Mein Versuch, auf der Pecha Kucha Night am 8. Oktober 2009 im Rahmen der Vienna Design Week, zu „beweisen“: Wien ist zu Recht lebenswerteste Stadt der Welt 2009 geworden.
Mein Versuch, auf der Pecha Kucha Night am 8. Oktober 2009 im Rahmen der Vienna Design Week, zu „beweisen“: Wien ist zu Recht lebenswerteste Stadt der Welt 2009 geworden.
Vielleicht begann die komplexe Geschichte, die ich heute erzähle, mit der Donauregulierung. Dafür wurden u.a. Maschinen verwendet, die schon den Suez-Kanal gebaut haben. Den Schimmer einer Andeutung dafür findet man in den Löwen auf dem Nußdorfer Wehr [Sauer, 1996] und in überraschend komplexer Politik an diesem scheinbar harmlos, grünlich dunkel und träge wirkenden südlichen Donauarm. Der mehr Donau-Gefühl nach Wien bringt, als der Hauptteil der Donau. Der Kanal fließt an der Innenstadt vorbei; im Gegensatz zur Donau selbst, die ziemlich weit weg vom Stadtzentrum daherkommt. Den Rest des Beitrags lesen »
Jahreswechsel! Zeit für Bilanzen. Mit dem Jahr 2008 hängen in der Wiener Porträt Galerie 81 Porträts. Ein italienischer Rundgang wäre möglich, einer zum Thema Liebe in Wien oder einer zur Musik. Kaiser treten dabei nur im Hintergrund der Porträts auf. Küsse nur indirekt. Zum Jahreswechsel würdige ich nun Wiener Kaiser und Wiener Küsse.
Meine Zuneigung für Wien schließt Wiener Graffiti ein. Im Jahr 2008 waren meine Favoriten der fidele kleine Kaiser – zu finden auf einem Wiener Fußweg – und der Kuss – zu finden an einer Häuserwand in der Josefstadt.
Für den Kaiser hat die Künstlerin/der Künstler ausgelaufener Farbe eine Form gegeben. Vermutlich sind das oben Haare und keine Krone. Aber für mich ist er von Anfang an der kleine lebenslustige Kaiser. Sicher war Schluss mit lustig, wenn man die Krone des Kaisertums Österreich aufsetzte. Zu sehen ist diese Ehre oder Bürde im Kunsthistorischen Museum Wiens. Den Rest des Beitrags lesen »
Mit Božena Němcová (1820 – 1862) könnte man erwachsen werden. Zuerst bekommt man eines der prachtvoll illustrierten Bücher ihrer Märchen zu Weihnachten geschenkt. Dann sieht man den Film „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ nach ihrer Version dieses Märchen-Klassikers. Nun erreicht man an eine Weggabelung. Entscheidet sich, ihr Hauptwerk „Die Großmutter“ zu lesen und entflieht der Gegenwart in eine „idealisierte, poetisch ausgeschmückte“ Vergangenheit mit einem „Idealbild mütterlicher Fürsorge“. [1] Oder besucht die Taufkirche der Němcová in Wien – die Alserkirche (Foto). Ein wiewohl historischer Ort, 1827 wird hier der Leichnam Beethovens eingesegnet, doch heute ein etwas ungemütlicher Ort an einer sehr lauten Straße Wiens. Oder spürt ihrem Schicksal nach in dem Film „Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern“. „Sie wird gesehen in einer Reihe mit Virgina Woolf, Sylvia Plath, Frida Kahlo, Birigitte Reimann: Frauen, die alles wollten – Familie, Selbstverwirklichung, freie Liebe – und die allesamt bereit waren, einen hohen Preis dafür zu zahlen.“ [2] Den Rest des Beitrags lesen »
Still wird es in Wien vielleicht nur während einer Sonnenfinsternis. Es gab aber auch einmal eine Zeit, in der in Wien ein stilles Auto erfunden wurde – der „Lohner-Porsche“(1900). Zwei österreichische Automobil-Pioniere trafen damals aufeinander, ehe sie wieder getrennte Bahnen fuhren.
