Meine nächste Foto-Ausstellung

 

Wien: Es waren einmal 264 japanische Netsuke…

…die lebten in Wien an recht zentraler Stelle – am Schottentor – in einem großen Palais. Sie lebten hier von 1899-1938. Das Datum zeigt es, diese Geschichte nimmt kein happy end. Am 21. Mai 1938 müssen die Besitzer der Netsuke Wien verlassen – ohne ihre Kunstgegenstände.
Ein ganz kleines gutes Ende findet die Geschichte – die Netsuke werden gerettet.

Mein letztes Porträt hier habe ich begonnen mit: „Für vieles wird Wien geschätzt – zu Recht.“ Der Erbe der Netsuke und Autor des in diesem Porträt vorgestellten ungewöhnlichen Wien-Buches hat eine kritischere und traurigere Sicht auf Wien. Damit ist das Kapitel über Wien im Buch „The Hare With Amber Eyes – A Hidden Inheritance“ keine leichte Lektüre. Und doch ist es ein Kapitel Wiens.

Ich hatte mir dieses Buch gekauft, weil ich schon immer für die Netsuke geschwärmt habe. Diese „kleinen geschnitzte Figuren aus Japan … dienten zur Befestigung des Inrō, einer flachen, kleinen, mehrteiligen Lackholzdose am taschenlosen Kimono mithilfe eines Obi. Netsuke bestehen aus vielfältigen Materialien, wie beispielsweise Buchsbaum, Ebenholz, Bambus, Horn, Elfenbein oder Nüssen.“ (wikipedia)
Sie zeigen Menschen, Tiere, Gegenstände – Szenen des täglichen Lebens. Wunderbare Kunst die aus intensiver Konzentration entsteht. Einen kleinen Überblick gibt die virtuelle Sammlung des Autors.
Erst beim Blättern vor dem Lesen stieß ich auf Wien und das Palais Ephrussi – eine der Heimaten der 264 Netsuke.

Das Palais Ephrussi ist ein Gebäude an dem wohl jeder Wiener mehrfach im Monat vorbeikommt, weil es an einem innerstädtischen Verkehrknoten liegt. Dabei selten ein wahrgenommenes Gebäude, weil Verkehr und eigenen Ziele alle Aufmerksamkeit gefangen nehmen. Ein Gebäude als Symbol für viele Aspekte Wiener Geschichte. Gebaut 1872/73 vom berühmten Wiener „Ringstrassen-Architekt“ des 19. Jahrhunderts, Theophil von Hansen, für den aus Odessa stammenden Bankier Ignaz von Ephrussi. Ignaz ist einer der zwei Söhne der Ephrussi-Familie, die 1857 von Odessa aus in die Welt gesandt werden. Sein Bruder Leon geht nach Paris. Dessen Sohn Charles beginnt in Paris Netsuke zu sammeln. Charles Ephrussi lässt sich leicht charakterisieren: er ist das Vorbild für Swann in Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

Die Netsuke, die Charles damals im Salon in Paris berühmten Größen der Pariser Kunstszene zeigte, reisen als Hochzeitsgeschenk für den jüngsten Sohn von Ignaz –Viktor – im März 1899 nach Wien: geliebt und genutzt mehr von den vier Kindern der Familie als von ihren Eltern. Im Buch entfaltet sich ausführlich die Familiengeschichte innerhalb einer Wiener Zeitgeschichte, die immer feindlicher für jüdische Menschen wird. So kommt der Tag an dem Viktor und seine Frau das Palais verlassen müssen. Ihre Kinder sind bereits in Sicherheit. Viktors Frau wird dies nicht mehr gelingen.

Das ganz kleine gute Ende der Geschichte ereignet sich im Dezember 1945 als die älteste Tochter von Viktor – die Großmutter des Autors – nach Wien kommt und dort völlig überraschend vom Dienstmädchen Anna die von ihr geretteten Netsuke erhält:
„…With Anna sleeping on them , the netsuke are looked after with more respect than anyone has ever shown them. She has survived the hunger and the looting, and the fires and the Russian invasion.
… ‘A netsuke must be devised so as not to be a nuisance to the user’ says a guide.
… Each one of these netsuke for Anna is resistance to the sapping of memory. Each one carried out is resistance against the news, a story recalled, a future held on to. …” (de Waal, 2011)

Abbildung: Palais Ephrussi, Ausschnitt eines Fotos von Erich Schmid auf Wikimedia Commons

Mehr über Edmund de Waal, Pläne des Palais und das Palais heute…

Edmund De Waal
The Hare With Amber Eyes – A Hidden Inheritance
Paperback, 368 pages
Vintage (27 Jan 2011)
ISBN-10: 0099539551
ISBN-13: 978-0099539551

Piefke – Kulturgeschichte einer Beschimpfung

Porträt & Rezension

Sechs Jahre lebe ich in Wien. Glücklich, weil Wien der perfekte Platz für mich ist.
Fast glücklich, denn da ist noch der Umstand, dass ich nicht nur Annette Hexelschneider bin, sondern auch ein Piefke.

Was ist ein Piefke? Einerseits ein preußischer Militärmusiker und Komponist und andererseits eine österreichische „Bezeichnung“ für Deutsche. Zwar ist letzteres bekannt und ersteres vielleicht auch ein wenig, aber was steckt genau dahinter?

