„Die Kennworte des Wieners: Wie komm denn i dazu? Es zahlt sich ja net aus! Tun S’ Ihnen nix an!“ (Arthur Schnitzler)
So sehr ich Wien liebe, das hier zu zeigen versuche und viele liebe Wiener und viele liebe Wienerinnen kenne, manchmal stellen einen einige Einwohner auf die Probe. Selbst unerschütterlicher Humor hilft bei solchen, manchmal etwas unhöflichen Begegnungen nicht immer. Was hilft dann?? Vielleicht eine Begegnung mit einem ausgeglichen charmanten schweigsamen Wiener. Von denen es immerhin so ca. 15.000 in der Stadt gibt. Quasi wartet freundliche Ansprache an jeder Wiener Ecke: „Gib meinem Hängen einen Sinn.“ „Tag und Nachtaktiv.“ „Bin für jeden Dreck zu haben.“ „Bitte Füttern.“ So kontaktfreudig begegnen einem seit einiger Zeit die Wiener Papierkörbe – hier Mistkübel genannt. Das sich die Wiener Abfallbeseitiger diese Idee ausgerechnet bei Berliner Papierkörben abgeschaut haben, ist ein lustiges Detail. Denn auch in Berlin kann es zu „unsanften“ Begegnungen mit Einheimischen kommen :-)
Trotzdem die Wiener Geschichte zeigt, es besteht immer Hoffnung, das Wiener Leben entwickelt und verändert sich:
„Die Beseitigung des Hauskehrrichtes oder Mülls erfolgte in früheren Zeiten auf höchst einfache Weise. Wie aus einer Kundmachung vom 14. November 1560 zu ersehen ist, wurde ‚das Hausmist und andre Unsauberkait’ auf offenen Plätzen einfach ausgeleert.“
Und heute – nur ein paar Jahrhunderte später – gibt es überall in Wien freundliche Mistkübel. Warum sollte sich nicht also auch die Wiener Mentalität ein bissel verändern können? Vielleicht in weniger als 450 Jahren?
Und vielleicht darf dann der Donauturm auch manchmal ein Fernsehturm sein.
Mehr Charme in Wien? -> „ Ein Hund – Meint es ernst“
Mistkübel-Quellen:
Schnitzler-Zitat aus der Sammlung von Detlef Ziehm
Wiener Müllgeschichte-Zitat aus „Entwicklung der Wiener Müllabfuhr“
Wiener „Aktion saubere Stadt„
Das 



Von 1882 bis 1917 wurde dort an der Alten Donau Natureis gewonnen. Dieses Eis war zur damaligen Zeit das einzige Kühlmittel für Gaststätten und Fleischhauer (Metzger). So genannte Eisschläger hackten das Eis aus der zugefrorenen Donau und flößten es zum Transport zu Eiskellern und Eisgruben. Was für eine Arbeit!
Zum „kalten Ruf“ dieser Wiener Gegend trug auch die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition bei. Am 30.8. 1873 entdeckte sie unter Leitung von Professor Julius von Payer und Karl Weyprecht eine Inselgruppe im Nördlichen Eismeer, die nördlichsten Inseln von Eurasien, und benannte sie nach Kaiser Franz Joseph I. Das animierte den heimatverbundenen Gastwirt Franz Magenstein, sein an der Alten Donau gegründetes Gasthaus „Zum Franz-Josefs-Land“ zu nennen. Weitere patriotische Gasthäuser folgen – „Zum Nordpol“, „Zum Nordlicht“. 1876 erhält das Gebiet zwischen Kagraner Brücke und Kaiserwasser den Namen „Franz Josefs Land“. Die Payer-Gasse (Foto) kündet davon.
Im kommenden Sommer feiert der Begriff Allergie seinen 102. Geburtstag. Vielleicht tummeln sich an diesem Tag die Pollen mal nicht so stark, weil das ein trauriger Tag für sie ist. Denn jemand hat ihre „Neben“wirkungen erahnt. Ein Wiener natürlich – wer sonst. In Wien natürlich – wo sonst. Clemens von Pirquet (1874 – 1929), ein Kinderarzt, begründete mit einem Kollegen die Lehre von den Allergien. Den Begriff erfand Pirquet. Er addierte die griechischen Worte anders & Tat. Wobei es da verschiedene Deutungen gibt. So auch: anders & Funktion, verändert & Aktion. Namensdeutungen hin oder her, eine allergische Reaktion ist eine allergische Reaktion. Wen sie trifft, dem gibt sie keine Kraft mehr zum Deuten. Den quält diese über & Reaktion seines Immunsystems auf eigentlich „harmlose“ Stoffe wie Pollen & Co.

