Maria Zimmermann – Warten auf Klimt?

Wohnort  Maria ZimmermannFür meine Porträts habe ich Frauen, Männer, Gegenstände gewählt, die ich inspirierend finde, interessant, spannend, überraschend. Welche dieser Attribute auch jeweils zutreffen – zusätzlich vereint die Frauen und Männer, das sie ihr Leben tatkräftig in die Hand genommen haben, auch wenn das mal mehr und mal weniger gelang. Maria Zimmermann scheint auf den ersten Blick hier nicht so perfekt zu passen.

Schon immer wollte ich eine der vielen Musen aus Wiens Geschichte porträtieren. Also kam mir die Ausstellung im Bezirksmuseum Josefstadt („Mizzi Zimmermann, Gustav Klimt und die Josefstadt“) grad recht. Vorfreude auf das was ich mir unter einer Muse in Wien vorstelle: Romantik und ausgelassenes Leben. Beides trifft auf die Klimt-“Muse“ Maria (Mizzi) Zimmermann (1879 – 1975) nicht zu. Es gab vielleicht winzige Momente Romantik – die aber sofort verglühten.
An eine Muse in Wien hatte ich zusätzlich noch den Anspruch, das sie mindestens wie Lina Loos sein müsse. Also ein eigenes Lebenswerk haben sollte. Maria hat zwar versucht malen zu lernen und ein kleines Aquarell in der Ausstellung berührt beim Betrachten. Aber für viel mehr Lebenswerk blieb wohl weder Kraft noch Zeit.
Auch wenn meine Musen-Klischees auf sie leider nicht zutreffen, hat sie ihr Leben in die Hand genommen – Klimt „gehabt“ und ihn trotzdem überstanden.

Maria Zimmermann wird in Hernals geboren und kommt nach Schulbesuch einer höheren Schule zu Klimt als Modell. Beider Sohn Gustav wird 1899 geboren, beider Sohn Otto folgt 1902 (stirbt aber im gleichen Jahr) – zwei von vielen vielen unehelichen Kindern Klimts. Er sichert ihr zu, sie wird „versorgt werden, als wären Sie meine Frau.“ Allerdings nur finanziell und sicher auch nicht üppig. Und bitte immer ohne Streß: „Liebe Mizzi! … und ich sage hundertmal, Wir müssen uns liebere schönere Briefe schreiben, dass Sie Freude daran haben, dass ich solche habe. Das ich mich freue einen Brief zu bekommen und nicht ihn fürchte, nicht von Todesahnungen und Todesgedanken, nein lieb und artig, … daß wir uns gegenseitig trösten, ich bitte schön darum…“

Maria ist die berühmte Schöne hinten links auf Klimts Bild „Schubert am Klavier“. Gemalt wurde es für das Palais Dumba, ein Wiener Ringstraßen-Palais. Hermann Bahr sagt über das Bild „das schönste Bild das jemals ein Österreicher gemalt hat… Diese Stille, diese Milde, dieser Glanz auf einer bürgerlichen Bescheidenheit das ist unser Österreichisches Wesen!“
Vielleicht ist es gut gewesen für Maria Zimmermann, das Klimt 1918 stirbt. Sie macht zwar schwere Zeiten durch, in denen sie sich als Schaffnerin und Näherin durchbringen muss und heiratet 1931 einen pensionierten Straßenbahn-Schaffner. Aber Maria „überlebte“ Klimt in jeglicher Hinsicht.
Und hat zusammen mit dem interessanten kritischen Artikel „Klimt: Todesküsse in Goldverpackung“ (Lisa Fischer) mein Klimt-Bild relativiert.

Foto: Tigergasse 38, hier kommt Gustav Zimmermann zur Welt, es ist allerdings nicht mehr das ursprüngliche Gebäude.

Das Bild „Schubert am Klavier

Geschichte des Palais Dumba

Klimt-Quellen:
Ausstellung „MIZZI Zimmermann, GUSTAV Klimt und die Josefstadt“, inkl. Foto von M.Z.

Klimt kritisch betrachtet:
Klimt: Todesküsse in Goldverpackung. Gustav Klimt und die Geschlechterasymmetrien“ von Lisa Fischer

2 Kommentare zu “Maria Zimmermann – Warten auf Klimt?

  1. Ich finde es sehr interessant mal mehr über einzelne
    Künstler zu erfahren. Da sieht man immer wieder das
    hinter mancher Genialität, ein ganz normaler Mensch
    steht.

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