Dieser Text ist mein Beitrag zum Tagebuchtag 2012.
Ich widme meinen Text Wien, der Stadt der Liebe und der MA 48, die dafür sorgt, dass sich Liebende in Wien auf sauberen Wiesen niederlassen können :-)
Ich danke der MA 48 für die freundliche Spende eines Hundesteckers für die Lesung und Ursula und Franz Pfeiffer für die interessante Ausstellung und den wunderbar reichhaltigen Abend.
Der dicke Dienstmann trug die dicke Dame und den dicken Dackel durch den dicken Dreck.
Wie lange ist das her mein Schatz? Als es noch Dienstmänner gab? Als ich noch kurviger war, Du auch? Ja, ich weiß, Du bist ein Jack-Russel-Terrier gewesen, mein Süßer, und kein Dackel.
Also, es war also einmal und ist nicht mehr ein süßer dicker Jack-Russel-Terrier.
Was mir blieb von meiner Zeit mit Dir ist ein Tagebuch und ein paar Dinge, die mich an Dich erinnern. Du warst ein echter Wiener Hund, mein lieber Walter. Ich möcht’ so sehr, dass Du einen Platz in der Wiener Geschichte findest. Noch einmal lese ich unser Tagebuch, noch einmal nehme ich Erinnerungen an Dich zur Hand, dann schenk’ ich alles dem Wien Museum. Vielleicht wirst Du, wird unsere Liebe einmal ausgestellt? Vielleicht zeigen Sie mal wieder ihre Ankäufe und Schenkungen in einer Sonderausstellung, so wirst Du es dann wiedersehen: das Wiener Licht. Das wäre absolut Wien.
Walter, Walter, Du warst immer mein bester Beschützer. Kein Wunder irgendwann, irgendwo begann Dein Hundestammbaum ja mit dem Wolf. (Purtscher, 2001) Ein Pudel ist noch immer 23 Prozent Wolf , also steckt auch in jedem Jack-Russel-Terrier – und besonders in Dir mein tapferer Schatz Walter – ein kleines Wölfchen. (Purtscher, 2001) Damit Du Deine Ur-Familie nie vergisst, sind wir oft abends in Schönbrunn spazieren gegangen und haben dem Wolfsgesang aus dem nahen Tiergarten gelauscht und dann hast Du mit ihnen gebellheult.
Manchmal hast Du mich als Wölfchen fast zu sehr beschützt. Es war zugegebenermaßen auch für mich nicht immer einfach zu erkennen, vor welchem Mann Du mich beschützen solltest und vor welchem nicht. Wie viele Jahre haben wir gemeinsam gebraucht, um das herauszufinden? War eine coole Zeit mit vielen Experimenten. Ich konnte mich auf Dich verlassen: Wolf, wenn es sein musste, Männerflüsterer wenn es sein sollte.
Der Wolf in Dir hat Dich auch zum Mitläufer gemacht. Klar als kleine Hunderasse, brauchtest Du nicht so lange Strecken, doch hast Du treu mit mir für den Wiener Staffelmarathon 2011 trainiert. Deshalb hab’ ich Dir gleich im Ziel meine Medaille umgehängt. So viele Wochen sind wir zwei vorher von der Brigittagasse im 20. in den Prater zum Stadion und retour gejoggt, damit ich fit für meine 9,2 km wurde. Sie sagen ein Hund soll zwischen verschiedenen Laufarten und Laufgeschwindigkeiten wählen können. (Purtscher, 2001) Das brauchte ich auch. Leider habe ich uns beide dabei doch etwas überfordert. Meine Kollegen hatten viel Spaß, als sie herausfanden, dass ich unsere Trainingsstrecke falsch berechnet hatte und wir viel zu viel gejoggt sind. Du fandest es nicht so lustig, warst einsilbig, warst hungrig. Oh, verzeih mir! Zum Glück hast Du nicht mehr Schaden davongetragen. Ich jedoch besuchte mal wieder mein „geliebtes“ Lorenz Böhler Unfallkrankenhaus, hatte mir einen Zehennagel ruiniert, der gezogen werden musste.
