Josephine von Wertheimstein – Daheim die Wiener Welt

Salon WertheimsteinWenn der Spiegel sagt, Du bist „gesellig, menschenhungrig, für reichen, bunten, geistvollen Verkehr wunderbar begabt und geschaffen“, schaut Josephine von Wertheimstein (1820 – 1894) hinein. Der Schriftsteller und Burgtheaterdirektor Adolf Wilbrandt darf ihr Spiegel sein.

Die Villa der Familie Wertheimstein in der Döblinger Hauptstraße 96 ist heute Bezirksmuseum des 19. Bezirks. Neben u.a. der überraschend vielseitigen Industriegeschichte Döblings lässt einen der Salon von Josephine (Foto) in die Vergangenheit reisen. Hier trafen sich „Maler, Dichter, Komponisten und Sänger“. Moritz von Schwind und Franz Lenbach waren Gäste. „Die Freunde erschienen unangesagt gegen Abend zum Tee und zu zwanglosen Gespräch.“ Eduard von Bauernfeld und Ferdinand von Saar wurden sogar beherbergt.

Josephine von Wertheimstein, „die Hausfrau, war die eigentliche Seele, der Magnet, der Genius“. Auch ihre Schwester, die Baronin Sophie Todesco, führte einen Salon. Ob es wohl Rangelei um die Gäste gab? Denn viele Wertheimsteiner Gäste gingen auch zu Todescos. Und einer ihrer Brüder (Julius Gomperz) hatte auch einen Salon wenn er in Wien war. Einen Musik-Salon, den seine Frau Karoline Bettelheim führte.

Sicher hatten sie jedoch alle nicht den Charme von Josephine, der sich hier in einem Brief an Hugo von Hofmannsthal zeigt.
Döbling, 16. Juli 1893.
„…Wie konnten Sie denken, daß ich Sie wenn auch einer unbewußten Tacktlosigkeit, fähig halten könnte : das ist so unmöglich, als ob ein Rosenstock plötzlich Disteln tragen würde; ich habe ein unumschränktes Vertrauen in Sie, in Ihre edle Natur, daß auch nicht ein Atom von Mißtrauen je in mir erwachen könnte, selbst wenn der Zufall mir Ihre Handlungsweise unverständlich erscheinen ließe…“

Wertheimstein-Quellen:
Bezirksmuseum Döbling

„Jugend in Wien. Literatur um 1900“ Katalog der Jahresausstellung 1974 des Deutschen Literaturarchivs im Schiller-Nationalmuseum Marbach am Neckar, Deutsche Schillergesellschaft Marbach am Neckar, 2. Auflage 1987, S. 59ff

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2 Kommentare zu “Josephine von Wertheimstein – Daheim die Wiener Welt

  1. Is it in the Salon Wertheimstein that Theodor Gomperz (or Breuer?) heard about Bertha Pappenheim’s disorder and that the latter was aferwards entrusted to the care of Freud?
    Thank you for your attention! I am amthematician but very interested in „Vienna 1900“, preparing a talk for paris X University.

    Lucette carter

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