Ludwig Lohner (1858 – 1925) wurde in eine Autofamilie geboren. Sein Großvater Heinrich hatte 1821 die Idee eine Firma zu gründen, die Lohnerwerke in Wieden, in der alle Gewerke des „Wagenbaues (Wagner, Schlosser, Schmied, Riemer, Sattler, Posamentierer, Plattiere, Glaser) zusammengefasst“ wurden. [1] Der Vater von Ludwig baute unter anderem Ambulanzwagen für die „Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft“. Ludwig selbst begann gleich nach seinem Studium mit der Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren. Den Rest des Beitrags lesen »
Auf meinen Wanderungen durch Wien gerate ich oft in eine Art Entdecker-Flow und vergesse dabei welch gefährliches Pflaster diese Stadt ist. Hundstrümmerl! Nicht ohne Grund werden hier die allgegenwärtigen Hundehaufen mit so einem dramatischen Namen bezeichnet. Frau/Mann kann sich an diesen vielen Trümmerln leicht den Fuß brechen. Entweder beim Ausweichen oder beim Reinstürzen. Damit nicht der Ruf von Wien ruiniert wird, gibt es Schutzengel. Zweibeinige, wie zwei Straßenkehrer, die sich mir einmal sportlich in den Weg warfen, als ich in Architekturverzückung geraten, beinahe Trümmerln übersehen hätte.
Weil die Stadt nicht überall zweibeinige Retter postieren kann, setzt sie auch vierbeinige ein. Seit Oktober 2006 versuchte ein anonymer Jack-Russel-Terrier auf kumpelhafte Weise Hundehalter zu besserem Benehmen zu bekehren (siehe Foto oben). Viele Tausend dieser Wiesenstecker wurden inzwischen geklaut. Protestler? Fans des Terriers? Wien-Souvenir-Jäger?
Wie auch immer, der Terrier hat seine Chefin besucht, die Umweltstadträtin Ulli Sima, und ihr ans Herz gelegt, es ernster anzugehen. Seit Anfang der Woche ist sein kumpelhafter Ton Vergangenheit. Jetzt heißt es:“Sind Dir 36 Euro Wurst?“. Was wird passieren? Der anonyme Terrier bekommt neue Fans – die Polizeihunde. Die Tierärzte werden von Hunden gestürmt, denen die Angst vor der Bestrafung ihrer Frauchen & Herrchen auf den Darm geschlagen ist. Die Wiener Hundebesitzer ändern sich?
Im kommenden Sommer feiert der Begriff Allergie seinen 102. Geburtstag. Vielleicht tummeln sich an diesem Tag die Pollen mal nicht so stark, weil das ein trauriger Tag für sie ist. Denn jemand hat ihre „Neben“wirkungen erahnt. Ein Wiener natürlich – wer sonst. In Wien natürlich – wo sonst. Clemens von Pirquet (1874 – 1929), ein Kinderarzt, begründete mit einem Kollegen die Lehre von den Allergien. Den Begriff erfand Pirquet. Er addierte die griechischen Worte anders & Tat. Wobei es da verschiedene Deutungen gibt. So auch: anders & Funktion, verändert & Aktion. Namensdeutungen hin oder her, eine allergische Reaktion ist eine allergische Reaktion. Wen sie trifft, dem gibt sie keine Kraft mehr zum Deuten. Den quält diese über & Reaktion seines Immunsystems auf eigentlich „harmlose“ Stoffe wie Pollen & Co.
Pirquet arbeitete als Kinderarzt im Wiener St.-Anna-Kinderspital; bei der Behandlung von an Diphterie erkrankten Kindern verwunderten ihn die Nebenwirkungen der Impfungen. So waren seine Untersuchen und die Allergie-Definition zu Beginn erst auf die so genannte Serumkrankheit bezogen. Den Namen Allergie veröffentlichte er zum ersten Mal in gedruckter Form in der „Münchner Medizinischen Wochenschrift“ vom 24. Juli 1906.
Pirquet war allerdings schon damals klar, das nicht nur diese Impfreaktionen allergische Reaktionen waren, sondern das es noch ein viel breiteres Spektrum an Allergien geben würde. Und so konnte die Berliner Charité den 100. Geburtstag des Wortes Allergie mit einer reichhaltigen Ausstellung begehen, die von der ersten bekannten Symptomen einer Katzenhaarallergie um 1570 bis zu düsteren Prognosen für die allergische Zukunft des Menschen in den Industrieländern reichte. [2] Den Rest des Beitrags lesen »