Dem Autor Hubertus Godeysen ist es zu verdanken, das der Leser bei der Lektüre des von ihm verfassten Piefke-Buches die Geschichte des Musikers und die Geschichte der „Bezeichnung“ mit ihren unglaublich vielen Facetten kennenlernt. Den Rest des Beitrags lesen »

Wiener Neustädter Kanal – Auf dem Weg nach Triest…

… kam der Kanal nur bis Wiener Neustadt. Zwar gibt es in der Literatur immer mal wieder Diskussionen, ob der Kanal wirklich von Wien bis an die Adria führen sollte. Aber wie stellt das Land Niederösterreich in seinem Rechnungshof-Bericht 6/2003 fest: “Der Wr. Neustädter Kanal wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Frachtverkehrsverbindung von Wien an die Adria geplant; anfangs des 19. Jahrhunderts konnte der Kanal zwischen Wr. Neustadt und Wien in Betrieb genommen werden. Danach folgte eine wechselvolle Geschichte, die auch eine Änderung der Nutzungsart zur Folge hatte.”

Die Geburtstunde des Kanals schlug 1803. Er verband Wiener Neustadt mit Wien auf einer Länge von 58 km. 45 Schleusen halfen, 103 m Höhenunterschied zu überwinden. Auf dem Kanal sollte Kohle und Holz nach Wien transportiert werden. Gedacht waren auch „Truppen- und Munitionstransporte zu den stets bedrohten habsburgischen Provinzen in Italien“ (Hödl, 2009) Am Ufer, auf einem Treppelweg zogen Pferde die Lastkähne.
Das Ziel Adria war leider technisch & finanziell nicht zu erreichen. Zwar wurde der Kanal 1810 bis an die damalige ungarische Grenze verlängert, aber dies war sein geographisches Ende. Ohnehin war der Weg dahin technisch sehr mühsam und von jeder Menge Problemen aller Art begleitet.
Schade, denn “allein die Idee, per Boot vom Bereich Stubentor/Landstraße – dem ursprünglichen Wiener Verladehafen des Kanals – bis nach Triest zu fahren, ist auch heute noch ein faszinierender Gedanke.” (Hödl, 2009).

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Wiener Bloomsday – “… die Gasthausschilder sind essbar wie Schinken”

“Der Bloomsday ist ein alljährlich am 16. Juni feierlich begangener Gedenktag, der sich auf den Ulysses, das Hauptwerk des irischen Schriftstellers James Joyce, bezieht. Namensgeber ist die Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom.”

„Ich möchte ein Abbild von Dublin erschaffen, so vollständig, daß, wenn die Stadt eines Tages plötzlich vom Erdboden verschwände, sie aus meinem Buch heraus vollständig wieder aufgebaut werden könnte.“
– James Joyce

(Zitate aus Wikipedia)

Dieses Jahr habe ich mich am Wiener Bloomsday beteiligt.
Mit einem Abbild von Wiener Schmäh
„so vollständig, dass, wenn die Stadt eines Tages plötzlich vom Erdboden verschwände, sie aus“ diesen Schildern „heraus vollständig wieder aufgebaut werden könnte.“ ;-D

Mein Wiener Schilder-Schmäh-Abbild:

Die Kraft der Wiener Küche …
Würstelstand „Am Nordpol“. Döner Kebab Würstelinsel. Bierlagune. Gulaschoase zum Hormayer. Bieradies.
Heisse am Gürtel. Würstel-Salon. Bierschnabel. … hikxs. Kebab (mampf).
Hühnerparadies – Geflügel – Fisch –Imbiss. Bierfink.
Pan Appetit.
Mostlandl. K & K Hausmannskost. Kaffee Monarchie Konditorei. Letztes Wirtshaus „fur Daham“. Opernwurst Stad’l.
Das Ministerium für Pizza & Co. Evershine Pizza.
Zum alten Heller. 2-Euro-Bar. Gasthaus Pleitegeier.
Wiens Verspieltes Lokal – Brot & Spiele. Cafe Kultur. Wein & Wasser.
Cafe USW.
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16.6.2010 im 16. Wiener Bezirk – Bloomsday – Ulysses im Zeitalter von facebook & twitter

“Wien ist anders” und als Dublin sowieso. Was könnte ein Wiener “Ulysses” heute erzählen?
Ich würde mich freune, Sie bei einem kleinen Versuch (Fotos & Text) zu diesem Thema begrüßen zu dürfen.

Josef Kyselak – Graffiti made in Austria

Für mich ist Wien ein Graffiti-Paradies. Und damit Josef Kyselak – einer der Begründer der hiesigen Graffiti-Geschichte – mein Held :-)

Was sagt das Österreich-Lexikon aeiou über ihn?
„Kyselak, Josef, * 22. 12. 1799 Wien, † 17. 9. 1831 ebenda, Sonderling, Hofkammerbeamter in Wien. Machte sich dadurch bekannt, dass er in unstillbarer Manie auf schwer ersteigbare Felswände und auf weithin sichtbare Stellen seinen Namen malte.“

Ein Sonderling aus Wien also. Doch was für ein Sonderling: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ (Nietzsche) Und genau das konnte Kyselak und ist mir drum genauso lieb wie alle hier Porträtierten.
Ruhm und Unsterblichkeit suchte er und wettete darum, diesen Ruhm in der Monarchie zu erzielen, ohne dafür ein ungeheures Verbrechen oder eine neue Art von Selbstmord zu begehen. (von Wurzbach, 1856-91) Er wanderte los mit Farbtopf, Pinsel und Namens-Schablone, um seinen Namen in der Landschaft zu hinterlassen, der noch heute an einigen Stellen zu sehen ist. Dabei ließ er sich nicht schrecken durch schwierige unwegsame Passagen. 1825 gelangte er so nach Niederösterreich, die Steiermark, Bayern, Oberösterreich, Salzburg und das Berchtesgadener Land, Tirol/Südtirol, Kärnten. In seiner dazu veröffentlichten Reisebeschreibung schildert Kyselak „mehr als 120 Stationen und Begebenheiten“. (Kyselak-Projekt) Den Rest des Beitrags lesen »

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