Božena Němcová – Es war einmal … ein Märchen?

Mit Božena Němcová (1820 – 1862) könnte man erwachsen werden. Zuerst bekommt man eines der prachtvoll illustrierten Bücher ihrer Märchen zu Weihnachten geschenkt. Dann sieht man den Film „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ nach ihrer Version dieses Märchen-Klassikers. Nun erreicht man an eine Weggabelung. Entscheidet sich, ihr Hauptwerk „Die Großmutter“ zu lesen und entflieht der Gegenwart in eine „idealisierte, poetisch ausgeschmückte“ Vergangenheit mit einem „Idealbild mütterlicher Fürsorge“. [1] Oder besucht die Taufkirche der Němcová in Wien – die Alserkirche (Foto). Ein wiewohl historischer Ort, 1827 wird hier der Leichnam Beethovens eingesegnet, doch heute ein etwas ungemütlicher Ort an einer sehr lauten Straße Wiens. Oder spürt ihrem Schicksal nach in dem Film „Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern“. „Sie wird gesehen in einer Reihe mit Virgina Woolf, Sylvia Plath, Frida Kahlo, Birigitte Reimann: Frauen, die alles wollten – Familie, Selbstverwirklichung, freie Liebe – und die allesamt bereit waren, einen hohen Preis dafür zu zahlen.“ [2]

Němcovás Eltern sind offiziell ein tschechisches Dienstmädchen und ein österreichischer Kutscher. Allerdings gibt es Mythen die von andere Eltern sprechen, zum Beispiel von „Herzogin Dorothea von Sagan und Fürst Karel Clam-Martinic“. [2] Božena heiratet früh einen Finanzbeamten. Ihr Mann ist engagiert in der tschechischen Nationalbewegung. Durch ihn lernt sie deren führende Persönlichkeiten kennen und kommt zum Schreiben. Ihr erster Text ist ein Gedicht „An die tschechischen Frauen“. Doch wie immer im Leben hat der Fortschritt auch dunkle Seiten. Einerseits inspiriert sie ihr Mann andererseits wird sie im Verlauf ihrer Ehe auch immer mehr unter ihm leiden, von ihm geschlagen werden.

„Meinem Mann gefällt es nicht, dass ich mich so ganz der Schriftstellerei widme, er sähe mich lieber als virtuose Hausfrau, ich begreife, dass wir dann glücklicher wären und er sich nicht glücklich fühlen kann, wenn er nicht die Frau hat, die er sich wünscht, aber ich kann mir nicht helfen – das sind keine leeren Worte, ich kann es nicht – im Haushalt bin ich nur eine seelenlose Maschine. Ich muss schreiben; bin ich oftmals auch bedrückt von Sorgen und Verdruss, so vergesse ich alles, sobald ich mich zum Schreibe hinsetze, und lebe dann in einer anderen Welt…“ (Božena in einem Brief an ihren Freund Helcelet) [2]

Und trotzdem holt er sie heim als sie todkrank ist.

Feiert sie Erfolge mit ihrem Hauptwerk „Die Großmutter“ – bis heute 350 Auflagen in tschechischer Sprache – ist sie doch nicht vor Entbehrungen geschützt. Stand in ihren letzten Lebensjahren kaum jemand zu ihr, folgten ihrem Sarg zu einem Ehrengrab in Prag sehr viele Menschen. Und ist sie heute eine Art tschechische Nationalheldin.

Nemcova-Quellen:
[1] „Großmutter“ von Sarah Ross im Online Magazin für Frauen – AVIA-Berlin

[2] „Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern : Presseheft“ movienet

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