Wien – Lebenswerteste Stadt der Welt 2009 – Ein Beweis (2)

Mein Versuch, auf der Pecha Kucha Night am 8. Oktober 2009 im Rahmen der Vienna Design Week, zu „beweisen“: Wien ist zu Recht lebenswerteste Stadt der Welt 2009 geworden.

Josef Hlávka – Kein Opernball

Kein Opernball hört sich nach Prophezeiung für ein schwieriges 2010 an. Allerdings fürchte ich, Opernball ist immer und wird immer sein. Denkt man an die Wiener Oper, denkt man zuerst an diesen Ball. Danach vielleicht noch daran, wer hier schon alles gesungen, dirigiert oder regiert hat. Es gibt aber auch außerhalb des Ballgeschehens und außerhalb der Bühne interessante – schöne & tragische – Geschichten und eine solche möchte ich heute erzählen.

Es war einmal ein noch sehr junger Mann. Er war fleißig und intelligent. Er war noch nicht einmal 30 Jahre alt als er eine Hofoper bauen darf. Eine glückliche Geschichte? Hören Sie selbst. Den Rest des Beitrags lesen »

Der Donaukanal – Strom der Geschichte(n)

Vielleicht begann die komplexe Geschichte, die ich heute erzähle, mit der Donauregulierung. Dafür wurden u.a. Maschinen verwendet, die schon den Suez-Kanal gebaut haben. Den Schimmer einer Andeutung dafür findet man in den Löwen auf dem Nußdorfer Wehr [Sauer, 1996] und in überraschend komplexer Politik an diesem scheinbar harmlos, grünlich dunkel und träge wirkenden südlichen Donauarm. Der mehr Donau-Gefühl nach Wien bringt, als der Hauptteil der Donau. Der Kanal fließt an der Innenstadt vorbei; im Gegensatz zur Donau selbst, die ziemlich weit weg vom Stadtzentrum daherkommt. Den Rest des Beitrags lesen »

Wiener Bank-Verein – Director’s Cut und mehr

Der Wiener Bank-Verein, 1869 gegründet, ist in diversen Wandlungen zur Bank Austria geworden. Erhalten blieb das beeindruckende Wiener Bank-Vereinsgebäude am Schottenring (Schottengasse 6-8). Beeindruckend, weil große Teile der ursprünglichen Innenarchitektur erhalten sind und so Geschichte betreten werden kann. Nicht nur Geschichte, sondern auch eine Wunderkammer aus Geschichten. Treten Sie ein, lassen Sie sich überraschen von Legosteinen aus dem Jahr 1912, von 15.000 Safes, dem „Director’s Cut“ und einer Bank, die steuerliche Herausforderungen zu meistern versucht.

1908 lud das Direktorium des Bank-Vereins vier Architekten zu einem Wettbewerb für ihr Bankgebäude ein. Die beteiligten Architekten Ernst von Gotthilf-Miskolczy und Alexander Neumann gewannen die Arbeit für sich. Hier beginnt bereits die erste verblüffende Geschichte. Die Bauherrn bezahlten den beiden Architekten eine Studienreise, um rund 40 Banken in Europa zu besuchen und sich mit deren herausragender Architektur und neuer Technik vertraut zu machen. Welcher Bauherr finanziert heute noch so etwas?! Dafür wurde der Wiener Bank-Verein mit einer Bank belohnt, die sehr gut aussieht und für die damalige Zeit viele technische Neuerungen besaß. Bereits Lego-Steine wurden vorausgedacht, die ja erst 37 Jahre nach Eröffnung der Bank auf den Markt kamen, siehe mein Foto oben aus der Kassenhalle :-) Den Rest des Beitrags lesen »

