Familie Artaria – Paradies Wien

Das letzte ArtariaBesucher und Zugereiste lieben Wien; Wiener lieben Wien weniger.
Die italienische Familie Artaria gründet 1770 einen Firmensitz in Wien und fasst Liebe zu Wien in Taten. Ab 1779 erscheint in ihrem Verlag Artaria die berühmte “Sammlung von Aussichten der Residenzstadt Wien”. Ansichten auf Wien in 57 kolorierten Umrissradierungen. Sie zeigen nicht nur die Gebäude sondern auch die Menschen und ihr Leben in der Stadt. Unter anderem den für das “Volk” geöffneten Augarten, meine bevorzugte Lauf-Arena. Die noch heute an manchen Stellen so aussieht wie auf den vier Blättern in der Sammlung.
Nicht nur entstand so ein Bilderbogen der Stadt – er wuchs auch mit der Entwicklung der Stadt mit, denn die Blätter wurden aktualisiert. Wiederum nicht nur Gebäude sondern auch die Mode der Bewohner. Gezeigt werden dabei nicht alle Veränderungen im gesellschaftlichen Leben vom Josephinismus zum Biedermeier, von der Zeit der „Reformen in Recht, Verwaltung, Schulwesen, Kultur und katholischer Kirche“ zur Zeit der „Enttäuschung nach der politischen Restauration 1815 und der beinahe völligen Abkehr vom öffentlich-politischen Leben“. Die idealisierte Stadt verkaufte sich vielleicht besser an die „Touristen“.

Artaria entwickelt sich zu einer erfolgreichen Kombination aus Kunsthandlung und Musikalienverlag. Von Domenico Artaria werden Wiener Klassiker verlegt: u.a. Haydn und Beethoven. Notenfrühdrucke von Beethoven, Haydn, Mozart, Salieri befinden sich in der Wienbibliothek im Rathaus. Genauso wie Teile des Firmenarchives u.a. mit Briefen von Marie von Ebner-Eschenbach und Max Klinger. Eine kartographischer Anstalt kommt zu Artaria hinzu. Im 19. und 20. Jahrhundert werden Teile der Firma jedoch wieder verkauft. Noch heute gibt es das „Artaria – Haus“ am Kohlmarkt 9 (siehe Foto). Das von Max Fabiani, einem Mitarbeiter Otto Wagners erbaut wurde.

Der Wien-Liebe hat die Artaria-Familie ein Denkmal gesetzt. Für die Zugereisten ist Wien ein Schritt in das Paradies. Für Wiener ist Wien nur Wien. Einzig, wenn die Wiener Wien verlassen – als “a schöne Leich” – sind sie erstmal glücklich, echte Wiener zu sein.

Artaria – Quellen:
Josephinismus in Ö.
Biedermeier in Ö.
Artaria
Schöne Aussichten. Die berühmten Wine-Bilder des Verlages Artaria. Ausstellung des Wien Museum Hermesvilla 2007 (mit 7 Bildern)
Artaria & Co. in der Wienbibliothek im Rathaus Wien
Max Fabiani

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s