Margarete Schütte-Lihotzky (Teil 1) – Wiener Küche

Frankfurter KuecheJa, zugegeben, korrekt ist das nicht. Diese Küche ist die „Frankfurter Küche“. Und doch auch ein wenig Wiener Küche.

Margarete Schütte-Lihotzky, die Schöpferin dieser Küche, wurde in Wien geboren und starb in Wien (1897 – 2000). Obwohl sie auch in Frankfurt am Main, Moskau, Istanbul und Sofia lebte, hat sie doch mehr als 80 Jahre in Wien verbracht und liebte Wien. Ihr Weg zur Architektin begann in Wien an der K.K. Kunstgewerbeschule. Als erste Frau in Österreich schließt sie ein Architekturstudium ab. Nach dem Studium arbeitet sie in Wien für Siedlungsgenossenschaften und -verbände. Für die Häuser wurden auch Kochnischen- und Spülkücheneinrichtungen geplant. Ein solcher Küchen-Entwurf von ihr bekam in der 4. Wiener Kleingartenausstellung im Rathaus die bronzene Medaille der Stadt Wien. Eine Wiener „Wurzel“ der „Frankfurter Küche“.

1926 wird sie nach Frankfurt an das Hochbauamt von Ernst May berufen. Er hat sie in Wien kennen- und ihre Arbeit schätzen gelernt. Es gibt dazu eine wunderbare Anekdote, die wohl kaum so leicht ein zweites Mal vorkommen wird. May fragt sie, was für ein Gehalt sie haben möchte. Als sie den Betrag nennt, verdoppelt er ihr Gehalt.
In Frankfurt beschäftigte sich Schütte-Lihotzky damit Hausarbeit zu rationalisieren und dies im Wohnungsbau umzusetzen. Für die „Frankfurter Küche“ analysiert sie streng rational die zu verrichtenden Arbeiten auf maximale Schritt- und Griffersparnis. In 6,5 Quadratmetern und mit Einbaumöbeln wird dies erreicht. Dabei bestimmt sie auch, die Höhe der Arbeitsplatten entsprechend der Größe der Frauen. Sie selbst war immer berufstätig und hat fast nie gekocht. Und so ging sie davon aus der werktätigen Frau, mit wenig Zeit für die Küche, die Arbeit zu erleichtern.

Heute ist diese „Frankfurter Küche“ eine Wiener Küche. Wie das? Der Nachlass von Schütte-Lihotzky und ihr Archiv befinden sich in der Universität für angewandte Kunst Wien. 2007 wurden dort zwei Modelle der unterschiedlichen Varianten der „Frankfurter Küche“ gebaut. Unglaublich detailliert, vom höhenverstellbaren Drehhocker über das Bügelbrett zum Herunterklappen, den Vorratsschrank mit Aluminiumschütten bis zu den Sockeln unter den Schränken, die einfaches Saubermachen ermöglichen. Diese Küchen kann man zur Zeit im Architekturmuseum besichtigen (Foto).

Schütte-Lihotzky-Quellen:
Erläuterungen von Monika Platzer, Karin Zogmayer, Patrick Werkner, Franz Hnizdo im a_schaufenster 03: „Die Frankfurter Küche“ vom 25.07.07 im Architekturmuseum

Als Lihotzky 1930 mit ihrem Mann nach Moskau geht, bedingt sie sich aus „keine Küchen mehr“. Es lohnt sich ihren beeindruckenden Lebenslauf zu lesen, um zu sehen, wie viel mehr sie geleistet hat als Küchen zu entwickeln. -> Fortsetzung

Biographie
Architektenlexikon

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