Joy Adamson – Frei geworden in Wien

Joy Adamson wuchs in Wien bei ihrer Oma auf. Die vielfältigen Wiener Möglichkeiten eigene Fähigkeiten auszuprobieren und eine Oma die dieses Ausprobieren zuließ, waren vielleicht Gründe dafür, das sie ein Leben lang sie selbst bleiben konnte – eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. Am Ende ihrer Autobiographie zeigt sie genau das verwundert an: „I had travelled across Africa, Asia, the U.S.A., Canada, Europe, Australia, New Zealand and Japan speaking to people on behalf of endangered wildlife. I had received many high awards. Now I wonder how all this have happened for I felt I had changed very little since the summer days at Seifenmühle when we children played at lion hunts. My ideas are the same as they have always been.“ [1]

Geboren als Friederike-Viktoria Gessner (1910) in Mähren liebt sie die Sommerferien auf dem Besitz Seifenmühle der Familie ihrer Mutter, wo Löwenjagd-Spiele der vielen Kinder der Großfamilie an der Tagesordnung sind. Oder die Kinder graben sich Tunnel durch die Berge von altem Papiergeld das der Opa in einer Scheune stapelt, um es als Rohstoff wieder der Papierherstellung zuzuführen. Bei diesen Spielen mit Millionen lernt sie, dass solcherart Werte zu leicht den Sinn verlieren.

Als ihre Eltern sich scheiden lassen, wählt Friederike die Oma und Wien als Platz für ihr Leben aus. Und probiert in Wien viele verschiedene Berufsideen durch: u.a. das mit Glück erspielte staatliche Klavier-Zertifikat, Fotografie und verschiedene Formen der bildenden Künste. Eine fast eher zufällige Hochzeit und ihr Mann bringen ihre Kinderträume, die Welt zu erkunden, mit seinen eigenen Auswanderungsplänen zusammen. Sie testet Kenia und verliebt sich dabei in den Schweizer Peter Bally. Lässt sich scheiden und verlässt endgültig Wien einen Tag bevor Hitler in Österreich einmarschiert.
Bally gibt ihr den Namen Joy und ermutigt sie zur Botanik und zum Zeichnen. Dabei trifft sie auf den dritten Mann in ihrem Leben – den Briten George Adamson. Eine Liebe beginnt, der beide auszuweichen versuchen, aber nicht ausweichen können. „I needed to be alone during this time so I decided to camp on the moorlands of Mount Kenya and paint the flowers there.“ [1]

Nach ihrer Zeichen-Arbeit für das Buch „Peoples of Kenya“ (700 Bilder) und botanischen Erfahrungen tritt die Löwin Elsa auf, die das Leben von Joy Adamson noch einmal völlig verändert. Mit der Aufzucht von Elsa ist das Interesse von Adamson an Raubtieren in der Wildnis geweckt. Und „at this point we felt that we should share our experiences by writing a book and thus stimulate interest in wild animals at a time when they were so much in need of help.“ [1] Freunde ermuntern sie, selbst zu schreiben. Und so erarbeitet sie sich die Möglichkeit, die Welt zu bereisen und mit offenen Armen empfangen zu werden.
Nach dem Krieg, noch während der Besetzung Österreichs, besucht sie erstmals auch wieder Wien. Zu einer traurig armen Zeit als die Stadt Wien ein Wiener Löwen-Denkmal-Pärchen Langenlois in Niederösterreich schenkt (1950) als Ausgleich für zehn Tonnen Weintrauben, die Langenlois Wiener Kindern 1945 spendete. [2]

Einige Unfälle, Krankheiten und die ungewollte Kinderlosigkeit waren Schatten in einem so spannenden und erfüllten Leben, das tragisch mit der Ermordung 1980 im Meru-Nationalpark (Kenia) endete.

Ihre Autobiografie widmet Joy Adamson: „OMA and ELSA.“ Denn ihre Oma ist die, der sie alles verdankt, das gut in ihr ist. [1] Und außerdem diese große Chance immer authentisch sie selbst und mutig offen für alle ihre Interessen zu bleiben. So also ist sie frei geworden für ihr Leben durch die Liebe der Oma in Wien und deren Glaube an sie.

Foto von Markus Vollmeier (Wien), Löwe auf der Schemerlbrücke Nußdorf Wien.

Adamson-Quelle:
[1] „The searching spirit. An autobiography. Complete and unabridged.“ (1. large print ed.) von Joy Adamson, Ulverscroft Leicester 1982

[2] Stadt Wien: Wien im Rückblick – März 1953. „3.3.1953: Zwei Löwen für zehn Tonnen Weintrauben

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s