Fledermaus, Zigeunerbaron) und im Alter – quasi „beruhigt“ – den Kaiserwalzer.

„Die Nachwelt hat festgestellt, was Anna Strauß mit Sicherheit selbst wusste: Es war nicht nur das Erbe von Vater Johann, das für ihre Söhne verantwortlich war – alle seine Kinder mit Emilie Trampusch lebten in Bedeutungslosigkeit und Anonymität. Seine Söhne mit Anna Streim waren durchwegs Musiker geworden.“ [2] Anne Strauß hat also aus einem Leben mit zwei Johanns das Beste gemacht.

Foto: Taborstrasse 17, viele Jahre das Anna Strauß-Großfamilienhaus

Strauss-Quellen:
[1] Da Capo, Wiener Johann Strauß Konzert-Gala, Johann Strauß

[2] „Heimat bist Du grosser Töchter. Österreicherinnen im Laufe der Jahrhunderte.“ von Renate Wagner. Edition S, Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien 1992

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