Für vieles wird Wien geschätzt – zu Recht :-) Das Wien auch ein Ort bahnbrechender Medizingeschichte ist, wird vermutlich nicht so oft erwähnt. Deshalb habe ich hier Johann Gottfried Bremser, Lorenz Böhler, Karl Landsteiner, Jaromir Mundy und Clemens Freiherr von Pirquet vorgestellt. Und widme mich heute Leopold Auenbrugger (1722 – 1809) dem Entwickler und Joseph Skoda (1805 – 1881) dem „Vollender“ der Perkussion.
Auenbrugger entwickelte 1761 die Perkussion in Wien, das Abklopfen der Brustkorbes zu diagnostischen Zwecken. Ein Glück für Patienten, aber keines für den Arzt. „Die Bedeutung seiner revolutionären Diagnosetechnik wurde zuerst im Ausland erkannt, bevor sie erst mehrere Jahrzehnte später auch hierzulande zu einer etablierten Methode werden durfte.“ (Regal, Nanut, 2003)
Auenbruggers Vater in Graz war Gastwirt und so wird erzählt, dass Auenbrugger den Füllstand der Weinfässer durch Klopfen einschätzen konnte. Als Arzt am Spanischen Spital in Wien studierte er sieben Jahre lang die Patienten und versuchte „durch Beklopfen des Brustkorbes krankhafte Veränderungen zu erkennen“. Wir wären nicht in Wien, wenn damit die Versuche endeten. Auenbrugger überprüfte seine Erkenntnisse auch an Leichen: „Er spritzte in die Brusthöhle der Leichen Flüssigkeit und bestimmte die mit dem Flüssigkeitsspiegel wechselnden Schallqualitäten, ehe er mit seiner neuen Methode an die Öffentlichkeit trat.“ Er verfasste ein kleines Buch, das bis heute unverändert gültige Prinzipien des Brustkorb-Abklopfens enthält: „Inventum novum. Neue Erfindung, mittels des Anschlagens an den Brustkorb, als eines Zeichens, verborgene Brustkrankheiten zu entdecken“. Tragischerweise griffen die hiesigen Medizingrößen damals diese Erkenntnis nicht auf. Erst ein Jahr vor dem Tod des Arztes erfuhr er Annerkennung vom Leibarzt Napoleons, Jean Nicolas Corvisart. Dessen Übersetzung und Ergänzung des “Inventum novum” ins Französische „machten Paris in der Folge zum Zentrum der physikalischen Krankenuntersuchung“. Medizinische Erfindungen, wie die des Stethoskops trugen dazu bei. (Regal, Nanut, 2003) Den Rest des Beitrags lesen »
Im kommenden Sommer feiert der Begriff Allergie seinen 102. Geburtstag. Vielleicht tummeln sich an diesem Tag die Pollen mal nicht so stark, weil das ein trauriger Tag für sie ist. Denn jemand hat ihre „Neben“wirkungen erahnt. Ein Wiener natürlich – wer sonst. In Wien natürlich – wo sonst. Clemens von Pirquet (1874 – 1929), ein Kinderarzt, begründete mit einem Kollegen die Lehre von den Allergien. Den Begriff erfand Pirquet. Er addierte die griechischen Worte anders & Tat. Wobei es da verschiedene Deutungen gibt. So auch: anders & Funktion, verändert & Aktion. Namensdeutungen hin oder her, eine allergische Reaktion ist eine allergische Reaktion. Wen sie trifft, dem gibt sie keine Kraft mehr zum Deuten. Den quält diese über & Reaktion seines Immunsystems auf eigentlich „harmlose“ Stoffe wie Pollen & Co.
Was ist Ihnen wichtiger? Eine für Sie passende Bluttransfusion oder Ihr Seelenheil? Zugegeben, keine faire Frage. Sicher hätten Sie gern beides – wenn benötigt die richtige Bluttransfusion und eine ausbalancierte Seele. Genau deshalb gebührt Karl Landsteiner (1868 – 1943) mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit wie Sigmund Freud. Denn Karl Landsteiner entdeckte 1901 in Wien die Blutgruppen A, B und 0 und ermöglichte damit die Rettung vieler Leben durch Bluttransfusionen.
Wer ist der bedauernswerte Mann, dem an einem der verkehrsumtostesten Plätze Wiens ein Denkmal gesetzt wurde? Das habe ich mich schon oft auf dem Weg zum Flughafen gefragt. Am Donaukanal, nahe der Urania und dem Stubenring.