Du, Du hingegen warst immer fit und immer schön, mein wunderbarer Walter, Dein ganzes Jack-Russel-Terrier-Leben lang. Deshalb bis Du auch Super-Wien-Model geworden. Was war ich stolz. Ich bin mit einem sehr männlichen Model zusammen!! Und Du warst kein Eintagsfliegenmodel. Seit 2006 – sechs Jahre lang – nehmen Sie Dich, immer wieder nur Dich. Sie haben Dich ein wenig auf ernster retuschiert seit Ulli Sima sich entschlossen hat den Text “Sind Dir 36 Euro Wurst?“ dazuzuschreiben. Seither grüßen Dich alle Wiener Polizeihunde sehr achtungsvoll. Du bist ein Jack-Russel-Respekts-Terrier geworden. Sogar ein Sammlerstück. Sie müssen Dein Bild immer wieder nachdrucken, weil Deine vielen Fans es klauen. Mein Schild ist natürlich keine Nachauflage und nicht geklaut. Es ist die Erstauflage, sozusagen Dein Autorenbeleg. Ich habe Deine rechte vordere Pfote in Tinte getaucht und draufgedrückt. Dort, das ist Dein Pfotogramm. Wenn ich meine Hand drauf lege, spüre ich sie wieder – Deine Pfote.
Manche sagen, Models wären vielleicht schön doch meistens etwas doof. Das trifft auf Dich natürlich nicht zu. Denn Du bist nicht nur der schöne sondern auch der kluge Walter. Wie die Urkunde vom Clever Dog Lab beweist. Du hast auf der Uni Wien in der Kognitionsbiologie gezeigt, was in Deinem Köpfchen steckt. Den Computer-Touchscreen mit der Nase zu bedienen, fandest Du sehr cool. Da war „Köpfchen gefragt: denn nur bei einem der Bilder gibt es eine Belohnung, beim zweiten Bild gehen die Hunde leer aus und es gibt eine kurze Pause.“ Nicht für Dich, und ich hab’ ein bissel Futtergeld gespart. (Clever Dog Lab, 2012)
Natürlich braucht Schönheit innere Balance. In einer Weltstadt wie Wien besonders und man findet sie hier auch. Herr K. vom Yoga-Institut „Der aufrechte Gang“ hat Doga mit uns beiden gemacht. Ich habe noch ein Foto, da sind wir in unserer schönsten gemeinsamen Pose im Türkenschanzpark zu sehen. Es hat Dir so gut getan, nach all’ Deinen Verpflichtungen wieder zu Dir selbst zu finden, alle Deine Sinne in der Natur zu aktivieren. Dich mit gleichgesinnten Hunden auszutauschen. Auch zu Hause beim täglichen Sonnengruß hast Du Deinen Blick nach vorn gerichtet und Dich auf die Wärme in Deinem Sonnengeflecht konzentriert. Doch sehe ich da in Deinen Augen eine kleine Traurigkeit, einen kleinen Vorwurf? Ich weiß es ja, leider weiß ich es, ich habe es Dir verwehrt, die sinnliche Kraft Deines Wurzelchakras zu spüren, habe Dich kastrieren lassen. Auch Herr K. war gegen das Kastrieren – ein Yogi sollte alles spüren. Was hatte ich Dir da angetan?!
Dafür habe ich dir Deine anderen Bedürfnisse gelassen. Wir haben alle der fast hundert Hundezonen in Wien besucht, damit Du Deine Hunde-Stadt kennenlernen und genießen kannst.
Ich wollte eben auch, dass Du so wenig wie möglich einen Maulkorb tragen musstest. Das führt ja leider so oft zu Missverständnissen mit anderen Hunden, weil sie Deine mimische Kommunikation nicht verstehen. (Purtscher, 2001) Frei durftest Du sein in den Hundezonen. Auf einem Foto in unserem Tagebuch spürt man Deine Freiheit, Du ringst mit dem ungarischen Hirtenhund Attila in der Hundezone am Wasserpark Alte Donau. Wolltet Ihr mich beeindrucken?
Wir waren so lange zusammen und ich weiß, Du bist der beste Wiener Hund, den ich je kennenlernen könnte. Doch es kommt irgendwann der Tag, wo jede Beziehung so oder so endet. Was bleibt? Die gemeinsame Zeit und die Erinnerungen. Unsere Erinnerungen leuchten golden und erhellen mir Wien. Wenn ich sie dem Wien Museum gebe, zeigen sie vielleicht allen Hundstrümmerl-BekämpferInnen, dass Hunde auch sehr liebenswert sein können. Auf jeden Fall die männlichen.
