Paul Kammerer – Serialität

PraterhauptalleeKammerer-Porträts könnte ich in die Kategorien Naturwissenschaften, Musik, Bildung und Liebe hängen. Er war eine der vielen interessanten Wiener „hybriden“ Persönlichkeiten.

Paul Kammerer (1880 – 1926) studierte Zoologie und arbeitete in der Biologischen Versuchsanstalt, dem ehemaligen Vivarium, an der Prater Hauptallee (Foto der Allee, das Gebäude existiert nicht mehr). Er wurde berühmt weil er sich in seiner Arbeit mit den Darwinschen Lehren auseinander setzte und versuchte Hypothesen von Lamarck zu beweisen. In jahrelangen Tierversuchen u.a. mit Salamandern und Geburtshelferkröten. Zum Verhängnis wurde ihm ein bis heute umstrittener Fälschungsvorwurf an den Tieren. Hat Kammerer Forschungserfolge gefälscht? Oder haben ihm missgünstige Kollegen die Fälschung unter geschoben? Kammerer sah nicht die Möglichkeit oder konnte sich nicht vom Verdacht befreien und beging Selbstmord.

Er beschäftigte sich auch mit Musiktheorie und komponierte selbst. Sein großes Interesse an Musik ließ ihn Mahler fragen, ob er ihn nicht als Sekretär und Notenkopist haben wolle.
Und wo Mahler ist, kommt Alma Mahler ins Spiel, der Kammerer sehr zugetan war. Vorträge, Veröffentlichungen, Freimaurerei, Freundschaften mit berühmten Zeitgenossen und Liebesaffären – Kammerer liebte das Leben in der Öffentlichkeit.

1926 erhielt er eine Einladung nach Moskau, wo ihm beste Arbeitsbedingungen versichert wurden. Aber kurz bevor er diesem Ruf an die Akademie der Wissenschaften folgen konnte, machte der Fälschungsvorwurf den Weg in ein neues Leben unmöglich. Und er erschoss sich in der Nähe vom Schneeberg.
Kammerer „kam“ trotzdem nach Moskau. Mit seinen Lehren auf denen sich Vererbungs-Dogmen in Rußland gründeten.

Ein intensives Leben!

Ich bin auf Kammerer aufmerksam geworden wegen seines Gesetzes der Serie. Als „Anhängerin“ von C.G. Jungs Gedanken zur Synchronizität interessieren mich Kammerers Theorien zu und Sammlungen von Serien. Diese seltsamen Wiederholungen (Zahlen, Namen, Geschehnisse,…) im Alltag, der „seriale“ Ereignisstrom.
Zwar grenzt Jung die Synchronizität zur Serialität ab. Jungs Überlegungen sind wesentlich komplexer. Aber ich freue mich daran, das Wien offenbar ein guter Ort für diese Themen ist.

Auf meinen Wien-Expeditionen entdecke ich Wien immer auf neue Weise. Und dann lese ich ein Rumi-Zitat: „When an ear grows sharper, it becomes an eye“, das perfekt dazu passt. Neugierig geworden suche ich nach Rumi im Internet. Und sehe in der Wiener (!) Rathauskorrespondenz, das es zu Rumi einen Film im Schikaneder-Kino gibt.

Kammerer-Quellen:
Im serialen Ereignisstrom“ (PDF)
Auferstehung des Krötenzüchters
Synchronizität

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