Sommerbeginn – Zeit für Liebeserklärungen!
Ich wohne im 20. Bezirk. Zu meiner Wohnung gehört ein 52,5 ha großer Gemeinschaftsgarten. Er bietet mir und meinen MitbewohnerInnen alles was wir brauchen: beruhigendes Grün, viel Blick in den Wiener Himmel, Jogging-Strecken, ein Beachvolleyball-Feld, Platz für Boule, Bäume für Slackline und Hängematten, Sonnenbadewiesen, für die Kinder ein Freibad, Spielplätze und Sportplätze, für uns alle Kunst, Musik, Sommerkino und Essen & Trinken. Viel Platz! Weil ich keinen grünen Daumen habe, lasse ich den Gemeinschaftsgarten begärtnern auf das die „barocke Gestaltung des Bereichs an der Oberen Augartenstrasse (Parterre, Lindenhain, Schüsselwiesen), die waldartigen Boskettbereiche, die landschaftlichen Anlagen und die historisch formale Anlage“ [Bundesgärten] immer gut gedeihen. Denn ein 359 Jahre alter Garten braucht viel Pflege. Mir und allen anderen BewohnerInnen des 2. und 20. Bezirks „gehört“ der Augarten. Wir sind unter uns in unserem Gemeinschaftsgarten, denn Touristen verirren sich kaum in Wiens ältesten Barockgarten.
Das es echte Liebe ist, wissen Leserinnen und Leser dieses Blogs, denn oft taucht der Augarten in Porträts hier auf: in der “Sammlung von Aussichten der Residenzstadt Wien”, in der Literatur und in Geschichte und Kunst.
Der Augarten ist Geschichte und Kultur:
Der Garten „gehört zu den bedeutenden Grünanlagen Österreichs. Er wurde durch Kaiser Ferdinand III. im Jahr 1650 errichtet und 1712 im Auftrag von Kaiser Karl VI. durch Jean Trehet in seiner heutigen Form … gestaltet. 1775 wurde der Augarten durch Kaiser Joseph II. für die Bevölkerung geöffnet. Unter Joseph erlebte der Augarten auch seine Blütezeit und nahm einen schillernden Platz im gesellschaftlichen und kulturellen Leben Wiens ein. Mozart, Beethoven, Schubert, Strauß, Lanner u.a. wirkten als Komponisten oder Kapellmeister bei Konzerten im Augarten.“ Im Schloss im Augarten, seit 1923 Sitz der Porzellanmanufaktur Augarten, „dirigierte … unter anderem Wolfgang Amadeus Mozart die bekannten „Morgenkonzerte“. Am 24. Mai 1803 um 8 Uhr früh wurde unter der Leitung von Ludwig van Beethoven die Kreutzersonate op. 47 uraufgeführt.“ [kultur.park.augarten]
Im Joseph-Stöckl (ehemaliger Kaisersitz) „empfing Joseph … 1781 den Großfürsten von Russland, Zarewitsch Paul, und … 1782 Papst Pius VI. … Joseph II. führte also einen Teil seiner Amtsgeschäfte im Augarten durch, was bezeichnend für seine (für damalige Zeit) unkonventionelle Lebensweise ist. Aber nicht nur der Adel oder die Kirchenvertreter hatten Zutritt zum Kaiser, auch das einfache Volk konnte jederzeit in seinem Gartenschloss im Augarten vorsprechen.“ [kultur.park.augarten]
Im Augartenpalais, in dem oft „oft Künstlerabende stattfanden, bei denen unter anderem Franz Liszt, Hans Makart, Johann Strauß, Richard Wagner anwesend waren“, leben heute die Wiener Sängerknaben. [kultur.park.augarten] Um die Ecke befindet sich das Filmarchiv Austria, das neben seiner Arbeit mit dafür einzutreten versucht, dass sich die Sängerknaben nicht allzu weit(er) im Augarten ausbreiten .
„Das Augarten Contemporary (vorm. Atelier Augarten), Zentrum für zeitgenössische Kunst und Expositur des Belvedere“ logiert im „ehemaligen Atelier und Wohnhaus des Bildhauers Gustinus Ambrosi“ und „setzt sich aus einer … Ausstellungshalle für Gegenwartskunst, … einem Café und der Augarten-Residency, einer Artist-in-Residence-Wohnung, zusammen.“ [kultur.park.augarten]
Der Augarten ist Wasser für die Kinder:
„Die Kinderfreibäder waren ein neuer und bis dahin unbekannter Bädertyp und bildeten einen Eckpfeiler im Bäderkonzept des “Roten Wien”. Sie wurden auf Initiative Julius Tandlers als ein Mittel zur Vorbeugung gegen Lungenkrankheiten und Rachitis in Parkanlagen innerhalb des Stadtgebietes
angelegt und sollten den Großstadtjugendlichen im Alter von 6 bis 14 Jahren ohne gesellschaftlichen Unterschied eine unentgeltliche Bademöglichkeit verschaffen.“ [dasrotewien – Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie] Heute ist dieses Bad im Augarten ein Familienbad: „Familienbäder sind Kleinsommerbäder, deren Angebot sich hauptsächlich an Kinder richtet. Die geringe Wassertiefe schafft kindergerechtes Badevergnügen. Kinder vom Jahrgang 2009 bis 2003 dürfen nur in Begleitung eines aufsichtspflichtigen Erwachsenen ins Familienbad. Erwachsenen ohne Kinderbegleitung ist der Zutritt untersagt.“ [Webservice der Stadt Wien]
So vielfältig und liebenswert ist mein Gemeinschaftsgarten!
Danke an den Aktionsradius Wien, die Bundesgärten, die Burghauptmannschaft und das Filmarchiv!!
Augarten-Quellen:
[Bundesgärten] Augarten
[kultur.park.augarten] Büro Kultur.Park.Augarten.
[dasrotewien – Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie] Kinderfreibäder
[Webservice der Stadt Wien] Städtische Bäder – Familienbäder

1908 lud das Direktorium des Bank-Vereins vier Architekten zu einem Wettbewerb für ihr Bankgebäude ein. Die beteiligten Architekten Ernst von Gotthilf-Miskolczy und Alexander Neumann gewannen die Arbeit für sich. Hier beginnt bereits die erste verblüffende Geschichte. Die Bauherrn bezahlten den beiden Architekten eine Studienreise, um rund 40 Banken in Europa zu besuchen und sich mit deren herausragender Architektur und neuer Technik vertraut zu machen. Welcher Bauherr finanziert heute noch so etwas?! Dafür wurde der Wiener Bank-Verein mit einer Bank belohnt, die sehr gut aussieht und für die damalige Zeit viele technische Neuerungen besaß. Bereits Lego-Steine wurden vorausgedacht, die ja erst 37 Jahre nach Eröffnung der Bank auf den Markt kamen, siehe mein Foto oben aus der Kassenhalle :-)
Hanns Eisler?
Am Wienerischsten an den Abenden war sicher das Lebewohl des Kaisers. Die Installation „Anleitung zur Erschießung eines Kaisers“ von Carmen Brucic zeigt den letzten Abschnitt des Schicksals des jüngeren Bruders – Maximilian – von Kaiser Franz Joseph, der 1867 in Mexiko erschossen wird. Die Installation beruht auf dem Roman “Notizen aus dem Imperium” von Fernando del Pasos, in dem der Kaiser bis einschließlich seiner Unterhose die Modalitäten seiner Erschießung klärt. Wienerischer geht es nicht mehr. 