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Die Idee zu diesem Text verdanke ich der Ausstellung „Absolut Wien – Ankäufe und Schenkungen seit 2000“ des Wien Museums im Jahr 2012 und der darin gezeigten Schenkung „Nachlass“ eines Hundes, 1962-1973, von Helga Löffler von 2007.
Jedoch sind meine „Erinnerungen“ nicht identisch mit den Bestandteilen der Schenkung und (relativ) frei erfunden – der Hund auf dem Schild der MA48 ist leider nicht mein Hund. Ich habe nie einen Hund besessen.
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Bild: Franz Pfeiffer hat mich & “meinen Hund Walter” bei meiner Lesung fotografiert.
Quellen:
(Clever Dog Lab, 2012) Website Clever Dog Lab, 2012
(Purtscher, 2001) Studie „Tiergerechte Hundehaltung und Auslaufmöglichkeiten in Wien“ des Campa!gning Office Entrup&Richter Wien, von Mag. Clemens Purtscher im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft von 2001
Ich konzentriere mich mehr auf meine Fotoleidenschaft: street photography. Dabei versuche ich, ‘Dialoge’ und ‘urbane Philosphien’ in großen Städten sichtbar zu machen, auch in Wien. Diese Bilder sind hier zu finden.
Mit neuen Texten kehre ich in Fotopausen zur Wiener Porträt Galerie zurück.
Bild: Lohner & Freud aus meiner Serie Männer in Wien
…die lebten in Wien an recht zentraler Stelle – am Schottentor – in einem großen Palais. Sie lebten hier von 1899-1938. Das Datum zeigt es, diese Geschichte nimmt kein happy end. Am 21. Mai 1938 müssen die Besitzer der Netsuke Wien verlassen – ohne ihre Kunstgegenstände.
Ein ganz kleines gutes Ende findet die Geschichte – die Netsuke werden gerettet.
Mein letztes Porträt hier habe ich begonnen mit: „Für vieles wird Wien geschätzt – zu Recht.“ Der Erbe der Netsuke und Autor des in diesem Porträt vorgestellten ungewöhnlichen Wien-Buches hat eine kritischere und traurigere Sicht auf Wien. Damit ist das Kapitel über Wien im Buch „The Hare With Amber Eyes – A Hidden Inheritance“ keine leichte Lektüre. Und doch ist es ein Kapitel Wiens.
Ich hatte mir dieses Buch gekauft, weil ich schon immer für die Netsuke geschwärmt habe. Diese „kleinen geschnitzte Figuren aus Japan … dienten zur Befestigung des Inrō, einer flachen, kleinen, mehrteiligen Lackholzdose am taschenlosen Kimono mithilfe eines Obi. Netsuke bestehen aus vielfältigen Materialien, wie beispielsweise Buchsbaum, Ebenholz, Bambus, Horn, Elfenbein oder Nüssen.“ (wikipedia)
Sie zeigen Menschen, Tiere, Gegenstände – Szenen des täglichen Lebens. Wunderbare Kunst die aus intensiver Konzentration entsteht. Einen kleinen Überblick gibt die virtuelle Sammlung des Autors.
Erst beim Blättern vor dem Lesen stieß ich auf Wien und das Palais Ephrussi – eine der Heimaten der 264 Netsuke. Den Rest des Beitrags lesen »
Für vieles wird Wien geschätzt – zu Recht :-) Das Wien auch ein Ort bahnbrechender Medizingeschichte ist, wird vermutlich nicht so oft erwähnt. Deshalb habe ich hier Johann Gottfried Bremser, Lorenz Böhler, Karl Landsteiner, Jaromir Mundy und Clemens Freiherr von Pirquet vorgestellt. Und widme mich heute Leopold Auenbrugger (1722 – 1809) dem Entwickler und Joseph Skoda (1805 – 1881) dem „Vollender“ der Perkussion.
