Franz Josefs Land (Teil 1) – Wiens kältester Bezirk

Wer einmal miterlebt hat, wie sich an einem heißen Sommertag Menschenströme in das Städtische Bad Gänsehäufel* an der Alten Donau ergießen, kann nicht glauben, das hier früher Wiens „kältester“ Bezirk war. Die Gründe: die Natur und patriotische Gastwirte.

franzjosefsland1.jpgVon 1882 bis 1917 wurde dort an der Alten Donau Natureis gewonnen. Dieses Eis war zur damaligen Zeit das einzige Kühlmittel für Gaststätten und Fleischhauer (Metzger). So genannte Eisschläger hackten das Eis aus der zugefrorenen Donau und flößten es zum Transport zu Eiskellern und Eisgruben. Was für eine Arbeit!
Die Wiener Eisfabrik baute später Eishäuser im Gebiet Alte Donau und Kaiserwasser. Die Eiswerkstraße (Foto) kündet davon. Die als „Eisfabrik der Approvisionirungs-Gewerbe in Wien“ gegründeten „Vereinigten Eisfabriken und Kühlhallen in Wien“ gibt es noch heute im Nachbarbezirk – der Brigittenau. Allerdings inzwischen ohne Natureis.

franzjosefsland2.jpgZum „kalten Ruf“ dieser Wiener Gegend trug auch die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition bei. Am 30.8. 1873 entdeckte sie unter Leitung von Professor Julius von Payer und Karl Weyprecht eine Inselgruppe im Nördlichen Eismeer, die nördlichsten Inseln von Eurasien, und benannte sie nach Kaiser Franz Joseph I. Das animierte den heimatverbundenen Gastwirt Franz Magenstein, sein an der Alten Donau gegründetes Gasthaus „Zum Franz-Josefs-Land“ zu nennen. Weitere patriotische Gasthäuser folgen – „Zum Nordpol“, „Zum Nordlicht“. 1876 erhält das Gebiet zwischen Kagraner Brücke und Kaiserwasser den Namen „Franz Josefs Land“. Die Payer-Gasse (Foto) kündet davon.

Teil 2

Eis-Gewinnung und Eis-Eroberungen damit wurde dieses Gebiet quasi Wiens geschichtlicher Kältepol.

*Platz für ca. 30.000 Menschen – tja wir sind hier in einer Weltstadt, da kommt keine Einsamkeit beim Baden auf!

Mehr „richtiges“ Franz Josefs Land kann im „Heeresgeschichtlichen Museum“ (im Saal „Seemacht Österreich“, auf der website leider nicht beschrieben) erkundet werden.
Oder als Karte, als Text und als Video hier.

Korrektur von Nordbahnbertl (Transdanubischer Heimatforscher):
Im Beitrag über das “Franz-Josefs-Land” haben sich zwei Fehler eingeschlichen:

– Kaisermühlen kam 1938 zum 21.Bezirk Floridsdorf, denn die Bezirksgrenze zwischen dem 21. und 22. Bezirk verlief innerhalb von “Groß Wien” entlang des linken Randes des Bahndammes der Ostbahnstrecke Wien-Laa/Thaya
– der 22.Bezirk von “Groß Wien” hieß “Groß Enzersdorf”, erst 1954, als die Allierten die Verkleinerung Wiens genehmigten, entstanden die heutigen Bezirksgrenzen, kam Kaisermühlen (zum Großteil, ein kleiner Rest blieb bei Floridsdorf) zum auf “Donaustadt” (Gr.Enzersdorf kam ja wieder zu NÖ) umgetauften 22.Bezirk

Eis-Quellen:
Bezirksmuseum Leopoldstadt
Bis 1938 gehörte das Franz Josefs Land zur Leopoldstadt, wurde dann dem neu gegründeten 22. Bezirk, Donaustadt, zugeteilt.

Erster Wiener Wasserweg, Magistratsabteilung 45 – Wasserbau
Sehr zu empfehlende Wanderung (Alte Donau und Lobau, ca. 17 km, auch abkürzbar, Prospekt über MA 45).

Mit Anorak und Handschuhen in die Arbeit

Vereinigten Eisfabriken und Kühlhallen in Wien > Historie

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2 Kommentare zu “Franz Josefs Land (Teil 1) – Wiens kältester Bezirk

  1. Wieder was dazugelernt. Bin auf’s Franz-Josef-Land in Schnitzlers Novelle „Die Toten schweigen“ gestossen und wollte mich geografisch orientiern. Die Novelle ist Thema für einen Literaturabend in der Deutschen Evangelischen Kirche in Malmö/Schweden. Meine Wurzeln sind in Wien, meine Eltern sind in den 30-ger Jahren ausgewandert. Wien ist nur meiner Träume Stadt.

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