Karl Anton von Martini – Recht Wien

Karl Anton von MartiniGehe ich einen (faulen) Kompromiss ein und vermeide damit eine Niederlage. Oder ist der (faule) Kompromiss die größere Niederlage für mein Gewissen.
Wenn ich das Auf & Ab in Martinis Leben betrachte, in den vielen gesellschaftspolitischen Spannungsfeldern in denen er agierte, kommen mir diese Gedanken. Denn Martini (1726 – 1800) vertrat, oft genug unstrategisch, seine Erkenntnisse, Einsichten und Überzeugungen. Vielleicht war seine Haltung tatsächlich so begründet: „Wenn wir keine Zugeständnisse machen, so können wir wohl zugrunde – gehen, aber niemals verderben.“*

Karl Anton Martini wurde in Revò dreißig Kilometer nördlich von Trient geboren. Das Fürstenbistum Trient war zu dieser Zeit ein „Eldorado für Advokaten und Notare“. So geprägt kommt er über die Universität in Innsbruck mit Philosophie + Theologie nach Wien, wo er Jura studiert. Das Studium beendet er ohne Promotion. Vielleicht aus „Geldmangel oder aus Ablehnung des für Promovenden vorgeschrieben Eides auf die unbefleckte Empfängnis Mariens“. Als die Universität von Maria Theresia reformiert und die Wiener juristische Fakultät neu geordnet wird, bewirbt er sich und erhält 1754 den Lehrstuhl für Institutionen und Naturrecht**. Mit diesem Posten ging die Verpflichtung einher binnen sechs Jahren Lehrbücher für seine Fächer zu schreiben. Und er ist erfolgreich: seine zwei Lehrbücher wurden per Hofdekret an allen österreichischen und böhmischen Universitäten vorgeschrieben.

Martini erzieht auch Prinzen am Hof Maria Theresias. Seine Leistungen werden von Maria Theresia gewürdigt mit der Verleihung des Reichsritterstand mit dem Prädikat „Edler zu Wasserberg“.

1760 beginnt quasi sein Leben als Reformer und Staatsdiener. Was für eine bewegte Zeit! Die man als Deutsche in Österreich mit Reformstaus in Deutschland und hier vor Augen nur atemlos verblüfft nachlesen kann. Unter anderem Studienreform, Reformplan für Gymnasien, Neuausgabe des Kirchenrechts-Lehrbuches, Mitarbeit in der Zensur-Kommission, Richter, Reform der Todesstrafe, Gesetzgebungskommission, Staatsrat, Justizreformer. Ausscheiden nach Angriffen – Ruf wiederhergestellt und neue Aufgaben, Beförderung – Entmachtung und alles wieder von vorn.
Und dann Galizien. Ein Wort das Geschichte und Geschichten, Urteile und Vorurteile hervorruft. Damals, 1795, kam Westgalizien zu Österreich. Es gab „Handlungsbedarf für die Neuordnung des Zivilrechts“ – Martini verfasst 1796 das Westgalizische Gesetzbuch, die Vorarbeit zum österreichischen Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch. Wer hätte dessen Wiege in Galizien vermutetet?

* Zitat von Waldemar Bonsels
** Mehr zum Naturrecht.

Foto: Gedenktafel im Arkadengang der Universität Wien

Freundliche Ergänzungen vom Martini-Experten Michael Hebeis:
„Wichtigerer Titel [als der Reichsritterstand] war die wenige Jahre später erfolgte Erhebung in den erbländischen Freiherrenstand, zählte dieser doch zum Hochadel.“

AH: Das ist für mich das Verblüffende an Martini, obwohl er es sich und anderen nicht leicht gemacht hat, ist ihm ein beachtlicher sozialer Aufstieg gelungen.

„Für Martini sehr wichtig war ein Kontakt nach Leipzig zu Prof. Schott.“

AH: Was mich besonders freut, denn bevor ich von Stuttgart nach Wien gekommen bin, habe ich sehr lange in Leipzig gelebt.

Martini-Quellen:
Alle Details stammen aus dem spannenden und unglaublich detailliertem Buch
“Karl Anton von Martini (1726 – 1800). Leben und Werk” von Michael Hebeis. Peter Lang Verlagsgruppe Frankfurt/M., Berlin, Bern, New York, Paris, Wien, 1996. Rechtshistorische Reihe, Band 153.


Vielleicht auch sehr interessant – aber ich konnte das Buch noch nicht lesen – eine Veröffentlichung aus dem Lit Verlag zu Martini von 2007. Ebenfalls mit einem Beitrag von Michael Hebeis.

2 Kommentare zu “Karl Anton von Martini – Recht Wien

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s