Georg Sigl – w.z.b.w. (was zu beweisen war)

Aktennotiz: „Die k.k. Generalinspektion der Niederösterreichischen Eisenbahn hat am 28.11.1873 die Anzeige erstattet, das einem Gerücht zufolge, der Maschinenfabrikant Sigl eine für den Personenverkehr bestimmte Drahtseilbahn erbaut hat.“ [1]
Die Folge: Betriebsverbot.
Erste Stellungnahme Sigl: „Der Personenverkehr wird eher nicht angestrebt.“

Georg Sigl (1811 – 1887) stammte aus der Nähe von Wien, war Schlosser und auch ein schlauer Kopf und Tüftler. Gefördert von einem Maschinenfabrikanten bekam er die Chance sich zu verwirklichen. [2] Angefangen von Buchdruckpressen über Lokomotiven bis zu Dampfmaschinen und Dampfkesseln – Sigl entwickelte, probierte und produzierte in Wien-Währing und Wiener Neustadt. Zudem beteiligte er sich an vielen weiteren Unternehmungen (zum Beispiel der Dachkonstruktion der Wiener Votivkirche) und ihm gehörten Grund und Boden. Unter anderem an der Sophienalpe im Wienerwald. Was lag also näher, als da mal eben ein preisgünstiges Bergbahnsystem zu konstruieren und dafür eine Versuchsstrecke auf eigenem Grund und Boden in Betrieb zu nehmen. Etwa 5,5 km von Hütteldorf entfernt, befand sich die Talstation. Die Bahnstrecke bis zum Restaurant Sophienalpe war 680 Meter lang. Gedacht als Prototyp für den Erz- und Kohlebergbau. Allerdings kam es doch noch zu einem Baukonsens und die „Knöpferlbahn“ beförderte Personen von 1874 bis 1881. Auf zwei Seilen hängte man Wagen in Vorrichtungen zur Verankerung ein („Knöpfe“) und beförderte sie so nach oben bzw. unten.

Drei Bahnen gab es einst im Wienerwald, neben der Bahn von Sigl noch die Kahlenbergbahn und die Drahtseilbahn auf den Leopoldsberg, die alle heute nicht mehr existieren.

Die Dame im Bezirksmuseum Penzing – der ich diese Entdeckung verdanke – steht kopfschüttelnd vor dem Bild der Knöpferlbahn und sagt mit kritischem Unterton zu Sigls Schließen der Bahn: „Und dann hat er einfach die Lust verloren.“

Schade ist es schon, das heute nicht mehr solche fahrenden Attraktionen im Wienerwald gibt. Andererseits war Sigl eben schon wieder unterwegs zu neuen Erfindungen. Ein Mensch nach meinem Geschmack.

Foto: Technisches Museum Wien

Sigl-Quellen:
[1] „Bergbahnen im Wienerwald“ von Martin Fuchs, Eigenverlag, Wien, 2002

[2] „Georg Sigl und seine Gasse in Wien-Alsergrund

Georg Sigl – 120. Todestag. In Gedenken an einen österreichischen Eisenbahnpionier (2007)

Mit vielen Fotos der Bahn und der Strecke: „Bergbahnen in Wien. Teil 3 (Schluss) – Die Drahtseilbahn auf die Sophienalpe“ von Franz Straka und Dipl.-Ing.(FH) Markus Müller

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