In Wien erzählen viele Häuser die faszinierende Geschichte einer Stadt, die einst „Welten“ erzeugte und „Welten“ verband. Das Wittgenstein Haus im 3. Wiener Bezirk erzählt die Geschichte der Kinder des „österreichischen Krupps“ – Karl Wittgenstein – und der Welten dieser Kinder.
Karl Wittgenstein (1847 – 1913) wurde in Leipzig geboren, so wie Hanns Eisler. Er stammt auch aus einer jüdischen Familie, die einige Jahre nach seiner Geburt nach Österreich zog. Nach einer turbulenten Jugend (Weglaufen nach Amerika) kehrt er nach Wien zurück, studierte, wurde Ingenieur und begann eine wirtschaftlich ungeheuer erfolgreiche Karriere in der Eisen- und Stahl-Industrie. Er fördert großzügig Musiker, Maler, Bildhauer und Innen-/Architekten. Seinen neun Kindern ist er ein Vater ohne Liebe dafür mit viel Autorität und besonders bei den Jungen mit Demütigungen, die bei ihnen tiefe lebenslange Spuren hinterlassen. Drei seiner Söhne begehen (vermutlich) Selbstmord.
Über das Klima im Haus der Familie in der Alleegasse (heute Argentinierstraße) hat Johannes Brahms einmal gesagt „Hier geht es zu wie bei Hofe“. „Was er damit meinte glaubte Paul“, einer der Söhne, „zu erraten. Es ging nicht um das Personal, um die bis zu sechsundzwanzig Privatlehrer und –lehrerinnen, die Köchinnen, die livrierten Hausdiener und Kammerdiener, die Stubenmädchen und Gouvernanten. Brahms hatte bestimmt die geschliffenen Manieren gemeint, so perfekt geschliffen, dass sich jeder an denen des anderen schneiden musste. Brillant wurde seines Vaters Geschäftssinn und Witz genannt. Mit Brillianten lässt sich Glas ritzen.“ (Singer, 2008) Den Rest des Beitrags lesen »
Hollywood in Wien? Mit Hans Moser oder mit Paula Wessely? Eher nein, aber auf jeden Fall mit Michael Kertesz (Michael Curtiz), dem Regisseur von „Casablanca“ und mit Marlene Dietrich! Der Wiener Filmpionier Kolowrat-Krakowsky begründete den österreichischen Film und schuf in Wien-Sievering ein kleines österreichisches Hollywood.
Kein Opernball hört sich nach Prophezeiung für ein schwieriges 2010 an. Allerdings fürchte ich, Opernball ist immer und wird immer sein. Denkt man an die Wiener Oper, denkt man zuerst an diesen Ball. Danach vielleicht noch daran, wer hier schon alles gesungen, dirigiert oder regiert hat. Es gibt aber auch außerhalb des Ballgeschehens und außerhalb der Bühne interessante – schöne & tragische – Geschichten und eine solche möchte ich heute erzählen.
Sommerbeginn – Zeit für Liebeserklärungen!
1908 lud das Direktorium des Bank-Vereins vier Architekten zu einem Wettbewerb für ihr Bankgebäude ein. Die beteiligten Architekten Ernst von Gotthilf-Miskolczy und Alexander Neumann gewannen die Arbeit für sich. Hier beginnt bereits die erste verblüffende Geschichte. Die Bauherrn bezahlten den beiden Architekten eine Studienreise, um rund 40 Banken in Europa zu besuchen und sich mit deren herausragender Architektur und neuer Technik vertraut zu machen. Welcher Bauherr finanziert heute noch so etwas?! Dafür wurde der Wiener Bank-Verein mit einer Bank belohnt, die sehr gut aussieht und für die damalige Zeit viele technische Neuerungen besaß. Bereits Lego-Steine wurden vorausgedacht, die ja erst 37 Jahre nach Eröffnung der Bank auf den Markt kamen, siehe mein Foto oben aus der Kassenhalle :-) 
Anfang Februar 1885: „Das am 1. d. M. Veranstaltete zweite Schlitten-Wettfahren kann als wohlgelungen bezeichnet werden. Das Wetter war abermals prachtvoll, … und hatte sich diesmal das elegantere Publicum zahlreich eingefunden. Während des dritten Fahrens ereigneten sich zwei Zwischenfälle, die leicht einen recht üblen Verlauf hätten nehmen können, allein glücklicherweise dennoch ohne ernsthaftere Folgen blieben. Der eine bestand darin, daß einer der Fahrer, jedoch ohne sein Verschulden, zu Ende der ersten Tour des dritten Fahrens mit seinem Pferde so heftig an dasjenige eines berittenen Sicherheitswachmannes anrannte, daß das letztere bei Seite geschleudert wurde und sein Reiter sehr unsanft zu Falle kam. Er raffte sich indeß bald wieder auf und bestieg sein Thier. Der andere Zwischenfall war ein höchst eigenthümlicher. Als die Pferde eben im vollsten Laufe an der Tribüne vorübersausten, verlor eines derselben ein Hufeisen, welches einem der Zuseher mit solcher Wucht in das Gesicht flog, daß er eine n i c h t u n b e d e u t e n d e W u n d e an der Nase davontrug. Das Nasenbein war jedoch zum Glück nicht gebrochen, wie im ersten Augenblicke vermuthet wurde. Als die vierte Programm=Nummer, die Concurenz der Fiaker, an die Reihe kam, war die Bahn schon so zerfahren, daß unter den Hufen der Pferde nicht mehr Schnee, sondern eine breiige Masse von Wasser, Koth und Eis aufflog …“ [1] 

