Karl Landsteiner (Teil 1) – Wiener Blut

Landsteiner.jpgWas ist Ihnen wichtiger? Eine für Sie passende Bluttransfusion oder Ihr Seelenheil? Zugegeben, keine faire Frage. Sicher hätten Sie gern beides – wenn benötigt die richtige Bluttransfusion und eine ausbalancierte Seele. Genau deshalb gebührt Karl Landsteiner (1868 – 1943) mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit wie Sigmund Freud. Denn Karl Landsteiner entdeckte 1901 in Wien die Blutgruppen A, B und 0 und ermöglichte damit die Rettung vieler Leben durch Bluttransfusionen. Und ebnete den Weg für Folgeforschungen für die Gesundheit der Menschen bis zu Vaterschaftstests und anderen „Beweisen“ mittels der Blutgruppe.

Landsteiner studierte an der Universität Wien Medizin und beendete sein Studium mit der Promotion. Zusätzlich studierte er in Deutschland Chemie. Er arbeitete in Laboratorien berühmter Chemiker dieser Zeit. Das erworbene Wissen der organischen Chemie war ein Wegweiser für seine berufliche Entwicklung. Bei der Arbeit in Wien am Hygiene-Institut (1896/1897) begann er sich für Antikörper zu interessieren; 3.639 Autopsien am Pathologisch-Anatomischen Institut (1897 – 1908) waren Forschungs-Quelle und -Ansporn für ihn.
Im Zuge serologischer Untersuchungen entdeckte Landsteiner das bei zusammengeführtem Blut zweier Menschen manchmal die roten Blutkörperchen verklumpen (Agglutination) und manchmal nicht. Er klassifizierte das Blut nach diesem Agglutinationsverhalten. Und „schuf“ damit die Blutgruppen. Publiziert 1901 in der „Wiener Klinischen Wochenschrift“ fand diese bedeutende Entdeckung erst 1907 viel Aufmerksamkeit, als damit in New York die ersten Bluttransfusionen sicher durchgeführt werden konnten. Im ersten Weltkrieg wurden viele Operationen durch Transfusionen überhaupt möglich, die sonst wegen des damit einhergehenden starken Blutverlust nie erfolgreich hätten sein können.
Nach dem ersten Weltkrieg zwangen Landsteiner die schlechten Lebens- und Arbeitsverhältnisse in Wien zum Auswandern: zuerst in die Niederlande, dann folgte 1922 ein Ruf an das „Rockefeller Institute for Medical Research“ nach New York.
Die Bedeutung seiner Entdeckung wurde 1930 mit dem Nobelpreis für Physiologie/Medizin gewürdigt.

Noch mehr medizinischen Fortschritt verdanken wir Landsteiners hartnäckigen Forschungen: eine erste Methode zu Bestimmung von Blutgruppen aus Blutflecken, die Grundlagen für die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Kinderlähmung, die Mit-Entdeckung des Rhesusfaktors (Rh+, Rh-)

So viel Forschungungserfolge für die Menschheit. Wie wird heute in Wien daran erinnert?
Vielleicht durch einen alten 1000-Schilling-Schein, der vergessen wurde einzutauschen. Darauf hat Landsteiner Freud „überrundet“. Der hatte es nur auf einen 50-Schilling-Schein „geschafft“. Durch eine Gedenktafel im Arkadengang der Universität Wien (siehe Foto). Aber, Freud ist auch schon da.
Der Dr.-Karl-Landsteiner Park im 4. Bezirk. Es gibt auch den Sigmund-Freud-Park im 9. Bezirk! 4.700 qm zu 29.00 qm. Ein Museum? Noch ein ungünstiger Vergleich für Landsteiner.
Jedoch in Wien & der Welt: Nobelpreis für Landsteiner, nicht für Freud. Und seit 2004 ist der Weltblutspendetag der 14. Juni – Landsteiners Geburstag.

-> Fortsetzung

Mehr Blut & Landsteiner? „Der Weg des Blutes“ ein Projekt für Schulklassen am Naturhistorischen Museum Wien mit wunderbar verständlichen Downloads.

Landsteiner-Quellen:
Karl Landsteiner Gesellschaft
Nobelpreis – Landsteiner Biografie

Nobelpreis – Landsteiner Laudatio
Schilling-Scheine (Freud und Landsteiner, siehe am Ende der Seite)
Karl Landsteiner in „Red Gold – the epic story of blood
Karl Landsteiner in „Who Named It?“

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2 Kommentare zu “Karl Landsteiner (Teil 1) – Wiener Blut

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