Anton Bruckner – Für immer nur für den Augenblick

Anton Bruckner OrgelAnton Bruckner (1824 – 1896) studierte in Wien Musik. Auf der Orgel der Wiener Piaristenkirche absolviert er eine Prüfung vor Musikgrößen dieser Zeit. Hinterher wird ein Mitglied der Prüfungskommission sagen:“Er hätte uns prüfen sollen.“ Denn Bruckner war einer der größten Organisten und Improvisatoren auf der Orgel. Er war international gefragt – wurde zu einem Wettspiel an die Kathedrale nach Nancy eingeladen (1869), spielte in Notre Dame in Paris, gab 1871 Konzerte in London in der Albert Hall auf einer dampfmaschinenbetriebenen Orgel und im Kristallpalast vor 70.000 Zuhörern. „Bruckners Orgelspiel war glänzend und farbenprächtig, weniger im Innern durchgebildet, als äußerlich blendend und hinreißend. An kontrapunktischer Vollendung lag ihm weniger, als an harmonischer Entfaltung und würdevoller Massenwirkung. Daher erzielte er den tiefsten Eindruck durchs Improvisieren, wo er seiner Phantasie freien Lauf lassen konnte.“ (ADB)

Liest man die schwärmerisches Schilderungen über sein Orgelspiel wird man neugierig und würde es gern nachhören. Das Werkverzeichnis listet ein reiches Schaffen an Chormusik, Messen, Symphonien und anderen Werken auf – jedoch gerade einmal fünf Kompositionen für die Orgel. Er hat uns also (fast) nichts hinterlassen von diesen seinen Orgel-Fähigkeiten und -Fertigkeiten. Vielleicht gerade noch den „orgelhaften“ Stil seiner Kompositionen. Wenn man darüber nachdenkt wird einem bewusst, das wir als heutige Musikkonsumenten fast selbstverständlich davon ausgehen, das uns das Werk eines Komponisten „gehört“. Selbst wenn es ein Auftragswerk ist, werden auch wir es irgendwann zu hören bekommen. Ganz gut das diese Selbstverständlichkeit einmal erschüttert wird. So wird der Wert der Musik bewusst und das Geschenk des Augenblicks, wenn man eine Improvisation erleben darf.

Die interessante Website über Bruckner vom Vereins Kultur Plus aus Linz listet Wiener Bruckner-Orte auf. Es gibt zusätzlich noch einen indirekten Ort: das Technische Museum Wien. Im Museum steht eine Orgel (Foto), die für die kaiserliche Hofburgkapelle von Carl Friedrich Ferdinand Buckow gebaut wurde und auf der Anton Bruckner zehn Jahre lang als k. u. k. Hoforganist gespielt hat. Die Form der Orgel ist auf den zu Verfügung stehenden Platz in der Kapelle zurückzuführen. Sie kam ohne Gehäuseoberteil und Prospektpfeifen in das Museum und wurde nach der Orginalzeichnung des Orgelbauers und einer Fotografie der Vorderseite rekonstruiert.

Mehr Gedanken Thema Improvisation auf der Orgel?

Bruckner-Quellen:

“Anton Bruckner” von Bodo Hell in “Österreichische Porträts. Leben und Werk bedeutender Persönlichkeiten von Maria Theresia bis Ingeborg Bachmann.” herausgegeben von Jochen Jung. Residenz Verlag, Salzburg und Wien, 1985.

Biografie Anton Bruckners

Anton Bruckner

Bruckner in “Allgemeine deutsche Biographie – Neue deutsche Biographie / Digitales Register, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Bayerischen Staatsbibliothek. Erschienen 1875 (2001)”, Band 47, S. 767- 769 (ADB)

Brucknerorte und -Gedenkstätten – Wien

Technisches Museum Wien, Sammlung Technische Grundlagen und Musik

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