Otto Rank – Mit/ohne Freud, mit/ohne Nin

Rank„Und wenn Dir einst von Sohnespflicht, mein Sohn, Dein alter Vater spricht, gehorch ihm nicht, gehorch ihm nicht!“
Dehmel

„Ich kam nie auf die Idee, daß er nicht tanzen kann. Stellte mir nie vor, daß Dr. Rank ein so ernsthaftes Leben geführt haben könnte, daß er nie tanzte.“
Nin

Auf einer Achterbahn des Lebens war Otto Rank (1881 – 1939) vor und nach diesen Zitaten unterwegs!

In Wien als Sohn armer Eltern geboren, kann Rank nur eine Schlosserlehre machen und bildet sich danach selbst fort. 1905 trifft er Sigmund Freud. Finanziell von Freud unterstützt, kann er Philosophie und Deutsch studieren. In seiner Dissertation „Die Lohengrinsage“ wendet Rank die Psychoanalyse auf die Literatur an. Er wird Sekretär der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft (später Wiener Psychoanalytische Vereinigung), Gründungsmitglied des Geheimen Komitees, Redakteur und Herausgeber, schließlich Leiter des Internationalen Psychoanalytischen Verlags, beheimatet in seiner Wiener Wohnung Grünangergasse 3-5 (Foto). Ein rasanter Aufstieg bis zum Jahr 1924, da wachsen in der psychoanalytischen Szene Spannungen, Machtkämpfe und das Ringen um die Liebe/Anerkennung durch Freud.

Rank führt auch selbst Analysen durch und veröffentlicht 1924 gemeinsam mit dem Nervenarzt und Psychoanalytiker Sándor Ferenczi gewonnene Erkenntnisse. Dabei gehen sie kritisch mit der psychoanalytischen Technik um. Rank legt noch mehr Fortschritt zu mit seinem Werk über das Geburtstrauma, u.a. damit eine „early emancipation from the masculine dogmatism of psychoanlaysis“ (Liebermann, siehe Leitner-Quelle). Zuerst kommt das noch gut an bei Freud. Aber mehr und mehr wird Rank zum Ketzer der psychoanalytischen Bewegung gemacht. Er verliert seine Positionen, soll „abschwören“ und hat außerdem auch private Probleme.

Er widerruft nicht, er findet die Kraft weiter zu denken und so erscheint 1926 „Das Inzest-Motiv in Dichtung und Sage“ in der 2. Auflage mit dem Dehmel-Sohnespflicht-Zitat.

1935 übersiedelt er nach Pendeln zwischen Paris und New York in die USA und arbeitet als Therapeut und als Lehrer.

Anaïs Nin „entdeckt“ Rank 1933. Bei ihr „ist Rank vor allem ein unattraktiver, im Grunde lebensuntauglicher Intellektueller, der Nin verfallen ist und der an der Trennung nach drei Monaten fast zerbricht“ (siehe Kanz-Quelle). Bei E. James Liebermann, der die Rank-Biographie geschrieben hat, „entsteht das Bild eines großen, bis heute zu Unrecht verkannten Denkers, der die Theorien der Psychoanalyse vor allem um die Gedanken zur Kunst und zu der schöpferischen Produktivität des Künstlers bereicherte und auf das Geburtstrauma sowie die zentrale Funktion der Mutter bei der Neurosenbildung aufmerksam gemacht hat“.

Vielleicht war er beides. Vielleicht kann man beides gleichzeitig sein.

Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn Sie bis hierher durchgehalten haben, dann lohnt es sich für Sie auch alle drei Quellen in der unten aufgeführten Reihenfolge zu lesen.

Rank-Quellen:
Otto Rank – vergessener Pionier der Psychoanalyse“ von Marina Leitner
Der Internationale Psychoanalytische Verlag„ von Norbert Illetschko (PDF)
Wie Anaïs Nin Dr. Otto Rank das Tanzen lehrte und Lou Andreas-Salomé Freud vervollkommnete. Schriftstellerinnen zwischen Seelentauchern und Tiefenpsychologen“ von Christine Kanz

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