Wiener Küche – Wien isst anders

Wiener Kueche

Eigentlich bin ich kein Fan der Wiener Küche – zu fleischig für mich. Meine Haltung entspringt nicht vegetarischen Überzeugungen à la Bertha von Suttner: „Von hundert gebildeten und feinfühlenden Menschen würden schon heute wahrscheinlich neunzig nie mehr Fleisch essen, wenn sie selber das Tier erschlagen oder erstechen müssten, das sie verzehren.“ Ich habe auch keine Angst vor Folgen à la Georg Kreisler: „Als wir noch dünner waren, standen wir uns näher.“ Aber Sättigung durch Wiener Küche macht schläfrig. Und schläfrig zu sein in Wien ist Zeitverschwendung. Es locken so viele Stadtabenteuer.

Trotzdem muss da etwas in der Wiener Küche drin sein, was sie quasi zur Medizin macht. All diese interessanten Menschen, die ich 2007 in der Wiener Porträt Galerie vorgestellt habe, ernährten sich von Wiener Küche. Die Resultate? Erfindungen, Musik, … – Nobelpreis, Ruhm & Unvergänglichkeit! Also her mit: Suppe, Beuschel (dem Prüfstein der guten Küche), Gulasch, Gekochtem Rindfleich (im 19. Jahrhundert das am meisten gegessene Fleisch Wiens), Wiener Schnitzel mit Limoniesuppe, Backhendl, Rostbraten, Wiener Schweinsbraten, Schinkenfleckerln, Karpfen (als Bratwurstfülle der Fastenspeise-Kompromiss), Gemüse auf Wiener Art, Gugelhupf und Strudel, der erfolgversprechenden Nahrung für Kreativität und Innovation.

Die Wiener Küche entstand Ende des 18. Jahrhunderts und ist eine Mischung regionaler Kochtraditionen aus den Herkunftsländern der Menschen die damals nach Wien kamen. Und er passt einmal mehr, der aktuelle Werbespruch aus dem Wiener Rathaus: „Wien ist anders“. Denn die Wiener Küche ist die einzige nach einer Stadt benannte Kochkunst.

Wiener-Schnitzel MarschEine Ausstellung lädt ein am besten Ort für geistige Wien-Nahrung, der Wienbibliothek im Rathaus, die Wiener Küche kennen zu lernen. Mit Plakaten & Büchern der Bibliothek, Rezepten aus der Handschriftensammlung der Bibliothek, Zitaten und Filmen. Außerdem gibt es ein Buch zu Ausstellung das viel interessanter ist als es irgendein Tim-Mälzer-Kochbuch je sein könnte.
Wien ist Heimat von Erfindern, Künstlern und der Kombination aus beiden: der Ausstellungsgestalter. Wie auch diese Ausstellung zeigt. Die Räumlichkeiten sind eine Herausforderung, die gemeistert wurde. Darauf einen – nein keinen Tusch – Wiener-Schnitzel Marsch.*

*Nur den Tusch bitte. Der Film aus dem die Musik stammt („Das Wunder der weißen Hengste“), ist schon wieder eine andere Geschichte.

Wiener Küche-Quellen:
Alle W.K.-Details stammen aus „Heut‘ muß der Tisch sich völlig bieg’n“ Wiener Kochbücher der Wienbibliothek. Noch zu sehen bis 9. Mai 2008

Vegetarier-Zitate

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