Auenbrugger entwickelte 1761 die Perkussion in Wien, das Abklopfen der Brustkorbes zu diagnostischen Zwecken. Ein Glück für Patienten, aber keines für den Arzt. „Die Bedeutung seiner revolutionären Diagnosetechnik wurde zuerst im Ausland erkannt, bevor sie erst mehrere Jahrzehnte später auch hierzulande zu einer etablierten Methode werden durfte.“ (Regal, Nanut, 2003)
Auenbruggers Vater in Graz war Gastwirt und so wird erzählt, dass Auenbrugger den Füllstand der Weinfässer durch Klopfen einschätzen konnte. Als Arzt am Spanischen Spital in Wien studierte er sieben Jahre lang die Patienten und versuchte „durch Beklopfen des Brustkorbes krankhafte Veränderungen zu erkennen“. Wir wären nicht in Wien, wenn damit die Versuche endeten. Auenbrugger überprüfte seine Erkenntnisse auch an Leichen: „Er spritzte in die Brusthöhle der Leichen Flüssigkeit und bestimmte die mit dem Flüssigkeitsspiegel wechselnden Schallqualitäten, ehe er mit seiner neuen Methode an die Öffentlichkeit trat.“ Er verfasste ein kleines Buch, das bis heute unverändert gültige Prinzipien des Brustkorb-Abklopfens enthält: „Inventum novum. Neue Erfindung, mittels des Anschlagens an den Brustkorb, als eines Zeichens, verborgene Brustkrankheiten zu entdecken“. Tragischerweise griffen die hiesigen Medizingrößen damals diese Erkenntnis nicht auf. Erst ein Jahr vor dem Tod des Arztes erfuhr er Annerkennung vom Leibarzt Napoleons, Jean Nicolas Corvisart. Dessen Übersetzung und Ergänzung des “Inventum novum” ins Französische „machten Paris in der Folge zum Zentrum der physikalischen Krankenuntersuchung“. Medizinische Erfindungen, wie die des Stethoskops trugen dazu bei. (Regal, Nanut, 2003) Den Rest des Beitrags lesen »
Meine „Vermessung“ der Wiener Welten führt mich auch in für mich unbekannte Welten: heute Wiener Kirchen- und Miltärgeschichte. Die Kirche St. Johann Nepomuk (1910) am Fasanengarten bündelt diese beiden Welten mit der Wiener Architektur um 1900. Sie ist eine besuchenswerte Sehenswürdigkeit Wiens.
Die Geschichte von St. Nepomuk geht zurück auf das Schicksal von alten Soldaten und Kriegsinvaliden in Wien. Ihre Versorgung war in früheren Jahrhunderten nicht geregelt und so waren sie auf Wohltäter angewiesen. Abraham a Sancta Clara, der berühmte katholische Geistliche, der 1709 in Wien starb, beschreibt die Situation so: „Es hinkt mancher auf der Gassen, auf einer Krucken, hat alle Tag Quatember, Fasten schaut ihm aus den Augen, die Kleider sind voller Fenster; ist bei vielen Treffen gewesen, nun hat ihn das Unglück getroffen, dass er mit seinem Restschein muss betteln gehen; die vielen Blessuren am ganzen Leib übertrifft aber die Blessur am Beutel.“ (S. 114)
Die Reformen Kaiser Josefs II. waren der erste Ansatz zu Linderung. Er gründete die k.k. medizinisch-chirurgische Militärakademie, die Militärärzte ausbildete. Damit war schon einmal die gesundheitliche Versorgung der Soldaten verbessert. Auch auf eine Initiative von ihm geht die Erweiterung und Verlegung des alten k. u. k. Invalidenhauses von der Landstraße in den Fasangarten zurück. Gute Luft außerhalb der Stadt und Platz waren das Ziel. So wurde das Gelände gewählt, auf dem heute die Kirche steht. Den Rest des Beitrags lesen »
Ich war in guter Gesellschaft im Unfallkrankenhaus Wien Lorenz Böhler: Josef Haslinger, Dirk Stermann, Gert Voss… Wenn schon ein Unfall, dann sich dort helfen lassen, wo auch diese verehrten Wiener bzw. Zugereisten geheilt wurden. Zudem in meinem Heimatbezirk Brigittenau. Also machte ich mich auf zu testen, was Lorenz Böhler (1885 -1973) den Wienern geschaffen hat – ein fortschrittliches Unfallkrankenhaus. Auch wenn den gleichen Gedanken an diesem Samstag im März 2010 jede Menge Wiener und Zugereiste gefasst hatten, mein Problem wurde erkannt und innerhalb sechs Wochen geheilt. Deshalb ist das letzte Porträt 2010 dem Wiener Pionier der Knochenbruchbehandlung gewidmet. Den Rest des Beitrags lesen »