Abschiede – Wo, wenn nicht in Wien, Teil 2

„Sag’ beim Abschied leise Wien“ hieß es für die Künstlerin Carmen Brucic am letzten Freitag und Samstag im Burgtheater, als sie mit dem Kongress „Symmetrien des Abschieds“ ihre Serie künstlerischer Projekte zur liebeskranken Gesellschaft beendete.
Ich habe an beiden Abenden mit geholfen, den Wienern und Ihren Gästen mögliche Symmetrien des Abschieds nahe zu bringen. Nicht ganz uneigennützig, wollte ich doch so wieder einmal mehr über die Wiener Seele lernen. Was mir einerseits gelungen ist, mich andererseits – wie immer – ein wenig ratlos zurück lässt. Vielleicht sollte ich Abschied nehmen von der Vorstellung, die Wiener je ganz verstehen zu können? Diesem Loslassen würde ganz sicher ein Aufbruch zu neuen Wiener Überraschungen folgen. Bevor wir jedoch beim Aufbruch ankommen, möchte ich noch einmal durch alle vier Abschieds-Symmetrie-Phasen der Abende wandern, so wie ich sie erlebt habe.

Lebewohls

Am Wienerischsten an den Abenden war sicher das Lebewohl des Kaisers. Die Installation „Anleitung zur Erschießung eines Kaisers“ von Carmen Brucic zeigt den letzten Abschnitt des Schicksals des jüngeren Bruders – Maximilian – von Kaiser Franz Joseph, der 1867 in Mexiko erschossen wird. Die Installation beruht auf dem Roman „Notizen aus dem Imperium“ von Fernando del Pasos, in dem der Kaiser bis einschließlich seiner Unterhose die Modalitäten seiner Erschießung klärt. Wienerischer geht es nicht mehr. Den Rest des Beitrags lesen »

Tina Blau – Von den Frauen kommt das Licht

Der Schnee ist geschmolzen und Regenstürme ziehen über Wien. Da wächst die Sehnsucht nach Licht – nach einem Frühling im Prater. So wie ihn die Malerin Tina Blau (1845 – 1916) in ihrem berühmtesten Gemälde „Frühling im Prater“ (1882) zeigt. Mit dieser Sehnsucht im Kopf nach der wunderbaren Prater-Landschaft an einem hellen Frühlingstag, verblüfft die Empörung, die Blaus Sonnenlicht in der Landschaftsmalerei damals in Österreich hervorrief. „Man empfand die Helligkeit des Bildes geradezu als rücksichtslos – so dürfe man Natur nicht malen.“ [1] Doch Tina Blau ging unbeirrt ihren Weg, Landschaften mit dem Pinsel so zu entdecken, wie sie sah. Das Prater-Gemälde findet Förderer – Hans Makart und Kaiser Franz Joseph. Der Kaiser kauft das Bild als es nach vielen Ausstellungen zurück nach Wien kommt. Und bis der Frühling wirklich Lust auf ein Essen auf der Terrasse des Lusthauses und auf einen Spaziergang zur Kapelle im Prater macht, kann man im Trockenen und im Warmen in der Galerie im Belvedere vor dem Bild davon träumen. Den Rest des Beitrags lesen »

Abschiede – Wo, wenn nicht in Wien, Teil 1

So sehr ich Wien liebe, ganz werde ich es leider nie verstehen können. Es gibt da immer einen Rest, der den Zugereisten verborgen und damit unverständlich bleibt. Mögen diese Zugereisten auch ab & an melancholisch sein oder romantisch oder sogar langsamer geworden sein. Trotzdem – sie werden nie vollständige Wiener sein.

Gerade das Thema Abschied ist in Wien einerseits verständlich: so viele Menschen kamen und kommen durch diese Stadt, so viele Abschiede sind mit Wien verbunden. Andererseits verwirren Wiener Abschiedsäußerungen auch:
„Heitere Resignation – es gibt nichts Schöneres.“ (Marie von Ebner-Eschenbach) „Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.“ (Arthur Schnitzler) Den Rest des Beitrags lesen »